Stadtwerke bereiten sich auf ÖPNV-Schnäppchen vor

Neun-Euro-Ticket erfordert einen hohen organisatorischen Aufwand

Die Stadtwerke Remscheid bereiten sich auf das Neun-Euro-Monatsticket vor.
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Die Stadtwerke Remscheid bereiten sich auf das Neun-Euro-Monatsticket vor.

Drei Monate lang werden Bundesbürger den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) für kleines Geld nutzen können.

Von Andreas Weber

Remscheid. Als Entlastung für die auf ein Allzeithoch gekletterten Benzinpreise soll Bus- und Bahnfahren vorübergehend deutlich günstiger werden. Auch wenn die genauen Ausführungsbestimmungen noch fehlen, bereiten sich die Stadtwerke Remscheid mit Hochdruck auf das Neun-Euro-Monatsticket vor. Eine Herkulesaufgabe steht bevor.

Am 1. Mai oder 1. Juni soll das Ticket kommen. Ende vergangener Woche hatten die Stadtwerke über den VRR mit einer Mitteilung gerechnet, die das Prozedere erläutert und wie und wo die Monatstickets erworben werden können und welchen Nutzungsbereich sie abdecken. Doch die Mitteilung blieb bislang aus.

Die Überlegungen, wie jeder am ÖPNV-Schnäppchen partizipieren kann, laufen im Haus auf Hochtouren. „Denn der administrative Aufwand wird immens werden“, erklärt Betriebsleiter Armin Freund. Zu leisten sein wird er nur mit einem hohen Personalaufwand.

„Und das gerade vor den Osterferien, wo sicherlich viele Mitarbeiter schon Urlaube gebucht haben“, macht Freund kein Hehl, dass den Stadtwerken eine Umsetzung zum 1. Juni lieber wäre. Denn das Verkehrsunternehmen muss nicht nur an diejenigen denken, die erstmalig auf den ÖPNV umschwenken, sondern vor allem an die fast 14.000 Abokunden, die für ein Jahr mit der ganzen Bandbreite vom Schüler- bis zum Bärenticket ausgestattet sind. Wie die drei Monate mit ihren Kosten von insgesamt 27 Euro in das Jahresticket integriert werden, ist noch nicht spruchreif.

„In jedem Fall bedeutet es einen hohen administrativen Aufwand“, greift Freund den kommenden Wochen voraus. Weil es Angebote geben wird, die auf die Abotickets zugeschnitten sind, bestehe kein Grund, dass Stammkunden ihre Abos angesichts der Neun-Euro-Perspektive schnell kündigen.

Die Forderung der Verkehrsministerkonferenz, befristet einen Nulltarif in Bussen und Bahnen einzuführen, hält Armin Freund für nicht so klug. Zwar würde es den administrativen Aufwand bei den Stadtwerken deutlich reduzieren, aber: „Wir könnten in diesem Fall an die Kapazitätsgrenzen mit unserer Busflotte kommen“, befürchtet er. Denn dann würde womöglich jeder auf Bus umsteigen wollen, um festzustellen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel restlos überlastet sind.

Armin Freund sieht im günstigen Ticket Chance für die Stadtwerke

Armin Freund teilt nicht die Kritik des Fahrgastverbandes Pro Bahn, der das staatliche Geschenk für einen „populistischen Schnellschuss ohne nachhaltige Wirkung“ hält und lieber in den Ausbau des ÖPNV investieren würde. Freund sieht in dem billigen Monatsticket eine Chance für sein Unternehmen, Kundenwerbung zu betreiben und dauerhaft zusätzliche Fahrgäste zu gewinnen. Noch in dieser Woche rechnen die Stadtwerke Remscheid mit genauen Anweisungen.

Standpunkt: Chance dauerhaft nutzen

Von Leon Hohmann

leon.hohmann@rga.de

Wer auch nur die kürzeste Strecke mit dem Bus zurücklegen möchte, zahlt ohne Aboticket 1,80 Euro. Wenn das geplante Neun-Euro-Ticket kommt, dann wären es nur noch 30 Cent – und das sogar für einen ganzen Tag. Eine Entlastung, die sich definitiv bemerkt macht.

Es ist aber nicht nur ein Modell, das angesichts des Ukraine-Krieges kurzfristig viele zusätzliche ÖPNV-Nutzer bringen könnte. Es ist vor allem ein Modell, das für Klimaschutz und Mobilität der Zukunft steht. Wer in den drei Monaten vom Auto auf Bus und Bahn umsteigt und Vorteile zu schätzen lernt, möchte auch darüber hinaus den Nahverkehr zu einem moderaten Preis nutzen.

Österreichs Hauptstadt Wien hat es vorgemacht: Bereits 2012 wurde dort das 365-Euro-Jahresticket eingeführt. Seitdem ist die Fahrgastzahl kontinuierlich gestiegen – mittlerweile gibt es mehr Ticketbesitzer als angemeldete Autos.

Zwar wird sich das Konzept wohl nicht eins zu eins auf Remscheid übertragen lassen. Aber es zeigt, dass der ÖPNV durchaus preislich attraktiv sein kann. Und: Wann wäre es besser als jetzt, grundsätzlich an der Preisschraube zu drehen?

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