Stachelhauser Straße

Moscheebau: Der lange Atem zahlt sich aus

Das Band zum Eingang wird zerschnitten: Remscheids Ditib-Vorsitzender Metin Göcer (2.v.r.), OB Burkhard Mast-Weisz (4.v.r.), Ditib-Bundeschef Kazim Türkmen (3.v.r.), Landeschef Ersin Özcan (re.), Generalkonsulin Aysegül Gökcen Karaarslan (5.v.r.), daneben Erden Ankay-Nachtwein. Foto: Doro Siewert
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Das Band zum Eingang wird zerschnitten: Remscheids Ditib-Vorsitzender Metin Göcer (2.v.r.), OB Burkhard Mast-Weisz (4.v.r.), Ditib-Bundeschef Kazim Türkmen (3.v.r.), Landeschef Ersin Özcan (re.), Generalkonsulin Aysegül Gökcen Karaarslan (5.v.r.), daneben Erden Ankay-Nachtwein.
  • Andreas Weber
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Türkisch-islamische Gemeinde findet nach siebeneinhalb Jahren Bauzeit an der Stachelhauser Straße neue Heimat.

Remscheid. Am Freitagnachmittag weihte die Ditib-Gemeinde an der Stachelhauser-/Ecke Weststraße ihre Moschee ein. Siebeneinhalb Jahre nach der Grundsteinlegung am 2. Februar 2014, anfangs gutem Baufortschritt, später aber auch etlichen Verzögerungen und Stillstand haben die türkischen Muslime eine repräsentative neue Heimat gefunden.

Von drei Millionen Euro Kosten war die Ditib anfangs ausgegangen, am Ende waren es fast sechs Millionen - aufgebracht mit Spenden aus den eigenen Reihen, finanziert durch die Stadtsparkasse. Weil kein Geld mehr floss, stockte unterwegs der Innenausbau und die Herrichtung des Innenhofs, in dem die Eröffnung vor 100 Gästen in einem festlichen Rahmen stattfand. „Endlich kann sich die Gemeinde auf ihre Arbeit konzentrieren“, atmete Ditib-Landesvorsitzender Ersin Özcan auf. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, kurz: Ditib, betreibt 300 Gotteshäuser in NRW.

„Die Moschee wird ihren Beitrag zur Integration leisten.“

Metin Göcer, Ditib-Vorsitzender

Nach einem Eingangsgebet des Imams Ahmet Karslı erinnerte der hiesige Ditib-Vorsitzende Metin Göcer an den langen, dornigen Weg, der 2011 mit den ersten Überlegungen zu einem Neubau mit Minarettturm und Kuppel auf dem abschüssigen Gelände begonnen hatte. „Der Bau fand unter schwierigen Bedingungen statt, mit Freude und Trauer zwischendurch, aber wir haben die Hoffnung nie aufgegeben.“ Nun hat sich diese nach der Endabnahme des Bauamtes erfüllt.

Metin Göcer setzte verbal ein eindeutiges Signal. Er versprach, dass die neue Stätte nicht nur den rund 500 Mitgliedern und ihren Familien offen stehen werde. „Die Moschee wird ihren Beitrag zur Integration leisten. Nicht nur an einem Tag der offenen Tür, sondern das ganze Jahr über.“ Göcer lud die Remscheider ein: „Jeder kann ruhigen Gewissens jederzeit kommen.“ Die Moschee werde nicht nur ein Platz zum Beten, sondern auch ein Treffpunkt für die Bevölkerung sein, den Austausch zwischen den Religionen fördern. „Mit der Moschee werden Brücken gebaut. Wir werden dafür sorgen, dass Vorurteile abgebaut werden.“

Das hörte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gerne. Der Oberbürgermeister war einer der fünf Festredner. In Anwesenheit der türkischen Generalkonsulin in Düsseldorf, Aysegül Gökcen Karaarslan, dankte der OB, dass die Kommunalpolitiker damals den Weg trotz einiger Bedenkenträger fast einhellig mitgegangen seien. „Es ist gut, dass alle Unterstützer an ihrer Haltung festgehalten haben wie die Gemeinde selbst.“ Mast-Weisz erinnerte an die gemeinsame Deklaration der Remscheider Moscheegemeinden, die sie anlässlich des Fastenbrechens am 18. Mai 2018 abgaben, in der sie unter anderem gelobten, „für ein friedliches und demokratisches Miteinander zu stehen, in dem Vielfalt als Bereicherung verstanden wird“.

Burkhard Mast-Weisz wünschte sich - den Worten von Metin Göcer folgend - dass die neue Moschee „ein Haus des Austausches und der Begegnung vieler Menschen in dieser Stadt werde“.

So ist es von den Hausherren geplant. Dies unterstützt Kazim Türkmen, der als islamischer Theologe und Bundesvorsitzender der Ditib von Köln nach Remscheid zur Eröffnung gereist war. Die Gemeinde existiere seit 1986, erklärte er in seiner Ansprache. Nach einem beschwerlichen Weg habe sie nun ein würdiges, religiöses Heim gefunden. Die Moschee sei „eine Brücke zwischen Gestern und Morgen, ein Wegweiser für die gemeinsame Zukunft in Deutschland“.

Hintergrund

Weithin sichtbar an der neuen Moschee ist das 28 Meter hohe Minarett, das acht Meter über das Gebäude in Stachelhausen hinausragt. In dem viergeschossigen Bau findet sich unter einer prächtig ausgestalteten Kuppel ein 474 qm großer Gebetsraum für Männer sowie ein 205 qm großer Gebetsraum für Frauen. Darüber hinaus gibt es u.a. Teestuben, Büros, Schulungsräume und eine Garage mit 36 Stellplätzen.

Standpunkt

michael.albrecht@rga.de

Kommentar von Michael Albrecht

Eine schier unendliche Geschichte drohte der Bau der Ditib-Moschee an der Stachelhauser Straße zu werden. Ein Jahrzehnt ging von den ersten Planungen bis zur Fertigstellung der Moschee ins Land, die am Freitag mit der offiziellen Einweihung des Gotteshauses für die Remscheider Muslime endlich doch noch ein glückliches Ende gefunden hat. Denn Irritationen gab es im Laufe der Jahre immer wieder, und damit einher kam es zu Verzögerungen. Das sorgte für Kopfschütteln und Unverständnis, zumal sich die Informationspolitik der Ditib-Gemeinde nicht immer als glücklich bezeichnen ließ. Aber trotz all dieser Schwierigkeiten wurde der Bau der Moschee immer positiv von der Stadtspitze begleitet. Wohlwissend, dass für die in Remscheid lebenden Muslime ein Gotteshaus wichtig ist, um sich als Teil der Stadtgesellschaft zu fühlen und als Zeichen von dieser akzeptiert zu werden. Deshalb ist es nur zu begrüßen, dass endlich mit der Einweihung ein Schlussstrich gezogen wird und die Moschee ihrem Zweck übergeben worden ist.

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