Licht am Horizont

Neue Hoffnung für das Tierheim nach dem Lockdown

Das Tierheim-Team (v. l.) Andrea Janetschek, Heike Bredtmann mit Hund Timon (5 Jahre), Andrea Reitzig (Leiterin), Julia Brügger und Metin Sarikaya. Foto: Doro Siewert
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Das Tierheim-Team (v. l.) Andrea Janetschek, Heike Bredtmann mit Hund Timon (5 Jahre), Andrea Reitzig (Leiterin), Julia Brügger und Metin Sarikaya.
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Die Krise hat die Einrichtung hart getroffen – Nun ist sie wieder geöffnet – Verein sucht Unterstützer.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Im Tierheim für Remscheid und Radevormwald zeichnet sich Licht am Horizont ab: Die Einrichtung an der Schwelmer Straße ist ab sofort wieder an vier Tagen in der Woche geöffnet. Die Cafeteria und der Basar bleiben jedoch weiterhin wegen Corona geschlossen. Auch das Sommerfest fiel der Pandemie zum Opfer. Das ist besonders bitter, da sich sonst teilweise zwischen 200 und 300 Besuchern beim Sommerfest an der Schwelmer Straße tummeln – und das Tierheim so finanziell unterstützen. Hinzu kommt, dass die Cafeteria, sonst samstags immer ein beliebter Treffpunkt, geschlossen ist – bei Kaffee und Kuchen können die Gäste in der Sonne sitzen und sich unterhalten. Diese drei Säulen der Finanzierung sind nun weggebrochen.

„Der Lockdown war hart für uns“, sagt Martin Haas, Vorsitzender des Tierschutzvereins für Remscheid und Radevormwald, der das Tierheim trägt. Denn wenn weniger Tiere vermittelt werden und die Türen geschlossen bleiben, kommt auch weniger Geld in die Kasse. Dennoch lief der Betrieb auch hinter verschlossenen Türen weiter, die Tiere mussten schließlich versorgt werden. Das gelang den Mitarbeitern im Schichtbetrieb – das Tierheim ist systemrelevant. Die Kosten blieben indes dieselben: Das Team musste bezahlt werden, Tierarztrechnungen ebenso. „Diese sind ja ohnehin nur in einem gewissen Maße planbar“, sagt Haas.

Tierheime sind generell chronisch unterfinanziert. Das ist überall so. „Wir tun viel für den Tierschutz, aber erlösen dabei wenig.“ Man müsse stets für die Finanzierung kämpfen, sagt Haas. Und diese setzt sich aus mehreren Säulen zusammen: Zum einen führt die Stadt laut Sprecherin Viola Juric jedes Jahr 91 000 Euro an das Tierheim ab. Damit kommt sie für die Unterbringung von Fundtieren auf. Hintergrund ist die Gefahrenabwehr. Diese jährliche Abgabe fußt auf einem Kontrakt, der 2016 zwischen der Stadt Remscheid und dem Tierschutzverein für Remscheid und Radevormwald für vier Jahre geschlossen wurde. In der zweiten Jahreshälfte soll laut Haas neu über den Vertrag verhandelt werden. Laut dem Vereinsvorsitzenden reiche die Summe von 91 000 Euro jedoch nicht aus, um alle Kosten im Bereich der Fundtiere zu decken. „Wir sehen es aber als unsere Aufgabe und Verpflichtung an, uns auch um diese Tiere zu kümmern.“

Die weiteren Einnahmen des Tierschutzvereins setzen sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden zusammen, zudem arbeiten viele Helfer ehrenamtlich im Tierheim mit. Hinzu kommen Einnahmen aus der Cafeteria, von Festen, von der Tiervermittlung, von der Pensionsunterbringung – alles komme direkt den Tieren zugute. In den vergangenen Jahren habe der Verein versucht, Rücklagen zu bilden, unter anderem für Reparaturen, sagt Haas. Durch Corona könnte es jetzt eventuell enger werden. Aber das sehe man erst beim Jahresabschluss. Grundsätzlich sei es so, dass das Tierheim immer im defizitären Bereich rangiere. Der Tierschutzverein gleiche dieses aus. Das sei mal mehr, mal weniger.

