Kurse

Nichtschwimmer: Die Wartelisten sind randvoll

Hinter Uli Kohlstedt lernt eine Nachwuchsgruppe schwimmen. Der Sprecher der Fachschaft Schwimmen hat aber eine schlechte Botschaft im Gepäck: Die Wartelisten dieser Kurse sind überall voll. Foto: Roland Keusch
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Hinter Uli Kohlstedt lernt eine Nachwuchsgruppe schwimmen. Der Sprecher der Fachschaft Schwimmen hat aber eine schlechte Botschaft im Gepäck: Die Wartelisten dieser Kurse sind überall voll.

Eltern stehen zurzeit vor Problemen: Wie kommt das Kind zum Seepferdchen?

Von Timo Lemmer

Remscheid. Für Hartmut Bau ist es ebenso wenig eine Frage wie für Uli Kohlstedt: Schwimmenlernen, das gehört quasi zum Aufwachsen dazu, eine essenzielle Kindheitserfahrung, die in all ihren Facetten prägt. Anders kennen sie es nicht, und das habe früher nicht nur für sie als Schwimmer gegolten „Seit fast 50 Jahren mache ich das“, sagt Bau, während vor ihm im Lehrbecken des Sportbads am Park eine Gruppe Steppke schwimmen lernt. „Mit den Kleinsten macht es am meisten Spaß“, sagt er und blickt doch sorgenvoll drein. Denn die aktuelle Situation in der Schwimmausbildung ist prekär.

So einfach wie früher ist es nicht mehr. Kohlstedt berichtet, dass für alle Nichtschwimmer-Kurse die Wartelisten rappelvoll seien. Sicher seien darunter auch Eltern, die ihre Kinder auf mehreren Listen platziert haben. Klar sei aber, dass es zu wenig Kurse für die Nachfrage gibt. „Diese Listen existieren mittlerweile in allen Vereinen“, weiß der Sprecher der Fachschaft Schwimmen und fährt mit einem Beispiel fort: „Die Wassersportfreunde haben vier solcher Kurse. Auf allen vier Wartelisten stehen sicherlich je 30 Namen.“

Der Schwimmverband NRW warnt bereits seit längerem vor immer mehr Nichtschwimmern. 1400 Bäder und Schwimmhallen habe man in NRW Anfang des Jahrtausends noch gezählt, jetzt tendiere die Zahl gen 1000 – und Neubauten hätten meist Spaßbadcharakter. Das habe ohnehin schon Probleme in der Ausbildung bereitet – und dann kam auch noch Corona (| Infokasten).

„Es ist ein Desaster und zieht sich durch alle Vereine.“

Uli Kohlstedt zu den Wartelisten

In Remscheid sei die Situation aufgrund von zwei Bädern noch besser als anderswo. Aber Kohlstedt macht auch klar: „Das Lehrschwimmbecken im Sportbad hat eine Auslastung von 100 Prozent.“ Auch Reha-Gruppen nutzen es. „Ein Schwimmkurs benötigt etwa zehn Stunden, manche Kinder brauchen aber auch zwei oder drei Kurse.“ Die langen Wartelisten seien „für uns ein Desaster, das zieht sich durch alle Schwimmvereine.“

Dabei könne man mit dem Seepferdchen allein nicht einmal richtig schwimmen, betont Kohlstedt, dass eigentlich noch eine Anschlussförderung erfolgen muss. Deshalb plädiert er auch für Schwimmkurse in den Vereinen. Möglich ist das Seepferdchen aber auch in Kursen etlicher Institutionen.

Wer sein Kind zum Seepferdchen bringen möchte, sollte laut Kohlstedt einen Verein kontaktieren. Neun Schwimmvereine listet der Sportbund auf seiner Homepage für Remscheid auf.

Die beklagen vor allem, dass Schwimmen zum teuren Sport verkommen sei. „Ein Bad verursacht immer Kosten“, weiß Kohlstedt. Dennoch beklagt er, dass die für eine Dreiviertelstunde berechneten Preise pro Bahn immer weiter ansteigen würden. Wenn zeitgleich Mitglieder austreten, wird es für den Rest immer teurer. „Wir müssen aufpassen, dass Schwimmen nicht zum Luxussport wird.“ Hier seien die Kommunen gefordert. Ein weiteres Problem sei der Nachwuchsmangel im Ehrenamt.

Die Schwimmer fragen: Was ist es uns als Gesellschaft wert, dass Kinder schwimmen lernen? Bei den Schwimmvereinen macht sich der Eindruck breit, dass bei Badeunfällen im Sommer das Thema Nichtschwimmer immer wieder aufkäme – ohne aber, dass dann etwas dagegen getan werde.

Klar ist für Bau: „Wir müssen da gegensteuern.“ Wie sich der Problematik der langen Wartezeiten auflösen lässt, muss aber auch Kohlstedt offenlassen: „Wenn ich das wüsste, könnte ich auch die Lottozahlen vorhersagen.“ Liste der Schwimmvereine:

https://t1p.de/kzgd

Hintergrund

Zahlen: Der Schwimmverband NRW gibt an, dass im Vor-Corona-Jahr 2019 in den 580 Mitgliedsvereinen 25 403 Seepferdchen abgelegt worden seien.

Corona: Für 2020 wurden dann nur noch 6059 Seepferdchen ausgewiesen. Die Zahlen für 2021 stehen noch aus.

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