Angaben fehlen

Müngstener Brücke: Die Welterbe-Bewerbung hat noch Lücken

Die Müngstener Brücke steht mit ihrer aufwendigen Stahlkonstruktion unter Denkmalschutz. Foto: Christian Beier
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Die Müngstener Brücke steht mit ihrer aufwendigen Stahlkonstruktion unter Denkmalschutz.

NRW-Jury bewertet Dossier zur Müngstener Brücke positiv, es fehlen aber noch Angaben zu den anderen Brücken.

Von Andreas Tews

Der Optimismus ist bei den Welterbe-Verantwortlichen in den bergischen Rathäusern ungebrochen. Nachdem wichtige Mitbewerber auf NRW-Ebene in der aktuellen Runde wohl ausscheiden, sind die Chancen für die Müngstener Brücke im Verbund mit fünf europäischen Stahl-Großbogenbrücken gestiegen. In der Einschätzung der von der Landesregierung eingesetzten Fachjury wird aber deutlich, dass auch die Brückenbewerbung noch Lücken hat, die bis Ende des Sommers inhaltlich gefüllt werden müssen. Vor allem fehlen noch Informationen zu den anderen Brücken.

„Für uns ist das eine inhaltlich und zeitlich lösbare Aufgabe.“

Carsten Zimmermann, Welterbe-Koordinator

Remscheid, Solingen und Wuppertal bemühen sich seit Jahren darum, die Müngstener Brücke in die Welterbeliste der Unesco aufnehmen zu lassen. Eine erste Bewerbung war 2012 gescheitert. Unter Federführung der Stadt Solingen bemühen sich die bergischen Städte jetzt mit Kommunen in Portugal, Frankreich und Italien um einen Welterbestatus für insgesamt sechs Bauwerke. Dies sind die Brücken Ponte Maria Pia und Ponte Dom Luis I. in Portugal, der Garabit-Viadukt und der Viaduc du Viaur in Frankreich sowie der Ponte San Michele in Italien.

Trotz der noch vorhandenen Lücken in der Bewerbung empfiehlt die Fachjury, zumindest zu klären, ob diese fristgerecht zu füllen sind. Die verbesserte Bewerbung muss nach Angaben des NRW-Heimatministeriums spätestens Anfang September vorliegen. Noch im gleichen Monat will das Landeskabinett entscheiden, ob der ständigen Konferenz der Landeskultusminister (KMK) die Bewerbung vorgelegt werden könne. Laut Abschlussbericht der fünf renommierten Juroren ist bei der mündlichen Anhörung der Eindruck entstanden, dass beim Antragsteller viele der noch nötigen Informationen bereits vorhanden seien.

Anders klingt dies bei den übrigen NRW-Bewerbungen. Entweder sieht die Jury beim derzeit dargestellten Umfang der Stätten wenig Chancen auf einen Welterbestatus (Düsseldorfer Gasbeleuchtung) oder sie bezweifelt, dass die vorgelegten Dossiers fristgerecht erweitert oder verbessert werden können (Jüdisch-mittelalterliches Viertel Köln und Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet). Lediglich für die Großbogenbrücken des 19. Jahrhunderts empfehlen die Fachleute, eine Nominierung „in Erwägung zu ziehen“.

Der Welterbe-Beauftragte im Solinger Rathaus, Carsten Zimmermann, zeigt sich optimistisch, dass eine ergänzte Bewerbung fristgerecht eingereicht werden könne. Die Jury habe anerkannt, dass der außergewöhnliche universelle Wert gut herausgearbeitet worden sei.

Jetzt seien noch die anderen Brücken ausführlicher zu beschreiben. Zimmermann: „Die internationale Kooperation ist so gut, dass dazu ausreichend Material vorhanden ist. Vor diesem Hintergrund ist das für uns eine inhaltlich und zeitlich lösbare Aufgabe.“ Ergänzungen empfiehlt die Jury auch bei der bereits angestellten weltweiten Vergleichsanalyse. Hier bitten die Experten, weitere Brücken zu betrachten. Grundlegende Mängel an der Bewerbung sieht Zimmermann nicht. Die Jury räume dem Antrag für die sechs Brücken große Erfolgschancen ein. Jetzt gehe es darum, diese zu erhöhen.

Der Weg zum Welterbestatus ist noch lang: Im Oktober reichen die 16 Bundesländer ihre neuen Vorschläge bei der KMK ein. Im März 2023 wird der Bundesfachbeirat seinen Abschlussbericht vorlegen. Sieben Monate später wird die KMK beschließen, welche neuen Stätten Deutschland für die Unesco-Welterbeliste vorschlägt. Diese Tentativliste reicht Deutschland im Januar 2024 bei der Unesco ein. Ein Jahr später kann der erste dieser Anträge beim Welterbezentrum der Unesco vorgelegt werden.

Fachjury

Der Fachjury des Landes Nordrhein-Westfalen gehörten fünf Experten an: Prof. Dr. Helmuth Albrecht (Technische Uni Bergakademie Freiberg), Prof. Dr. Katharina Galor (Brown University, USA), Dr. Heike Pöppelmann (Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums), Prof. Dr. Andreas Putz (Technische Universität München), Dr. phil. Britta Rudolff (Brandenburgische Technische Universität Cottbus – Senftenberg).

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