Intzestraße

Naturschützer wollen den Durchstich verhindern

Hubert Benzheim (58), Mitglied des Naturschutzbeirates für den BUND, im „Intzeforst“, wie er das Kleinod schräg hinter dem Wasserturm nennt.
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Hubert Benzheim (58), Mitglied des Naturschutzbeirates für den BUND, im „Intzeforst“, wie er das Kleinod schräg hinter dem Wasserturm nennt.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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BUND, RBN und Greenpeace setzen sich für Bäume im geplanten Baugebiet ein – Naturschutzbeirat berät über das Thema – Mahnwache geplant

Remscheid. Die Bergahorne und Linden haben bereits zwei Weltkriege überstanden. 120 Jahre alt dürften die „Baumriesen“ sein, die sich schräg hinter dem Wasserturm an der Intzestraße parallel zur Bahnlinie befinden, schätzt Hubert Benzheim. Der 58-jährige Garten- und Landschaftsbauer sitzt für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Naturschutzbeirat der Stadt Remscheid und sagt: „Die Planung des Durchstichs Intzestraße ist aus unserer Sicht ein Desaster. Ich bin richtig sauer.“ Etwa 30 geschützte Bäume tummelten sich hier im „Intzeforst“, wie Benzheim den kleinen Hain zwischen dem abzureißenden Wohnhaus und der alten Villa nennt – in Anlehnung an den Hambacher Forst. „Es gibt aber noch mehr schützenswerte Bäume, zum Beispiel diesen Ilex, der sicher 100 Jahre alt ist“, sagt der Remscheider und deutet auf die riesige Stechpalme mit den piksenden Blättern.

Der Durchstich Intzestraße ist eines der Großprojekte im Südbezirk. Seit Jahren beschäftigen sich Bezirksvertretung und Verwaltung bereits mit den Planungen. Die sehen vor, eine Verlängerung der Intzestraße bis zur Lenneper Straße zu schaffen, parallel zur Bahnlinie. Damit würde die angespannte Verkehrssituation in dem undurchsichtigen Bereich entzerrt und die alte Intzebrücke entlastet. Denn die soll künftig nur noch als Fußgängerbrücke dienen. „Wir sprechen uns klar dagegen aus, dass diese parkähnliche Anlage, die ein wichtiger CO2-Speicher ist, dem Durchstich zum Opfer fällt“, betont der Garten- und Landschaftsbauer. „Denn wir halten es bei genauerem Hinsehen für völlig überflüssig. Parallel dazu ist im gleichen Kostenumfang eine andere Lösung möglich: Es gibt doch die Brücke als Alternative“, betont Benzheim.

Für den Durchstich, eine Verlängerung von der Intzestraße bis zur Lenneper Straße, müssen zwei Häuser abgerissen werden.

Ende Dezember stellte er daher eine Anfrage an die Verwaltung. Seine Frage: Ist es denkbar, dass die Verwaltung aufgrund der Bewertung des Baumbestands der Kommunalpolitik vorschlägt, von der Weiterverfolgung des Projekts Abstand zu nehmen und stattdessen den Neubau der Eisenbahnbrücke zu beschließen? Nein, antwortete die Stadt in offizieller Drucksache. Nach Abwägung der Kosten und Nutzen sei ein Brückenneubau keine Alternative. Diese Abwägung habe zudem bereits vor Jahren stattgefunden. Die Verwaltung habe den Auftrag, für den Durchstich Intzestraße einen Bebauungsplan aufzustellen und eine Straßenplanung vorzulegen. Die angegebenen Baukosten in Höhe von 4,5 Millionen Euro für einen Abriss und einen Neubau der Brücke bezögen sich zudem lediglich auf die reinen Baukosten einer neuen Brücke. „Hierbei ist nicht berücksichtigt, dass eine neue Brücke ganz andere Anforderungen erfüllen müsste als die jetzige.“ Ein Brückenneubau würde mehrere Millionen Euro teurer werden. Zudem könnte die Baisieper Straße dann nicht mehr angeschlossen werden, erklärte die Stadt.

„Gerade in den letzten zwei Jahren ist es extrem geworden in Remscheid. Es gibt ja kein Stück Grün mehr.“

Hubert Benzheim über den Grünflächenschwund

Benzheim will weiterkämpfen – gemeinsam mit weiteren Unterstützern. „Ich habe mich richtig in das Thema verbissen.“ Am 23. Februar will er den „Intzeforst“ auf die Agenda des Naturschutzbeirates bringen, zudem wollen die Umweltschützer künftig einmal im Monat eine Mahnwache an der Intzebrücke abhalten. „Gerade in den letzten zwei Jahren ist es extrem geworden in Remscheid. Es gibt ja kein Stück Grün mehr. Das kann nicht so weitergehen“, sagt Benzheim, der seit fünf Jahren im Naturschutzbeirat der Stadt sitzt. Mitglied im BUND ist er seit 1981, Naturschutz ist seit Kindesbeinen an sein Thema.

Das betroffene Kleinod ist von der Straße aus nicht einsehbar. „Ich vermute, dass viele daher gar nicht wissen, dass hier schützenswerte Bäume stehen. Wahrscheinlich auch die Bezirksvertretung nicht“, sagt der Garten- und Landschaftsbauer. Das gibt auch Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) zu. „Ich bin etwas irritiert“, sagt er im RGA-Gespräch. „Keiner von uns wusste das. Das Gebiet kann ja auch niemand von der Straße aus einsehen. Sollte das tatsächlich der Fall sein, hätte die Verwaltung einen Fehler gemacht. Sie hätte uns dann bereits damals über die schützenswerten Bäume informieren müssen, als wir den Durchstich angeleiert haben.“ Der Bezirksvertretung sei es bei dem Projekt immer wichtig gewesen, dass der Verkehr weiter fließen könne und die Brücke entlastet werde. Auch Anwohner hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, das Projekt voranzutreiben. Die Verkehrsbelastung zerre an ihren Nerven, schrieben sie dem RGA.

Planungsstand

Der Bebauungsplan befindet sich laut Stadt in der Vorbereitung zur Offenlage. Die Straßenplanungen seien im Zeitplan. Im Mai soll hier der Förderantrag gestellt werden. Die Gutachten, die den Baumbestand betreffen, befänden sich aktuell in der Vergabe.

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