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Bertramsmühler Bachtal: Natur pur und Zeugnisse von anno dazumal

Die Tour führt zur Mündung des Bertramsmühler Wegs in die Wupper.
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Die Tour führt zur Mündung des Bertramsmühler Wegs in die Wupper.

Unser heutiger Tourvorschlag führt durch Bertramsmühler Bachtal – vorbei an alten Hofschaften und Kotten

Von Andreas Erdmann

Viele schöne Natureindrücke und eine Reihe gut erhaltener Zeugnisse alten Bergischen Lebens bietet eine Wanderung durch das enge und tief eingeschnittene Bertramsmühler Bachtal.

Wir beginnen unseren Rundweg an der Ecke Grünbaumstraße/Dornsiepen. Dort folgen wir dem Weg gleich rechts hinunter in die am gleichnamigen Bach gelegene Fachwerkhofschaft Dornsiepen. Die Bezeichnung „Siepen“ bedeutet ein „enges, von einem kleinen Bach durchflossenes Tal“. Dornsiepen wird erstmals Mitte des 17. Jahrhunderts in einer Akte erwähnt, wobei die Familien Knäpper und Schnittert als Bewohner verzeichnet sind. 1715 taucht der Ort als „Thorsieben“ auf der Karte von Ploennies auf. Der Weg durch den Ort führt leicht bergan und bietet bald erstaunliche Aussichten zur Krahenhöhe und zur Burger Landstraße. Nach einer Pferdekoppel treffen wir auf den Meisenburger Weg. Diesem folgen wir nun steil bergab. Weit reicht der Blick über geschwungene Felder hinweg und hinunter in das sich vor uns öffnende Bertramsmühler Bachtal. Unten angelangt, führt uns der Weg entlang des Bachlaufs bis zu der kleinen Ortschaft Bertramsmühle.

Ehemalige Kornmühle ist mittlerweile ein Wohnhaus

Rechts neben dem großen, eindrucksvollen Fachwerkgebäude befindet sich der vollends aus Stein bestehende, zum Teil verschieferte Bau der früheren Mühle. Diese wird als Kornmühle namentlich zum ersten Mal 1684 im Solinger Heberegister erwähnt, reicht aber bis ins Jahr 1488 zurück. Nach Neu- oder Umbauten um 1820 richtete der Besitzer Johann Abraham Müller 1828 als Nebenerwerb im Mühlenhaus eine Schankwirtschaft ein. 1905 war der Bäcker Gustav Klein letzter Müller in dem Gebäude. Danach diente es bis in die 1960er Jahre als Ausflugsziel mit Gesellschaftszimmern, Parkanlagen und Forellenzucht. Schließlich wurde es zum Wohnhaus umgebaut.

Die Tour führt zur Mündung des Bertramsmühler Wegs in die Wupper und zur malerisch gelegenen Petersmühle.

Wir folgen weiter dem Weg bachabwärts. Rechts oben am Hang liegt die alte Hofschaft Scharphausen. 1488 als „Scharpeselen“ genannt, war dort in einem Wohnhaus von 1713 bis 1722 die Hästener Schule untergebracht. Unterhalb davon gelangen wir zu der malerisch gelegenen Petersmühle. Dieses im Lauf der Zeit mit wechselnden Namen nach ihren Besitzern benannte Gebäude stellte 1648 noch einen von neun Schleifkotten am Bertramsmühler Bach dar. Auch 1715 war es laut Ploennies-Karte noch ein Kotten, bis es Ende des 18. Jahrhunderts als Fruchtmühle und ab 1823 als Knochenmühle genutzt wurde. Bereits 1853 wieder zum Schleifbetrieb umgeändert, ließ der neue Eigner Gustav Lüttges eine Dampfmaschine einbauen und legte somit den Grundstein für die spätere Walder Metall- und Kunststoffkomponenten-Fabrik Lüttges. Heute ist das Gebäude ein Wohnhaus.

Weg führt durch einen Buchenwald bergab zur Bertramsmühle

Nur letzte Grabenreste vorhanden sind von dem weiter unten am Bach gelegenen Kirschbaums- oder Claubergskotten. Der schon 1715 vorhandene Schleifbetrieb diente zuletzt als Dienstgebäude des Stadtförsters und wurde 1963 abgerissen. Etwas unterhalb davon stand der 1836 abgebrannte Wittekotten. Dessen Obergraben lässt sich heute noch im Gelände erkennen. Auf der Karte von 1715 reihen sich bis zur Wupper noch weitere fünf Kotten, von denen nichts mehr überliefert ist. Einen idealen Platz zum Rasten bietet die Sitzbank nahe der Mündung des Bertramsmühler Bachs in die Wupper. Weiter geht es auf der westlichen Bachseite. Wir folgen ein Stück weit dem Willi-Lochbach-Weg in Richtung Petersmühle. Am Petersmühler Bach, kurz vor dem Tor, geht es rechtsum den Weg zum Jagenberg hinauf. Wir folgen dem Pfad, der dann links abzweigt, und gehen nun eine längere Strecke beständig bergauf durch den Wald.

Die Petersmühle ist malerisch gelegen.

Am höchsten Punkt angelangt, befinden wir uns unmittelbar vor der Hofschaft Steinsiepen mit ihren alten, noch gut erhaltenen Fachwerkhäusern. Ein Bach gleichen Namens gab dem beschaulichen Ort seinen Namen. Der Pfad fällt kurz steil ab und führt dann an dem vom Quellwasser des Steinsiepener Bachs gespeisten kleinen Weiher entlang. An der Stelle, wo der breitere Forstweg beginnt, biegen wir links in den schmalen Pfad ein. Dieser führt uns durch einen Buchenwald bergab zur Bertramsmühle. Dort gehen wir an dem großen Fachwerkhaus vorüber, passieren den Bertramsmühler Bach und folgen dem Bertramsmühler Weg hinein in den Wald. Über den links abzweigenden Pfad, der zu einer kleinen Holzbrücke über den Mühlenfelder Bach führt, lässt sich die Strecke abkürzen.

Noch vor dem Haus, das rechterhand erhöht am Hang auftaucht, verlassen wir den Bertramsmühler Weg und biegen links in den Waldweg ein. So gelangen wir zu drei kleinen Holzbrücken, über die wir zuerst den Bertramsmühler-, den Dornsiepener- und schließlich den Spielbrucher Bach passieren. Anschließend verläuft der Weg Spielbruch durch die Kleingartensiedlung Dornsiepen sehr steil bergauf. Er führt auf die Fachwerkhofschaft Spielbruch zu. Auf der Anhöhe befand sich vermutlich in germanischer Zeit eine Thingstätte und Spähwarte. Wir folgen der Straße links vor der Hofschaft und kehren zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour.

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen:

Tour 17: Bertramsmühler Bachtal

Dauer: etwa 90 Minuten

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, zwei steilere Steigungen, für kleinere Kinder nicht geeignet

Ausrüstungstipp: Festes Schuhwerk erforderlich

Rast: Zum Einkehren nach der Wanderung bietet sich von freitag- bis montagnachmittags ab 17 Uhr das Gasthaus Schaaf an der Ritterstraße 8 an. Natürlich nach dem Lockdown, wenn ein Besuch überhaupt erst wieder möglich ist.

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