Protestaktion am Sana-Klinikum

OB Burkhard Mast-Weisz: „An diesen Worten messe ich ihn“

Mit einer „aktiven Mittagspause“ protestierten Sana-Beschäftigte in Remscheid und an anderen Standorten gegen den geplanten Job-Abbau. Foto: Doro Siewert
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Mit einer „aktiven Mittagspause“ protestierten Sana-Beschäftigte in Remscheid und an anderen Standorten gegen den geplanten Job-Abbau.

Das Klinikkonzern sagt sozialverträgliche Lösung zu.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Drei Worte, die die Stimmung unter den Beschäftigten des Sana-Klinikums ganz gut zusammenfassen: „Wir wollen Antworten“, stand auf einem der zahlreichen Plakate, die bei einer Protestaktion am Dienstag zu sehen waren. Rund 100 Mitarbeiter trafen sich zu einer „aktiven Mittagspause“ vor dem Haupteingang des Krankenhauses, um ihre Solidarität mit den von Kündigung bedrohten Kollegen der Sana-Tochter DGS zu demonstrieren – so wie an vielen anderen Standorten des Klinikkonzerns bundesweit.

Seit einigen Wochen ist bekannt, dass Sana die DGS abwickeln und rund 1000 Mitarbeiter, 64 davon in Remscheid, entlassen möchte. Was aus den Menschen wird und wer ihre Aufgaben am Empfang, im Patiententransport und in den anderen Service-Bereichen übernimmt, ist hingegen noch völlig unklar. „Wir bekommen einfach keine Antworten“, klagt Konzernbetriebsratsvorsitzende Gudrun Hedler.

Dabei hätten die Pläne, die zum Jahreswechsel umgesetzt werden sollen, bereits heute Auswirkungen, wie Hedler betont. Befristete Verträge liefen aus und würden nicht verlängert, wer kann, suche sich was Neues. „Wir verlieren jetzt schon Leute.“ In manchen Häusern des Konzerns müssten Aufgaben der Stationshilfen bereits von den ohnehin überlasteten Pflegekräften übernommen werden. „Viele sind fertig mit den Nerven.“ Die von Arbeitslosigkeit bedrohten Kolleginnen und Kollegen sowieso. Aber auch andere Mitarbeiter wegen Ungewissheit und Mehrbelastung.

Ein unhaltbarer Zustand, wie auch Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) betonte. Das Stadtoberhaupt war trotz eines anderen Termins zu der Protestaktion gekommen, um den Sana-Mitarbeitern die Unterstützung von Politik und Verwaltung zuzusagen: „Der gesamte Stadtrat steht hinter ihnen.“ Neben dem OB und Sozialdezernent Thomas Neuhaus waren auch mehr als ein halbes Dutzend Ratsmitglieder, überwiegend von der Linken und der SPD, erschienen. Und der Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt (CDU). Der hatte das Thema, als es im Bundestag zur Sprache kam, noch zur „unternehmerischen Entscheidung“ erklärt – und statt an der Sitzung teilzunehmen, US-Politik mit der Kanzlerin besprochen.

Mast-Weisz wiederholte die Forderung der Stadt, mit 5,1 Prozent Minderheitseigner des Krankenhauses, dass allen Betroffenen eine tarifliche Beschäftigung am bisherigen Standort angeboten werden soll. Vergangene Woche hatte er noch zusammen mit Neuhaus einen Brief an den Sana-Vorstandsvorsitzenden Thomas Lemke geschrieben, weil sich die Stadt, entgegen der Zusagen des Konzerns, nicht ausreichend informiert fühlt.

„Viele sind fertig mit den Nerven.“

Sana-Betriebsrätin Gudrun Hedler

In seiner Antwort versprach Lemke erneut, die Stadtspitze auf dem Laufenden zu halten. Zudem sagte er zu, dass Sana sich seiner besonderen Bedeutung als Arbeitgeber im Gesundheitswesen bewusst sei und man eine sozialverträgliche Lösung für die DGS-Mitarbeiter suche. „An diesen Worten messe ich ihn“, sagt Burkhard Mast-Weisz, der darüber hinaus ein Konzept von der Sana-Leitung in Ismaning und von der Geschäftsleitung hier vor Ort erwartet, wie die derzeit von der DGS übernommenen Aufgaben in Zukunft erledigt werden sollen.

Derweil laufen die Verhandlungen zwischen der Sana-Geschäftsleitung und dem DGS-Betriebsrat weiter. Drei Treffen habe es schon gegeben, das vierte und vorerst letzte sei am 23. Juni geplant, schreibt Thomas Lemke an OB Mast-Weisz. Der verspricht: „Wir bleiben dran. Spätestens am 24. Juni werde ich in Ismaning anrufen.“

Hintergrund

Die 1979 gegründete Sana Kliniken AG gehören 26 privaten Krankenversicherungen und betreibt mehr als 50 Krankenhäuser. Laut Geschäftsbericht wurden im Jahr 2019 über 2,2 Millionen Patienten behandelt. Dabei erlöste der Konzern einen Umsatz von 2,84 Milliarden Euro, ein Plus von fast 140 Millionen zu 2018. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen lag bei 239,2 Millionen Euro.

Standpunkt: Chance längst verpasst

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Als ich vor einigen Monaten an dieser Stelle die durchaus ausbaufähige Informationspolitik des Sana-Klinikums in der Pandemie kritisierte, hatte ich noch keine Ahnung, dass es sogar noch schlechter geht. Dass Sana in nicht einmal sieben Monaten die DGS abwickeln will und bis heute nicht einmal den Ansatz eines Konzepts präsentiert hat, wie es mit den Beschäftigten und ihren Aufgaben danach weitergehen soll, stärkt nicht gerade das ohnehin schon leicht brüchige Vertrauen der Remscheider in ihr Klinikum. Das ist übrigens auch aus Sicht des Konzerns nicht wirklich clever, lässt es doch Raum für Vermutungen und Spekulationen. Dabei kennt doch eigentlich jeder PR-Anfänger den wichtigsten Grundsatz in der Öffentlichkeitsarbeit: Agieren, nicht reagieren. Diese Chance hat Sana aber längst verpasst. Es wird Jahre dauern, dieses Versäumnis aufzuarbeiten, und damit das Vertrauen von Bürgern, Politik, Verwaltung und ganz nebenbei auch uns Journalisten zurückzugewinnen.

Um die geplanten Kündigungen am Sana-Klinikum Remscheid geht es am Dienstagabend in einem Live-Chat, den der Landtagsabgeordnete Sven Wolf (SPD) veranstaltet. 

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