Erkältungssaison

Neuer Grippeimpfstoff ist da

Begehrte Spritze: Viele Remscheider wollen sich gegen Grippe impfen lassen. Doch es ist kein Impfstoff zu bekommen. Foto: Roland Keusch
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Begehrte Spritze: Viele Remscheider wollen sich gegen Grippe impfen lassen.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Nachdem die Remscheider zuletzt reihenweise leer ausgingen, soll jetzt neuer Grippeimpfstoff verfügbar sein.

Remscheid. Das erklärt Gesundheitsamtschef Dr. Frank Neveling auf RGA-Nachfrage. Auch er habe gerade eine Nachlieferung bekommen. Das Gesundheitsamt hat jedoch keinen Impfstoff für die Öffentlichkeit. 

Wer sich gegen die Grippe impfen lassen will, kann seinen Hausarzt ansprechen. Die Kassen zahlen die Impfung für Menschen mit chronischen Erkrankungen und für Über-60-Jährige. Auch, wer im Krankenhaus oder Altersheim arbeitet, sollte sich laut Neveling impfen lassen. -mw- 

Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling spricht über die Herausforderungen in der Corona-Krise.

Artikel vom 2. Oktober 2020

Remscheider warten auf Grippeimpfstoff

Ärzte vertrösten ihre Patienten, Apotheken führen Wartelisten: Keiner weiß, wann die nächste Lieferung kommt.

Von Axel Richter

Remscheid. Die gute Nachricht: Es soll noch Grippeimpfstoff geben, und die Apotheken in Remscheid sollen auch noch welchen bekommen. Die schlechte Nachricht: Keiner weiß wann und wie viel. Die Ärzte und Apotheker können ihre Patienten und Kunden deshalb nur vertrösten, während sich bei denen die Angst breitmacht, ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 ungeimpft zu bleiben.

„Der Druck ist riesig“, berichtet Dr. Andrea Ludwig, Inhaberin der Pinguin-Apotheke am Markt in Alt-Remscheid. Auch sie führt eine lange Warteliste. Darauf haben sich die Privatversicherten eingetragen, denn sie müssen sich den Impfstoff selbst besorgen. Die gesetzlich Versicherten erhalten ihre Spritze mit dem Serum bei ihrem Haus- oder Facharzt. Wenn es denn welches gäbe.

Remscheid: Keiner weiß, wann die nächste Lieferung Impfstoff kommt

Tatsächlich sind die 18,1 Millionen Dosen des Vierfachimpfstoffes, die das Paul-Ehrlich-Institut bis Ende September auf Bestellung der Ärzte und Apotheken zur Auslieferung freigegeben hat, bereits so gut wie verimpft. Zwar soll Anfang Oktober eine zweite Lieferung folgen, doch noch weiß kein Arzt und kein Apotheker, wann sie kommt. Und schon gar nicht, ob die Menge, die ihnen dann geliefert wird, auch ausreicht. Wer jetzt seinen Namen auf einer Liste stehen hat oder bei seinem Hausarzt vorstellig wird, kann mithin nur auf die nächsten Tage hoffen.

Dabei hatten die Kassenärzte im Corona-Jahr 2020 vor allem älteren und chronisch kranke und immungeschwächte Menschen sowie allen in Gesundheitsberufen die Grippeschutzimpfung dringend angeraten. So soll verhindert werden, dass insbesondere in den Risikogruppen die saisonale Grippe zusätzlich zur Pandemie auftritt.

„So werden jeden Tag Hunderte nutzlose Telefonate produziert.“
Dr. Andrea Ludwig

Die Menschen folgten dem Aufruf. „Und zwar in großer Zahl und früher als in vorangegangenen Jahren“, sagt Dr. Frank Neveling, Leiter des Remscheider Gesundheitsamtes. Schließlich fordern auch die Influenza und Folgeerkrankungen in jedem Jahr mehrere Opfer im Bergischen Land. In der besonders tödlichen Grippesaison 2017/18 überlebten annähernd 40 überwiegend ältere Patienten aus Remscheid, Solingen und Wuppertal die kalte Jahreszeit deshalb nicht und starben zum Beispiel an einer Lungenentzündung.

Remscheid: Unnötige Telefonate – Leidensdruck ist in den Arztpraxen hoch

Es gibt Privatpatienten, die warten seit einem knappen Monat auf einen Anruf ihrer Apotheke. Und auch in den Arztpraxen ist der Leidensdruck hoch. Weil die Ärzte keine verbindliche Aussage über etwaige Lieferungen treffen können, rufen sie bei den Apotheken an und die wieder bei den Händlern, um am Ende zur gleichen Aussage zu kommen wie zuvor: Es kommt noch etwas rein, aber keiner weiß wann und wie viel. „So werden jeden Tag Hunderte nutzlose Telefonate produziert und das Gesundheitssystem, was sowieso schon unter dem Corona-Druck leidet, hat eine weitere Überlastungsbaustelle“, sagt Apothekerin Andrea Ludwig.

Eine gute Nachricht gibt es unterdessen von der Südhalbkugel. Dort sind in der Grippesaison deutlich weniger an Influenza erkrankt als in früheren Jahren. Abstand halten, Händewaschen und das Tragen einer Atemmaske schützen eben auch vor dem Grippeerreger. Trifft uns die Grippe im Corona-Jahr 2020 deshalb weniger schlimm als zuvor? Eine Antwort darauf gibt es nach Weihnachten. Dann steigt die Sterblichkeit infolge einer Influenzainfektion normalerweise an.

Ratschlag von Dr. Frank Neveling

Derzeit ist kein Impfstoff in Remscheid verfügbar. Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling rät den Remscheidern dennoch, sich jetzt mit ihrem Hausarzt in Verbindung zu setzen, um das weitere Vorgehen abzuklären.

Die ideale Zeit für eine Grippeschutzimpfung sind die Monate Oktober und November. Der Impfschutz hält danach sechs Monate an.

Die am Donnerstag angepasste Coronaschutzverordnung des Landes NRW hat direkte Auswirkungen auf Remscheid. Weil die Sieben-Tage-Inzidenz immer noch über dem kritischen Wert von 50 liegt, sind private Feste außerhalb der eigenen Wohnung ab Montag nur noch zu „herausragenden Anlässen“ erlaubt. Und dann auch nur mit maximal 25 Teilnehmern.

Standpunkt: Erneuter Solidaritätstest

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey @rga-online.de

Engpässe beim Grippeimpfstoff, die gab es schon im Vorjahr. Und im Jahr davor auch. Doch diesmal dürfte es noch schlimmer werden, haben Experten doch zur Impfung aufgerufen, damit Corona nicht noch von der Influenza verstärkt wird. Doch die etwa 25 Millionen Impfdosen, die uns inklusive der vom Bundesgesundheitsministerium beschafften nationalen Reserve für die kommende Grippe-Saison zur Verfügung stehen, immerhin schon mal vier Millionen mehr als im Vorjahr, werden einfach nicht für alle 80 Millionen Deutsche reichen. 

Müssen sie auch gar nicht, sagt die Ständige Impfkommission, die nicht müde wird zu betonen, dass vor allem Risikogruppen geimpft werden sollen. Also zum Beispiel über 60-Jährige, Vorerkrankte, Schwangere und Menschen, die beruflich auf viele andere Menschen treffen. Und so wird das Ganze einmal mehr zu einem Test für unsere Solidarität. Verhalten wir uns erneut wie die Klopapier- und Pasta-Hamsterkäufer im Frühjahr? Oder lassen wir denen den Vortritt, die die Impfung wirklich brauchen?

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