Warten auf Coronaschutzverordnung

OB: „Beschlüsse sind Ärger mit Ansage“

Stefanie Gehrke, stellvertretende Leiterin des Gertrud-Bäumer-Gymnasium, zeigt die Schnelltests für Schüler. Sie werden in der Mensa getestet. Foto: Doro Siewert
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Stefanie Gehrke, stellvertretende Leiterin des Gertrud-Bäumer-Gymnasium, zeigt die Schnelltests für Schüler. Sie werden in der Mensa getestet.

Stadt wartet einmal mehr auf die Coronaschutzverordnung des Landes – Kitas testen mit Lollis.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Die Zahlen sind besorgniserregend, auch in Remscheid. Aktuell sind 317 Bürger mit dem Coronavirus infiziert, die Sieben-Tages-Inzidenz liegt bei 171,5. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) ist sauer. „Ich habe einen heiligen Zorn auf all diejenigen, die sich nicht an die Regeln halten – ob es Familienfeiern, Treffen unter Freunden oder Hochzeiten sind. Das ist einer der wesentlichen Gründe dafür, warum die Zahlen steigen. Und sie versauen uns damit allen das Osterfest. Und das ärgert mich.“

Denn die Bund-Länder-Konferenz hat am Montagabend beschlossen, den Lockdown bis 18. April zu verlängern – und auch an Ostern keine Ausnahme zu machen. Wie die einzelnen Beschlüsse in Remscheid umgesetzt werden sollen, das weiß die Stadtspitze allerdings noch nicht. Nun heißt es einmal mehr warten auf eine Coronaschutzverordnung des Landes NRW. Bis 29. März muss diese vorliegen – die bisherige läuft am Sonntag, 28. März, ab.

Die Beschlüsse bewertet Remscheids Stadtchef jedoch jetzt schon als „Ärger mit Ansage“. Dass man auf die steigenden Infektionszahlen reagieren müsse, sei selbstverständlich. „Aber dann hätte man nicht schon Anfang März lockern sollen.“ Denn „Alles zurück auf den Zustand vor dem 8. März“ lautet die Devise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder. Heißt: Händler dürfen kein „Click & Meet“ mehr anbieten, sondern nur noch Lieferung, Museen und Tierparks droht erneut die Schließung. „Zuerst ist den Leuten ein Stück Normalität gegeben worden, jetzt wird sie ihnen wieder weggenommen. Das versteht keiner mehr“, sagt Mast-Weisz. Den Gründonnerstag nun zum Feiertag zu erklären, wirke hilflos. Dass die Menschen „stinkig“ sind, kann der Stadtchef nachvollziehen.

Und so geht es jetzt erst mal in Remscheid weiter:

Schulen: Bei den steigenden Infektionszahlen spielen Schulen laut Stadt keine große Rolle – sie seien keine Hotspots und bleiben deshalb im Wechselmodell geöffnet. Schulen haben laut aktueller Erhebung der Stadt einen Anteil von 6,8 Prozent an den Infektionen, dem gegenüber stehen 16 000 Schüler. Am Freitag seien beispielsweise sieben Schüler an weiterführenden und vier an Grundschulen positiv per PCR-Test auf Sars-CoV-2 getestet worden, sagt Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus. Die Selbsttests seien zudem am Montagmorgen von der Polizei an alle weiterführenden Schulen Remscheids ausgeteilt worden. Das Gertrud-Bäumer-Gymnasium konnte so bereits am ersten Tag zwei positive Fälle ausmachen. Die beiden Schüler wurden sofort zum PCR-Test geschickt.

Kitas: Auch Kitas gelten bei der Stadt nicht als Infektionstreiber und bleiben geöffnet. Kitas machen aktuell 8,9 Prozent der Infektionen aus, dem gegenüber stehen in Remscheid rund 3500 Kitakinder. Wie bei Schulklassen gilt auch hier: Tritt ein positiver Fall auf, muss die gesamte Gruppe in Quarantäne. Daher sind die Quarantänezahlen immer höher als die Infiziertenzahlen. Das RKI hatte diese Empfehlung zuletzt geändert. „Damit sind wir auch nicht glücklich“, sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling. Weil Mutationen Sorgen bereiten und eine Covid-19 oftmals symptomlos bei Kindern verläuft, setzt die Stadt ab sofort in 23 Kitas vor allem in Ballungsräumen die Lollitests ein. Es handelt sich um eine Studie mit der Uni Köln und dem Kölner Labor Quade. Letzteres gibt die Tests in den Kitas ab und sammelt sie später wieder ein. Jede Gruppe plus Erzieher wird so zwei Mal die Woche getestet. Kinder lutschen dabei erst an Teststäbchen 1 wie an einem Lolli. Alle Stäbchen kommen gemeinsam in einen Behälter. Dann lutschen die Kinder an Lolli 2. Diese werden einzeln verpackt und mit Namen versehen. Das Labor prüft dann zunächst nur den Becher. Sollte der Befund positiv ausfallen, kann mit dem Einzelstäbchen von Lolli 2 sofort herausgefunden werden, welches Kind infiziert ist. Und das tagesaktuell.

Kostenfreie Tests

Das Testzentrum Remscheid Süd, Burger Straße 17, öffnet heute um 10 Uhr. Testungen gibt es auch ohne Termin. Termin buchen: testzentrum-remscheid-süd.de

Die Apotheke im Allee-Center startet am 25. März ab 15 Uhr:. Terminbuchung: https://apotheke-im-alleecenter.de

In unserem Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid.

Standpunkt

Von Melissa Wienzek

melissa.wienzek@rga.de

Für eine kurze Zeit konnten wir so etwas wie Normalität genießen. Einkaufen im Modegeschäft, Stöbern im Museum, Tiere beobachten in der Fauna. Wie kostbar diese Momente waren, merkt man jetzt. Die Regierung zieht die Notbremse. Diese Rolle rückwärts kann wohl kaum noch jemand nachvollziehen. Bei allem Verständnis dafür, dass natürlich auf die steigenden Infektionszahlen reagiert werden muss – das hätte man auch Anfang März sehen können. Das Stückchen Freiheit, das wir alle kurzzeitig genossen haben, ist nun wieder weg. Enttäuschung macht sich breit. Die Menschen sind – um es mit Burkhard Mast-Weisz zu sagen – stinkig. Man kann es ihnen noch nicht mal verübeln. Aber: Das ist kein Grund dafür, sich montagsabends ohne Maske und Abstand zu versammeln und ein tödliches Virus, das es nun einmal ist, zu leugnen. Diejenigen, die die Regeln missachten, beleidigen all diejenigen, die sich seit über einem Jahr an alles halten und auf alles verzichten, um andere zu schützen. Das ist einfach nur unfair. Und ein Schlag ins Gesicht der Mediziner und Pfleger auf Covid- stationen.

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