Corona-Pandemie

Bald wird auch in Apotheken geimpft - wenn sie denn mitmachen

Er macht auf jeden Fall mit, wenn die Apotheker demnächst impfen dürfen: Henning Denkler, Inhaber der Regenbogen-Apotheke.
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Er macht auf jeden Fall mit, wenn die Apotheker demnächst impfen dürfen: Henning Denkler, Inhaber der Regenbogen-Apotheke.

Bald sollen auch in den Apotheken Menschen geimpft werden. Doch nur ein Drittel der 18 Remscheider Apotheken wollen mitmachen. Sie sind noch zwiegespalten.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die Apotheken werden bei den Impfungen gegen Covid-19 eingebunden. Zeitnah sollen sie helfen, die Bevölkerung zu immunisieren. Auch die 18 Remscheider Apotheken sind aufgerufen. Sie können, müssen aber nicht. Apothekensprecher Henning Denkler hat vor Ort abgefragt: Ein Drittel würden mitmachen, lautete das Ergebnis. Der Chef der Regenbogen-Apotheke wäre auf jeden Fall dabei. Viele Inhaber sind jedoch zwiegespalten.

In unserem Blog finden Sie aktuelle Infos zur Coronasituation in Remscheid.

Dass es Vorbehalte gibt, liegt auch daran, dass die Apotheker wöchentlich hautnah den stockenden Nachschub erleben, gerade bei Biontech. Die Apotheken beliefern über Großhandel und Logistiker die niedergelassenen Ärzte. Letztere sind frustriert, weil die Nachfrage der Impfwilligen nur unzureichend bedient werden kann. „Seit Wochen bekommen wir nur 20 Prozent der Biontech-Menge, die wir anfordern“, sagt Dr. Andrea Ludwig (Pinguin-Apotheke).

Man möchte die Hand, die einen füttert, nicht abschlagen.

Henning Denkler, Apotheker

Weil diese Einschränkungen den Impfturbo stottern lassen, fragt sich Ludwig: „Warum sollen wir Apotheker als weitere Player zusätzlich auf dem Markt unsere Dienste anbieten, wenn nicht mal die niedergelassenen Ärzte ihre Kundschaft bedienen können?“ Ihre Kollegin Karen Hübner (Punkt-Apotheke) am anderen Ende der Alleestraße sieht es ähnlich und nennt weitere Zahlen: „Wir haben gerade 50 Biontech-Einheiten bestellt und werden 14 zur Weiterleitung für diese Woche erhalten.“

Remscheid: Apotheken müssen verschiedene Auflagen erfüllen

Hübner will die Entwicklung abwarten: „Denn mit den Apotheken und dem Impfstoff ist es wie bei der Corona-Politik: Ständig ändert sich etwas.“ Ludwig hat aus einer Mitteilung des Bundesverbandes Deutscher Apotheker entnommen, dass die Bereitschaft die Zusatzaufgabe zu übernehmen, bei 50:50 liegt. Fest steht, dass die Apotheken sich schulen lassen müssen. Dr. Andrea Ludwig könnte sich vorstellen, dass es Februar mit dem Impfauftakt wird. Zügig sollte es jedenfalls sein. Denn: „Je länger es dauert, desto höher wird die Durchimpfung und unser Einsatz nicht mehr vonnöten sein“, mahnt Karen Hübner.

Der Kreis der Teilnehmer wird sich allein durch die Geschäftsgrößen reduzieren. „Kleinere Apotheken werden kaum die Räumlichkeiten haben, die für das Impfen zusätzlich benötigt werden“, meint Hübner. Ein Hinderungsgrund könnte sein, dass das Personal gegen Masern geimpft sein muss. Für Hübner gab dies letztes Jahr den Ausschlag, sich mit ihrer Apotheke nicht am Grippeschutz zu beteiligen, ein Modellprojekt im Verband Nordrhein, bei dem 2021 vier Remscheider Apotheken einstiegen. Denn auch beim Grippeimpfen galt, Masernschutz ist Pflicht. Für Hübner war dies zu viel der Auflagen.

Henning Denkler: „Ich sehe mich nur als Unterstützer der Mediziner.“

Dass nur verhältnismäßig wenige Remscheider Apotheken als eigenständige Impfstelle mitmachen wollen, könnte für Henning Denkler daran liegen, dass es sich Apotheker nicht mit den Ärzten verscherzen wollen. „Denn viele Apotheken leben zu 80 Prozent von den Verordnungen, die von den Ärzten kommen.“ Da möchte man die Hand, die einen füttert, nicht abschlagen.

Er selber hat sich sofort bereiterklärt, dabei zu sein. Wie beim Grippeschutz, wodurch der Sprecher der hiesigen Apotheker bereits eine Impfschulung hinter sich hat. Das Problem mangelnder Belieferung mit Vakzinen findet Denkler gleichwohl bedenklich. „Es versteht niemand, dass es nach fast zwei Jahren Pandemie zu Impfstoff-Shortcuts kommt.“ Auch die Zuteilung sei intransparent: „Es kann sein, dass Apothekerkollegen alles bekommen, was sie bestellt haben und ich fast nichts oder umgekehrt.“

Wenn aufgrund von Impfstoff-Engpässen oder zu geringer Nachfrage in der Bevölkerung die Frage sei, ob mehr Impfstellen Sinn ergeben, tritt Denkler beim Spritzen zurück: „Die Mediziner haben Vorrang. Ich sehe mich nur als ihr Unterstützer.“

Die Zahl der Impfzentren in Remscheid hat zugenommen.

Hintergrund

Von der Bundespolitik so gewollt, sollen die Apotheker bei Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 mitmachen. Seit Dezember steht dies fest. Flächendeckend umgesetzt ist es nicht. Es fehlt an Schulungen, einer Regelung zur Impfstoffversorgung, denn Ziel ist es, die Quote zu erhöhen und nicht den Ärzten Impfstoffe wegzunehmen. Zum anderen muss der Bund Regelungen zur Vergütung treffen, außerdem die technische Möglichkeit vorhanden sein, damit Apotheken die verimpften Dosen dem RKI melden.

Standpunkt: Fronteinsatz als Politikum

Ein Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Das Zusammenspiel von Medizinern und Apothekern unterliegt in Deutschland engen Regeln. Andere Länder wie die USA haben die Pharmazeuten viel eher in den Kampf gegen Covid-19 eingebunden, auch bei der Verabreichung der Impfstoffe an Kinder und Jugendliche. Apotheker werden zwar bei uns als vertrauenswürdige Gesundheitsressource geschätzt, gleichwohl bleibt ihr Einsatz an der Corona-Front ein Politikum. Die Ärzte wollen sich nicht in ihr Aufgabengebiet reindiktieren lassen. Das ist, wenn es nicht um Kompetenzbeschneidung geht, verständlich. Denn die Hausärzte klagen, dass sie viel zu wenig Impfstoff bekommen. Den Vakzin-Mangel müssten sie mit den Apothekern teilen. Sinn ergibt das keinen. Entscheidend ist, dass mittlerweile viele Impfstellen ihre Dienste anbieten und nach dem fatalen Fehler, die zentralen Zentren im Herbst 2021 zu schließen, das Impftempo enorm beschleunigen. Mit dem Pflegedienst 365°, der in den Startlöchern steht, sind es derer fünf in Remscheid. Den Einsatz der niedergelassenen Ärzte plus Sonderaktionen hinzugerechnet, könnte dies die Einbindung der Apotheker überflüssig machen.

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