Nachhaltige Kulturpolitik

NRW-Ministerin fordert lebenslange kulturelle Bildung

Isabel Pfeiffer-Poensgen (68, parteilos), Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, sprach anlässlich einer Internationalen Tagung in der Akademie der Kulturellen Bildung in Küppelstein.
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Isabel Pfeiffer-Poensgen (68, parteilos), Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, sprach anlässlich einer Internationalen Tagung in der Akademie der Kulturellen Bildung in Küppelstein.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen wünscht sich schon frühe kulturelle Bildung, um junge Menschen für die Herausforderungen des Lebens zu rüsten. Dabei sieht sie die Kommunen in der Pflicht.

Remscheid. In Finnland finanziert der Staat den Kindern ein Hobby. Und 90 Prozent der Kommunen gestalten den kulturellen Lehrplan der Schüler: Sie legen fest, wann getanzt, gesungen, musiziert wird. Damit liegt die Kulturelle Bildung nicht mehr im Ermessen eines engagierten Lehrers, sondern ist Teil des Curriculums. Auch ein Modell für Deutschland?

Wenn es nach der Leiterin der Akademie der Kulturellen Bildung des Landes und des Bundes in Küppelstein, Prof. Dr. Susanne Keuchel, geht, auf jeden Fall. Eine solche „kulturelle Staatsbürgerschaft“, die jeden mit jeder Herkunft einschließe, müsse in den Ganztag integriert werden, erklärte Keuchel bei der Podiumsdiskussion am Mittwoch, 25. Mai, in der Akademie. „Ein junger Mensch muss in der Lage sein, zu tanzen und zu singen, wenn er das möchte. Er sollte den Freiraum dafür bekommen.“

Die Frage, die am Mittwoch über allem stand, lautete: Nachhaltige Kulturpolitik – demokratiebildend, global und generationengerecht? In der Akademie hatte es dazu schon seit Dienstag eine internationale Fachtagung gegeben. Experten aus Ungarn, Spanien, Lettland & Co. hatten dabei ihre besten Beispiele vorgestellt. So eben auch Aleksi Valta aus Finnland.

Grundlage bildete die im April unter dem portugiesischen EU-Ratsvorsitz verabschiedete „Porto Santo Charta“. Sie soll die öffentliche Kultur- und Bildungspolitik erneuern, Demokratie stärken und vor allem die Bürger aktiv einbeziehen. Die „Porto Santo Charter“ enthält 40 Empfehlungen an Bildungseinrichtungen, Kulturpolitik und Bürger. Das Ziel: gemeinsam Verantwortung für die Kulturlandschaft übernehmen.

So kann kulturelle Bildung gelingen

Wie das gelingen kann, darüber diskutierten die Experten am Mittwoch in Küppelstein. Den Fragen von Moderatorin Susann Krieger stellten sich auch Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos), Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Roman Luckscheiter von der Deutschen Unesco Kommission, Markus Hilgert von der Kultur Stiftung der Länder und Jörg Stüdemann, Kulturdezernent und Kämmerer in Dortmund.

Letzterer hatte gleich ein gutes Beispiel aus seiner Stadt im Gepäck: In der Ruhrmetropole beteiligen sich die Bürger aktiv am Programm des Schauspiels. Kinder und Jugendliche haben nicht nur freien Eintritt zu Bibliothek und Museen, sondern es wurde auch ein Kulturkindergarten eingerichtet. Gemeinsam mit der dortigen Musikschule wurden Erzieher zu Kultur-Erziehern fortgebildet.

Stüdemann meint: „Wir müssen die Institute anhalten, auch rauszugehen. Und wir brauchen Professionen, die über den Pädagogen hinausgehen.“ Vor allem für Museen werde sich laut Markus Hilgert künftig die Frage stellen: Verzichten wir auf einen Depotleiter und stellen dafür einen Experten für Digitales ein? Outreach-Agent statt Kurator? „Das wird schwierig, wenn wir auch Museen zum ,Dritten Ort‘ machen wollen.“ Denn was bleibt, was ist nachhaltig?

Wenn einem nichts mehr einfällt, denkt man an Kultur.

Isabel Pfeiffer-Poensgen

Die NRW-Kulturministerin fand klare Worte: „Die Kunst ist frei. Ich verwahre mich dagegen, dass Kunst und Kultur soziale und gesellschaftliche Herausforderungen retten soll.“ Denke man nur an die Industriebrachen. „Wenn einem nichts mehr einfällt, dann denkt man an Kunst und Kultur.“ Daher sei es so wichtig, Kulturelle Bildung gleich von Anfang an in das Leben eines jeden zu integrieren, um ihn für die Herausforderungen des Lebens zu rüsten. Und zwar ein Leben lang. Isabel Pfeiffer-Poensgen ist sich sicher: Das Beispiel aus Dortmund zeige, dass Kulturelle Bildung mit den Bürgern einer Stadt ausgehandelt werden müsse. „Sich dabei mit anderen Sichtweisen auseinanderzusetzen, ist gesamtgesellschaftliche Demokratiebildung.“ Ein Instrument seien Kulturelle Gesamtkonzepte – wie in Remscheid.

Gesamtkonzept der Stadt wurde ausgezeichnet

Bereits im November 2021 hat Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen in Köln Mitglieder des Remscheider Arbeitskreises Kulturelle Bildung für das Gesamtkonzept Kulturelle Bildung in Remscheid ausgezeichnet. Die Urkunde belegt, dass die Stadt Remscheid mit ihren Plänen für kulturelle Bildung den richtigen Weg eingeschlagen hat – und das schon zum zweiten Mal.

Seitdem geht es unter Einsatz des Preisgeldes mit noch besserem Zugang zu Bildungsangeboten und dem Format „Kubi“ weiter. Dies ist ein Fortbildungsangebot für Anbieter kultureller Bildung sowie für pädagogisches Personal. Am 23. Juni gibt es beispielsweise einen Theater-Workshop mit Björn Lenz vom WTT. Infos:
kubi-remscheid.de

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