Endabnahme fehlt noch

Moschee: Gemeinde steht kurz vor dem Ziel

Der Innenhof des Moscheebaus der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde ist – bis auf die Begrünung – fertiggestellt. Foto: Roland Keusch
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Der Innenhof des Moscheebaus der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde ist – bis auf die Begrünung – fertiggestellt.
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Nach jahrelangen Verzögerungen beim Bau des Gotteshauses fehlt immer noch die Endabnahme.

Von Andreas Weber

Remscheid. Auch 81 Monate nach der Grundsteinlegung ist die neue Moschee an der Ecke Stachelhauser-/Weststraße noch nicht in Betrieb. Die Endabnahme fehlt. Jörg Schubert, Fachdienstleiter Bauen, Vermessung und Kataster bei der Stadt, bestätigte dem RGA: „Wir stehen zwar in Kontakt zur Ditib-Gemeinde, aber es fehlen einige Prüfunterlagen.“ Der hiesige Ditib-Vorsitzende Metin Göcer, der über Monate für den RGA nicht zu erreichen war, bestätigte am Mittwochmittag, dass die TÜV-Abnahme komplett sei, als Letztes im Bereich der Lüftungsanlage nachgerüstet wurde und dort die finale Nachprüfung für den 10. Dezember terminiert ist. „Unser Architekt wird jetzt die fehlenden Unterlagen beim Bauamt einreichen“, erklärte Göcer. Gibt die Stadt grünes Licht, ist die Moschee endlich fertig.

Mittlerweile befindet sich der Bau des muslimischen Gebetshauses nach etlichen Verzögerungen im neunten Jahr, die dreijährige Vorbereitung eingerechnet. Anfang Februar 2014 wurde in dem industriell geprägten Umfeld mit dem Fundament begonnen. Die Bauherren der türkisch-islamischen Gemeinde waren guter Hoffnung, Ende 2015 erste Teilbereiche des viergeschossigen, kubistischen Baus beziehen zu können. Doch das ursprünglich 4,5 Millionen Euro teure Moschee-Projekt kletterte über die Jahre nicht nur auf knapp sechs Millionen Kosten, immer wieder gab es Stillstand, Umwälzungen im Vorstand und finanzielle Sorgen.

Die Zeitschiene wurde mehrfach nach hinten korrigiert. Im Januar 2020 verkündete Jörg Schubert im Ausschuss für Stadtentwicklung, dass das Baugenehmigungsverfahren für die Moschee im 5. Nachtrag beendet worden sei. Die Fachbehörde warte auf ein Signal der Ditib, dass die abschließende Fertigstellung des Bauvorhabens verkündet werden könne. Dabei blieb es. Ein Umstand, den Corona mitverantwortet. Metin Göcer, seit Dezember 2017 im Amt, ließ in den vergangenen anderthalb Jahren viele telefonische Anfragen des RGA unbeantwortet, nachdem er anfangs dem General-Anzeiger gerne die Baufortschritte, vor allem im von extra eingeflogenen türkischen Spezialisten prächtig ausgestatteten Gebetsraum präsentiert hatte.

„Unser Architekt wird die fehlenden Unterlagen jetzt einreichen.“
Metin Göcer, Ditib-Vorsitzender

Mehrere Fachleute, die mit der Realisierung betraut waren, aber im Schlussspurt nicht mehr beteiligt sind, berichten von den Schwierigkeiten, die der Verein mit 530 Mitgliedern hat, ein solch repräsentatives Objekt mit viel ehrenamtlicher Arbeit auf die Beine zu stellen.

Yunus Aydin war eine Zeit lang im Vorstand und half als Bauingenieur, das Nachtragsgenehmigungsverfahren sauber durchzubekommen. Er habe es zeitlich berufsbedingt nicht mehr geschafft, weiterzumachen, bedauert Aydin. Hilfe erfuhr er von Ahsen Karakoyun, ebenfalls Bauingenieurin in Remscheid, auch sie zog sich vom Moschee-Bau zurück, weil sie als Selbstständige mit ihrem Büro gefordert ist.

Seit mehreren Jahren sind die planerischen Köpfe des Projekts, das Kölner Architektenbüro Gerald Klapczynski/ Ali Ihsan Günes, raus. Günes sagt, dies sei ohne Groll geschehen, aber nach dem Vorstandswechsel von Himmet Ertürk zu Metin Göcer sei die Kommunikation zäher geworden. Die Zufriedenheit über das Erreichte bleibt. „Diese Moschee ist unser Kind, und sie ist ein Vorzeigeobjekt, auf das wir stolz sein können.“

Remscheid: Alle haben an einem Strang gezogen

Damit meint Günes nicht nur die eigenen Ideen für die nach Mekka gedrehte Begegnungsstätte mit der 3,30 Meter hohen Kuppel, dem 28,5 Meter hohen Minarett und dem markanten, von außen sichtbaren schwarzen Kaaba-Quader, sondern die Mitwirkung aller Beteiligten: „Ein großer Dank geht an den ersten Vorstand um Himmet Ertürk, Beate Wilding, Burkhard Mast-Weisz und die Sparkasse. Alle haben an einem Strang gezogen. Niemand hat geblockt.“ 

Hintergrund

Mehrfach wurde der Termin für die Eröffnung der Moschee korrigiert. Letzte offizielle Angabe: Im Oktober 2019 wolle man in Stachelhausen fertig sein. Dies sei die Absprache mit Kreditgeber Stadtsparkasse, hatte Ditib-Vorsitzender Metin Göcer im Dezember 2018 erklärt. Gibt es nun grünes Licht von der Bauaufsicht, wird die Ditib in Corona-Zeiten zwar ihre Sozialräume nicht nutzen, aber den Gebetsraum – wenn auch mit weniger Personen als in normalen Zeiten.

Standpunkt: Mehr Transparenz

Von Michael Albrecht

Ende gut, alles gut. Eine unendliche Geschichte scheint nun abgeschlossen zu werden. 81 Monate Bauzeit lassen einen an den Berliner Flughafen denken, für den es ebenfalls eine halbe Ewigkeit bis zur Fertigstellung bedurfte.

michael.albrecht@rga-online.de

Dass die Ditib-Gemeinde bei ihrem Bauprojekt, trotz aller Unterstützung seitens der Stadt, auch aufgrund des gewaltigen Kraftakts die ursprünglichen Zeitpläne über den Haufen schmeißen musste, ist verständlich. Weniger verständlich ist hingegen die mangelnde Transparenz. 

Schließlich haben sich viele Remscheider gefragt, was mit der unfertigen Moschee los ist. Da wäre sicherlich mehr Öffentlichkeit angebracht gewesen. Daraus sollten die Verantwortlichen die richtigen Schlüsse ziehen und den Remscheidern die Tür zu ihrer Moschee und ihrem Gemeindeleben öffnen. Das würde dem Miteinander förderlich sein. Schließlich gehört die muslimische Gemeinde zu Remscheid wie die Kirchengemeinden. 

Es ist ein weiter Weg, bis aus der Ditib-Moschee in Remscheid das Gotteshaus wird, das den dort organisierten Muslimen vorschwebt. Vor acht Jahren begann in Stachelhausen der Planungsprozess.

Die islamische Gemeinde Ditib verzichtet bei ihrem Moscheebau an der Ecke Stachelhauser-/Weststraße auf öffentliche Fördermittel, die ihr beim Stadtumbau West zugestanden hätten.

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