Der Verein hat stets um die 500 Mitglieder

Der Tierschutzverein für Remscheid und Radevormwald hat sich seit 130 Jahren dem aktiven Tierschutz verschrieben. Dazu gehören die Einrichtung, Unterhaltung und Betreuung des Tierheims, die Aufklärung über den Tierschutz, die Unterstützung regionaler und überregionaler Tierschutzmaßnahmen und die Ausrichtung von Veranstaltungen zugunsten des Tierheims. Seine wichtigste Aufgabe ist es, den Tierschutzgedanken zu verbreiten und Tierquälerei notfalls strafrechtlich zu verfolgen.

In den vergangenen zwei Jahren konnte zum Beispiel das Katzenhaus komplett renoviert und auch der Eingangsbereich des Tierheims neu gestaltet werden. Der Verein hat stets um die 500 Mitglieder. Manche sind teilweise schon 50 oder 60 Jahre dabei, freut sich Haas. „Am meisten hilft es uns, wenn sich jemand ehrenamtlich engagiert. Denn ohne Ehrenamt läuft nichts im Tierheim.“ Auch eine Mitgliedschaft sei natürlich erfreulich. Diese ist ab 30 Euro pro Jahr möglich. Selbstverständlich freut sich der Verein auch über jede Spende.

Martin Haas und seine Vorstandskollegen sind optimistisch, dass es nun wieder bergauf geht. „Es gibt auf jeden Fall Hoffnungssignale.“ Das Team freut sich, dass die Türen nun wieder geöffnet sind – und modernisiert derzeit schon einmal fleißig die Cafeteria.

Wissenswertes

Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags jeweils von 14 bis 16 Uhr,

samstags und sonntags jeweils von 15 bis 17 Uhr. Cafeteria und Basar bleiben vorerst geschlossen.

Gassi gehen: Die Hunde freuen sich über Ausgang. Wer Gassigänger werden möchte, stellt sich beim ersten Mal mit seinem Ausweis im Tierheim vor. Mindestalter: 18. Für „Anlagehunde“ brauchen Gassigänger einen Sachkundenachweis. Die Zeiten gibt es im Internet.

Kontakt: Tierheim für Remscheid und Radevormwald, Schwelmer Straße 86, Tel. 6 42 52, viele Infos, auch zum Verein: tierheim-remscheid.de

Das Tierheim warnt vor falschen Spendensammlern in Lennep. „Zur Zeit ist niemand im Auftrag des Tierheims mit einer Spendendose unterwegs“, erklärt der Tierschutzverein für Remscheid und Radevormwald, der das Heim an der Schwelmer Straße betreibt.

Standpunkt: Die Tiere verdienen es

Von Melissa Wienzek

melissa.wienzek@rga-online.de

Wer sich für den Tierschutz engagiert, hat meist am Ende des Monats nicht viel Geld in der Kasse, dafür aber das gute Gefühl, denen geholfen zu haben, die keine Lobby haben: den Tieren. So geht es auch dem Tierheim und dem Tierschutzverein. Die Corona-Krise und der damit verbundene Lockdown haben die Einrichtung an der Schwelmer Straße hart getroffen. Es konnten kaum noch Pensionstiere aufgenommen werden, die Vermittlungen wurden weniger. Dabei blieben die Kosten für Tierarzt, Futter und Gehälter aber gleich. Schließlich mussten die Tiere auch hinter verschlossenen Türen weiter versorgt werden. Das war kräftezehrend für das Team. Dennoch machte es weiter. Nun fällt auch noch das Sommerfest Corona zum Opfer, die Cafeteria bleibt zu. Wichtige Finanzsäulen brechen weg. Grund für den Verein, um Unterstützung zu bitten. Wie er das Jahr 2020 abschließt, zeigt sich wohl erst beim Jahresabschluss. Genauso wie andere Bereiche dürfte aber auch das Tierheim nicht ohne Schrammen aus der Krise kommen. Das Team würde sich daher über jegliche Unterstützung freuen. Die Tiere verdienen es.

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