Hackenberg

Nach Sprengung von Geldautomat: Schlachtfeld ist mittlerweile aufgeräumt

Mittlerweile sind die Trümmer entfernt: Michael Berg in seiner Provinzial-Filiale in Lennep. Fotos: Andreas Weber/Roland Keusch
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Mittlerweile sind die Trümmer entfernt: Michael Berg in seiner Provinzial-Filiale in Lennep.
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Weiteres Vorgehen in der Provinzial-Geschäftsstelle bleibt offen.

Remscheid. Für Versicherungskaufmann Michael Berg läuft die heißeste Phase des Jahres. Kurz vor dem Jahreswechsel stehen die Kfz-Versicherungen auf dem Prüfstand. Viele Umstellungen stehen an, viele Gespräche mit den Kunden. 2000 Kfz-Versicherte haben Berg und das Team von Provinzial Berg & Flitsch im Bestand. Und die wollen in einer Zeit beraten und betreut werden, in der ihre Arbeitsplätze buchstäblich in die Luft gejagt wurden. Auf seine Filiale in Lennep muss Berg seit einem Monat verzichten.

Die Provinzial-Niederlassung in Hackenberg wurde in der Nacht zum 25. Oktober gegen 2 Uhr durch eine Explosion völlig zerstört. Die Täter hatten es auf den Sparkassen-Geldautomaten im Eingangsbereich abgesehen. Die Detonation hinterließ auf zwei Etagen eine verheerende Wirkung: Fenster und Türen flogen aus dem Rahmen, die durch das TNT ausgelöste Druckwelle sorgte selbst in der im Souterrain gelegenen Küche für eine Schneise der Verwüstung. Glück im Unglück: Berg kann für die Betreuung seiner Kunden auf seine Hauptstelle in der Radevormwalder Kaiserstraße zurückgreifen. Alle vier Mitarbeiter, die in Lennep beschäftigt sind, wurden dort untergebracht.

Der Geschäftsstellenleiter hat für die Hauptstelle zwei zusätzliche Schreibtische besorgt und erhält so den Arbeitsbetrieb aufrecht. „Der Kunde merkt es Gott sei Dank nicht. Angesprochen werden wir nur von denjenigen, die es in den Medien wahrgenommen haben“, sagt der 49-Jährige. Mittlerweile sind in dem Flachbau in unmittelbarer Nachbarschaft der Henkelshof-Hochhäuser der Müll und die Glassplitter weggeräumt, die Glasfront mit Spanplatten zugenagelt. Die 150 Quadratmeter Bürofläche sind jetzt besenrein und zumindest begehbar.

Die Explosion hinterlässt einen Schaden von 60 000 Euro

Was bleibt, ist ein Totalschaden. 60 000 Euro betragen die Wiederanschaffungskosten für Büromöbel und Inventar. „Das Gebäude ist entkernt, jetzt muss die Sparkasse als Eigentümer prüfen, wie es weitergeht“, erklärt Michael Berg. Dem Geldinstitut liegt mittlerweile ein statisches Gutachten vor, bestätigt Pressesprecher Thomas Wingenbach.

So sah es nach der Sprengung in der Filiale aus.

Fest steht, dass tragende Wände zu ersetzen sein werden. Schlussfolgerungen sind noch nicht gezogen. „Das Thema ist sehr komplex, weil viele unterschiedliche Gewerke betroffen sind“, gibt Wingenbach den Zwischenstand wieder.

Abriss oder Wiederaufbau des Ladenlokals in der Hackenberger Straße 103? Für Michael Berg heißt es abwarten. Sollte das Objekt in Schuss gesetzt werden können, wird Zeit ins Land gehen. „Angesichts des Mangels an Baumaterialien, und dabei denke ich zum Beispiel an Türen und Fensterrahmen, rechne ich nicht mit einer Wiedereröffnung vor dem Frühjahr oder Sommer 2022.“

Ich rechne nicht mit einer Wiedereröffnung vor dem Frühjahr oder Sommer 2022.

Michael Berg, Provinzial-Geschäftsstellenleiter

Als Berg am Morgen nach der Explosion vor der deformierten Immobilie stand, die er 2019 bezogen hatte, sei er gefasst geblieben, räumt er ein. 27 Jahre ist er im Beruf, hat Schäden ohne Ende gesehen, vor kurzem noch diejenigen, die durch die brachiale Wucht der Natur ausgelöst wurden.

„Nach dem Hochwasser im Ahrtal haben Menschen ihr Leben gelassen oder ihr Hab und Gut verloren, da will ich mich nicht beschweren. Personen wurden bei der Sprengung nicht verletzt, und unsere Mitarbeiter sitzen jetzt in Rade in einem warmen Büro.“ Inhaltsversicherung (für Büromöbel und Inventar), Betriebsausfallversicherung aufseiten des Mieters und die Gebäudeversicherung des Vermieters decken die Schäden ab.

Was die Sachkosten betrifft, ist die Regulierung vorgenommen worden, meint Michael Berg. Es geht weiter. Und Galgenhumor schwingt mit bei einem Facebook-Post von Berg & Flitsch, den die Geschäftsstelle unmittelbar nach der Sprengung absetzte: „Wie lange der Aufbau dauert, können wir leider nicht sagen. Vielleicht hatten die Mitbewerber einfach nur Angst vor unserem neuen Kfz-Tarif.“

Wand an Wand

Bei der Sprengung des Sparkassen-Automaten in der Nacht auf den 25. Oktober in Hackenberg wurden keine Personen verletzt. Eine ältere Mieterin in dem Gebäudekomplex Wand an Wand mit der Provinzial-Versicherung hatte Glück, blieb zumindest körperlich unversehrt. Aus dem Schlaf gerissen wurden selbst kilometerweit entfernt lebende Lenneper. Während die Geschäftsräume nach vorne zur Hackenberger Straße in Trümmern lag, kann ihre Wohnung weiter genutzt werden.

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