Auslastung schwankt von Kita zu Kita - teils kommt mehr als die Hälfte der Kinder

Rund 35 Prozent nutzen die Kita-Notbetreuung

Heike Schmidt (2.v.l.), Leiterin der Kita Vieringhausen, packt mit ihren Mitarbeiterinnen Silvia Hempel-Kaschner (l.), Ann-Christin Scholz und Julia Becker (r.) Überraschungstaschen für die Kinder zuhause. Foto: Doro Siewert
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Heike Schmidt (2.v.l.), Leiterin der Kita Vieringhausen, packt mit ihren Mitarbeiterinnen Silvia Hempel-Kaschner (l.), Ann-Christin Scholz und Julia Becker (r.) Überraschungstaschen für die Kinder zuhause.

Eltern müssen keine Gründe angeben, wenn ihre Kinder in die Kita gehen

Von Katharina Birkenbeul

Remscheid. Obwohl die Kindertagesstätten ebenfalls vom zweiten Lockdown betroffen sind, herrscht dort reger Betrieb. Nach Angaben von Sozialdezernent Thomas Neuhaus nutzen derzeit durchschnittlich 35 bis 40 Prozent der Kinder die Notbetreuung in den städtischen Kitas. Am vergangenen Donnerstag waren es mit 492 von 1437 Kindern 34 Prozent. „Wir haben sogar rund 50 Prozent der Kinder hier, das ist für uns Mitarbeiter schon ein komisches Gefühl, weil alle privat versuchen sollen, so wenig Kontakte wie möglich zu haben“, sagt Heike Schmidt als Leiterin der Kindertageseinrichtung Vieringhausen.

Seit dem 11. Dezember lautet der Appell von NRW-Familienministers Joachim Stamp (FDP), Kinder aufgrund der Situation um das Coronavirus zu Hause zu betreuen, anstatt sie in die jeweilige Kindertageseinrichtung zu schicken. Seit dem 14. Dezember sind die Kitas nur noch im Notbetrieb. Das bedeutet, dass Eltern ihre Kinder, wenn sie keine andere Alternative haben, weiterhin im Kindergarten betreuen lassen können. Das wird laut den neusten Verordnungen auch noch bis mindestens zum 14. Februar andauern.

„Wir erwarten, dass sich alle an den Appell halten.“

Peter Nowack, Stadt Remscheid

Die genaue Auslastung der Kitas hänge stark vom Einzugsgebiet ab, erklärt Peter Nowack, Leiter der Abteilung Kindertageseinrichtungen bei der Stadt Remscheid. In die städtische Kita Remscheider Straße seien am Donnerstag nur etwa 12,5 Prozent gegangen, und damit 3 von 24 Kindern. Die Kita an der Lüttringhauser Straße hingegen betreue täglich etwa 49 von 86 Kinder. Das entspricht 57 Prozent.

Die Zahlen schwanken täglich, weil einige Eltern ihre Kinder nur tageweise in die Einrichtungen bringen, dennoch bleiben sie grundsätzlich ähnlich. Aber: „Bei um die 60 Prozent, kann man nicht mehr von Lockdown sprechen“, ist dem Amtsleiter bewusst. Doch wenn in eine Einrichtung viele Kinder berufstätiger Eltern gar mit systemrelevanten Berufen gehen, gebe es keine andere Möglichkeit.

Dort, wo sehr viele Kinder die Kita besuchen, werde deshalb die Betreuungszeit um zehn Stunden gekürzt. Denn nur so könnten die einzelnen Gruppen scharf getrennt werden – ohne dass ein Personalmangel entsteht. In den anderen Einrichtungen stehe den Eltern weiterhin die volle Betreuungszeit zur Verfügung. „Die Eltern entscheiden, ob sie Betreuungsbedarf haben“, erklärt Nowack. Ein Grund müsse nicht mehr angegeben werden. „Wenn wir mit den Eltern diskutieren, ob es notwendig ist oder nicht, verspielen wir unser Vertrauen, deshalb ist es sinnlos. Wir erwarten aber, dass sich alle an den Appell halten.“

„Die Eltern und die Kitas tun das, was in ihrem Rahmen möglich ist. Die durchschnittlichen Zahlen zeigen, dass die Eltern gewillt sind, ihre Kinder zuhause zu lassen“, betont Marco Marquard, Vorsitzender des Jugendamtselternbeirates. Wichtig sei, dass Eltern und Einrichtung miteinander ins Gespräch kommen, so könne auch für diejenigen eine Lösung gefunden werden, die beispielsweise Homeoffice, Homeschooling und die Betreuung eines Kita-Kindes unter einen Hut bekommen müssten.

Auch für die Erzieher ist die Herausforderung groß. Neben der Betreuung der Kinder vor Ort, sei es auch wichtig, an die zuhause zu denken, so Heike Schmidt. Dafür haben sie Überraschungstüten mit Rätseln, Ausmalbildern oder Weihnachtsgeschenken gefüllt. Das habe die Kita schon im Frühjahr gemacht.

Da sei es einfacher gewesen, weil sehr viel weniger Kinder die Einrichtung besuchten. „Die derzeitige Gruppengröße von rund zehn Kindern ist noch machbar, mehr dürfen es nicht werden“, sagt Heike Schmidt. Die Vielzahl an Kontakten verunsichere die Erzieher. „Aber wir machen das Beste draus und hoffen, im Frühling mehr draußen sein zu können.“

Zahlen

Für den Monat Januar liegen derzeit nur die Zahlen der städtischen Kindertageseinrichtungen vor, so der Leiter der Abteilung Kindertageseinrichtungen bei der Stadt, Peter Nowack. Weil das Land, anders als zuvor, die Zahlen nicht mehr erhebt, führt die Stadt Remscheid nun eigene Erhebungen durch.

Die Entwicklung der Corona-Zahlen finden Sie in unserem Live-Blog.

Meinung: Weiter durchhalten

katharina.birkenbeul@rga.de

Von Katharina Birkenbeul

Es ist keine einfache Situation. Viele Eltern haben zuhause damit zu kämpfen, dass sie Homeoffice, Homeschooling und die Betreuung eines Kindergartenkindes unter einen Hut bekommen müssen. Und die Kleinen sind teilweise noch nicht in der Lage zu verstehen, dass Mama und Papa arbeiten müssen und nicht mit ihnen spielen können.

Deshalb ist es verständlich, dass diese Familien trotzdem die Notbetreuung nutzen möchten. Das ist in keinster Weise verwerflich, denn zusätzlich ein Kita-Kind zu betreuen kann einem die Nerven rauben.

Allerdings stehen auf der gegenüberliegenden Seite die Erzieher, die teilweise weiterhin die Hälfte der normalen Anzahl der Kinder, die ihre Einrichtung besuchen, betreuen müssen und so zahleichen Kontakten ausgeliefert sind, die es in dieser Pandemie eigentlich zu vermeiden gilt.

Deshalb ist es wichtig, dass jeder der seine Kinder in die Kita schickt, erneut darüber nachdenkt, ob das wirklich notwendig ist. Und dann heißt es für die, die ihre Kinder zuhause behalten: weiter durchhalten. Das Ende der Notbetreuung wird kommen.

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