Corona-Pandemie

Nachfrage nach Impfungen sinkt

Christian Wette vor der Impfstelle im Zentrum Süd: Er gehört zum städtischen Organisationsteam rund um die Impfung. Foto: Michael Schütz
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Christian Wette vor der Impfstelle im Zentrum Süd: Er gehört zum städtischen Organisationsteam rund um die Impfung.

Die Stadt sieht sich mit fünf Impfstellen gut aufgestellt. Zuletzt sinkt jedoch die Impfnachfrage. Das hat mehrere Gründe.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Mit inzwischen fünf Impfstellen sieht sich die Stadt Remscheid im Kampf gegen Corona gut gerüstet. Man sei so auf mögliche Entwicklungen in der ohnehin immer dynamischen Pandemie-Lage vorbereitet, sagt Pressereferentin Viola Juric. Dabei sei die Impfnachfrage von Woche zu Woche stark schwankend – und zuletzt in der Tendenz klar rückläufig. Es sei aber gut, freie Kapazitäten vorzuhalten.

Der Rückgang habe auch mit Omikron zu tun: „Wir wissen, dass Leute, die einen Termin absagen, dies häufig aufgrund einer Infektion tun“, so Juric. In der städtischen Impfstelle wurden in der ersten Kalenderwoche des Jahres noch 2134 Impfdosen verabreicht – davon 159 Erst-, 212 Zweit- und 1763 Drittimpfungen. In den Folgewochen waren es nur noch 1731, 1610 sowie 1235 Impfdosen, davon insgesamt 624 Erst-, 940 Zweit- und 3012 Booster-Impfungen.

So hat Remscheid eine niedrigere Impfquote als Solingen.

Mittlerweile impfen nicht nur die Stadt im Zentrum Süd sowie das Sana-Klinikum an der Burger Straße, sondern auch drei beauftragte Partner: die Bergische-Schnell-Test-GmbH (Best) im Gesundheitshaus am Hasten, der Pflegedienst 365 Grad an der Elberfelder Straße sowie die Stiftung Tannenhof an der Remscheider Straße.

Remscheid: Private Anbieter berichten von mäßigem Zulauf

Dietmar Volk, Vorstand der Stiftung Tannenhof, bestätigt den rückläufigen Trend: „Im Moment haben wir mehr Impfstoff als Impfwillige.“ Im Januar hat die Stiftung 673 Menschen geimpft (45/68/560). „Ich denke aber, dass es noch Potenzial gibt.“ Prof. Dr. Helmut Kaulhausen (Best-GmbH) berichtet von 20 bis 40 Impflingen pro Tag, es würden aber mehr. Er drückt aus, was auch Volk andeutet: „Es gibt derzeit in Remscheid eher zu viele als zu wenige Impfstellen.“ Am Hasten wurden in der letzten Januar-Woche 147 Impfungen durchgeführt (9/21/117).

Aktuelle Infos zur Corona-Situation in Remscheid gibt es in unserm Blog.

Obwohl die Nachfrage abnimmt, könne man gar nicht sagen, dass das „zu viele“ Impfstellen seien, betont Juric: „Wir können so am besten alle Facetten abdecken.“ Soll heißen: Es gibt Angebote mit und ohne Termin, insgesamt gesehen breite Öffnungszeiten und die Stellen sind weitläufig im Stadtgebiet verteilt. „Wichtig ist, dass wir die Kapazitäten haben.“ Damit könne man nun stets reagieren. Auch eine mögliche Impfpflicht spielt in den Überlegungen eine Rolle.

Remscheid: Mobile Impfangebote sind in Planung

Apropos Überlegungen: Diese gibt es bei der Stadt auch bezüglich mobiler Impfangebote. Daher dürfte die Stadt freuen, was Ralf Mantei, Geschäftsführer von 365 Grad, im RGA-Interview ankündigt: Neben der stationären Impf- und Teststelle möchte der Pflegedienst seine Kernkompetenz ausspielen – und Impfungen auch mobil verabreichen. Das gelte auch, aber nicht nur für Patienten. „Wer eine Impfaktion organisieren möchte, ob eine Firma oder ein Altenheim, kann sich bei uns melden. Wir können, wollen und dürfen so etwas durchführen.“

Derweil läuft im Zentrum Süd aktuell eine Impfwoche für Kinder zwischen fünf und elf Jahren, am Montag waren 40 Termine vereinbart. Die Hauptlast hierbei würden aber niedergelassene Ärzte, die auch bei der Erwachsenen-Impfung eine wichtige Rolle spielen, tragen, so Juric.

Zukünftig soll in Remscheid auch der sogenannte Totimpfstoff von Novavax eine Rolle spielen. Juric: „Wir gehen davon aus, dass sich hiermit tatsächlich noch einmal die Quote der Erstimpfungen steigern lässt.“ Die lag zuletzt bei knapp 70 Prozent. Aber: Die Stadt hat noch keine Informationen darüber, wann der Impfstoff, der ab dem 21. Februar ausgeliefert werden soll, bestellt werden kann.

Alle Impfstellen, Öffnungszeiten sowie Terminbuchungen gibt es auf der städtischen Homepage.

Hintergrund

Standpunkt

Kita-Quarantäne: Die Stadt hat mit ordnungsbehördlicher Allgemeinverfügung weitere Quarantänen angeordnet. Sie betreffen diesmal die Kinder der gesamten Kindertagespflegestelle Wichtelzirkus, die in der Zeit vom 27. bis 28. Januar die Einrichtung besucht haben.

Standpunkt: Es bleibt Luft nach oben

Von Timo Lemmer

timo.lemmer@rga.de

Sieben im NRW-Katastrophenschutz tätige Organisationen wie THW oder DRK veröffentlichten gestern einen gemeinsamen Appell: „Je mehr Menschen geimpft sind, desto häufiger trifft das Virus auf Menschen, die ein deutlich geringeres Risiko tragen, sich anzustecken und umso schlechter kann es sich ausbreiten.“ Insofern ist in Remscheid bei einer Impfquote von rund 70 Prozent – obwohl sich Bürgerinnen und Bürger auch außerhalb impfen lassen konnten – noch Luft nach oben. Da ist der Rückgang der Impfungen eine schlechte Nachricht. Vielleicht erreicht der Proteinimpfstoff, so die Hoffnung, noch den ein oder anderen Ungeimpften. Zumal: Mittlerweile darf man optimistisch und faktenbasiert gleichermaßen hoffen, dass mit Omikron und ausreichend Booster-Impfungen der größte Spuk in absehbarer Zeit ein Ende haben könnte. Doch eines ist doch inzwischen auch klar – dass nichts klar ist, bis es klar ist. Besser also auf den Worst Case – Stichwort neue Variante – eingestellt und vorbereitet sein, und ein wenig zu viel Kapazität (Luft nach oben) aufgebaut haben, als erneut hektisch nach Impfstellen zu rufen, die zuvor kurzsichtig abgebaut wurden.

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