Lennep

Nach DOC-Aus: Röntgen-Stadion steht weiter vor Verkauf

Das Röntgen-Stadion aus der Vogelperspektive: Auch wenn hier kein Outlet-Center entsteht, soll es vermarktet werden. Foto: Roland Keusch
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Das Röntgen-Stadion aus der Vogelperspektive: Auch wenn hier kein Outlet-Center entsteht, soll es vermarktet werden.

Auch nach dem Aus für das DOC soll das Areal vermarktet werden. In dem Zusammenhang verweist der OB auf einen Ratsbeschluss.

Von Sven Schlickowey, Frank Michalczak, Andreas Weber

Remscheid. Kurz nach Ostern will OB Burkhard Mast-Weisz die ersten Vorschläge präsentieren, was aus den Lenneper Grundstücken werden soll, die dem Designer Outlet Center (DOC) vorgehalten waren. „Es wird dabei keine Hängepartie geben, aber auch keinen Schnellschuss“, erklärt er mit Blick auf die Zukunft von Jahn- und Kirmesplatz – und dem Röntgen-Stadion, die aus Sicht des Oberbürgermeisters auch nach dem Aus für das Großprojekt vermarktet werden müssen. „Dazu gibt es einen entsprechenden Ratsbeschluss.“

So ist es fraglich, ob die Vereinswelt das 100-jährige Bestehen des Stadions am 2. August 2025 noch feiern kann. 1925 auf der Lenneper Müllkippe errichtet und für 5000 Besucher konzipiert, hat es sich längst zu einer traditionsreichen Fußballstätte entwickelt. Klar für den Erhalt des Röntgen-Stadions sprechen sich die Fußballer des FC Remscheid aus. „Grundsätzlich ist es beim FCR der große Wunsch, dort zu bleiben“, erklärt der 1. Vorsitzende Ralf Niemeyer dem RGA. Das Stadion sei die sportliche Heimat seines Clubs. Schon deswegen stehe man dem Umzug ins Stadion Reinshagen kritisch gegenüber: „Das ist eine Gefühlssache.“ Man rechne aber auch damit, dass die gemeinsame Nutzung zum Beispiel mit den Footballern des AFC Amboss zu Problemen führen könnte. Zudem sei Reinshagen aus Sicherheitsaspekten und der Trennung von Fanlagern nicht regionalligatauglich. Deswegen werde man das Gespräch mit der Stadt über die Zukunft des Lenneper Stadions suchen, kündigt Niemeyer an: „Mal schauen, ob man dort bereit für Ideen ist.“

Denkbar sei zum Beispiel, den Ascheplatz anders zu nutzen. Auch über einen kleineren Kunstrasenplatz fürs Training würde man sich freuen. „Aus der Tribüne kann man mehr machen“, überlegt Niemeyer, der sich auch mehr Gelegenheit für Bandenwerbung wünscht, um zusätzliche Einnahmen für den Landesligisten zu generieren. Markus Dobke (Sportamt) sieht den Rasen in Lennep in einem Top-Zustand, gleichwohl bröckelt es drumherum an allen Ecken und Kanten. Die Stadt werde deshalb versuchen, viel in Eigenleistung zu sanieren.

Sportbund-Vorsitzender Reinhard Ulbrich bedauert die DOC-Entscheidung („Eine Katastrophe für die Stadt“), blickt aber weiteren Entscheidungen zum Röntgen-Stadion gelassen entgegen. „Durch die Abkehr vom Großstadion in Hackenberg und dem von uns angeregten Bau eines kleineren Sportzentrums auch mit Leichtathletik-Möglichkeiten und durch die Ertüchtigung des Stadions Reinshagen ist der hiesige Sport für die Zukunft gut aufgestellt.“

Natürlich würde es der Sportbund begrüßen, wenn das Stadion erhalten bleibe, betont Ulbrich. „Aber das wird eine Frage der Finanzen sein.“ Wenn die Mittel nicht ausreichten, müsse sich die Stadt auf das schon heute mit Millionenaufwand herausgeputzte Stadion Reinshagen konzentrieren. Auch dort werde weiter investiert werden müssen, um dem Sicherheitsgedanken bei Fußballspielen mit Risikofaktor, so es sie in Zukunft gibt, Rechnung zu tragen. „Wenn einmal Geld aus dem Verkauf des Stadion-Grundstücks in Lennep fließt, könnte es verwendet werden, um Reinshagen aufzurüsten“, erklärt Ulbrich.

Sportliche Heimat in Reinshagen

Genau dies ist auch die Stoßrichtung, die der Oberbürgermeister verfolgt. Erlöse, die aus der Vermarktung der Stadionfläche in Lennep erzielt werden, sollen nach Reinshagen fließen. „Wir müssen dort für eine Möglichkeit der Fantrennung sorgen und auch für eine Flutlichtanlage.“ Dabei verweist Mast-Weisz auf ein Gutachten zum Sportentwicklungsplan, wonach ein Stadion in Remscheid ausreichend sei. Und dies befindet sich nach Lage der Dinge in Reinshagen, wo die Stadt zuletzt erhebliche Mittel investierte. „Und wir haben mit dem Projekt in Hackenberg begonnen.“ Hier entsteht ein Kunstrasenplatz. Zudem sollen dort Leichtathletikanlagen jene ersetzen, die im Röntgen-Stadion verlorengehen – zumindest teilweise. Eines macht der OB dabei klar. „Wenn es erhalten bleiben soll, muss dies der Stadtrat entscheiden. Bis dahin bin an den geltenden Beschluss gebunden.“ Um das Röntgen-Stadion in die Zukunft zu führen, müssten jedoch viele Millionen Euro investiert werden.

Jahn- und Kirmesplatz

Auch der Jahnplatz, inklusive der ehemaligen Grundschule Am Stadion, soll vermarktet werden. Vor dem Abriss geschützt ist dort die alte Feuerwache, die unter Denkmalschutz steht und ursprünglich in das Designer Outlet Center integriert werden sollte. Auch der Kirmesplatz war Bestandteil der DOC-Pläne. Dieser soll für den Übergang begrünt werden und als Erholungs- und Aufenthaltsort dienen, wie der Chef der Technischen Betriebe Michael Zirngiebl in dieser Woche erklärte.

Standpunkt: Lenneper einbeziehen

frank.michalczak@rga.de

Kommentar von Frank Michalczak

Das gescheiterte DOC-Großprojekt wird noch einen langen Schatten auf die Stadtentwicklung werfen. Über zehn Jahre richteten sich die Planungen auf das Outlet-Center aus, das der gesamten Region einen Schub geben sollte. Nun müssen die Verantwortlichen möglichst schnell, aber mit Sorgfalt, neue Perspektiven für Jahn- und Kirmesplatz sowie für das Röntgen-Stadion finden. Es ist nach Lage der Dinge höchst unwahrscheinlich, dass es als Sportstätte erhalten bleibt. Zu hoch wären die Investitionen, die nötig wären, um es nachhaltig zu modernisieren. Dies geschieht nun nach und nach in Reinshagen. Für die Lenneper bleiben neue Leichtathletik-Anlagen in Hackenberg und ein Kunstrasenplatz, der dort entsteht. Ob dies der adäquate Ersatz für ein Stadion ist, der ihnen für das DOC versprochen wurde? Der Verkehrs- und Förderverein sieht dies sehr kritisch, die deutliche Mehrheit der Politiker hat dieser Lösung zugestimmt. Es wird darauf ankommen, dass die neuen Ideen für die Grundstücke auf Akzeptanz stoßen. Die Lenneper müssen dringend bei dem neuen Planungsprozess einbezogen werden. Das gilt für alle – ob sie für das DOC waren oder nicht.

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