Schandfleck

Möbelhaus: Verwaltung bewertet neu

Seit 2000 steht das einstige Möbelhaus leer. Der neue Eigentümer will es abreißen lassen. Fragt sich nur wann. Foto: Michael Schütz
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Seit 2000 steht das einstige Möbelhaus leer. Der neue Eigentümer will es abreißen lassen. Fragt sich nur wann.
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CDU-Fraktionschef Markus Kötter fordert mehr Entschlossenheit im Kampf gegen Vandalismus.

Remscheid. Das ehemalige Möbelhaus am Lenneper Bahnhof wird erneut die Bauaufsicht beschäftigen. Das sagte Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke in der Bezirksvertretung Lennep zu. Dort stand eine Mitteilung der Verwaltung auf der Tagesordnung, die zu dem Schluss kommt, dass man den Eigentümer derzeit nicht zum Abriss zwingen könnte. Grund sei, dass von dem Gebäude derzeit keine Gefahr ausgehe, die nur durch einen Abriss zu beseitigen sei, heißt es dort. Die Vorlage sei allerdings vor den beiden Bränden in dem ehemaligen Möbelhaus entstanden, räumte Reul-Nocke ein: „Diese Einschätzung wird deswegen neu überprüft.“

Ein anderes Vorgehen schwebt dem stellvertretenden Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) vor: Er regte an, den Besitzer zu verpflichten, das Gebäude „großzügig“ abzusperren. Für die Nutzung der dafür notwendigen öffentliche Verkehrsfläche, insbesondere des Fußwegs vor dem Haus, könne man den Eigentümer dann zur Kasse bitten. So koste dem jeder Monat, in dem das ehemalige Möbelhaus nicht abgerissen wird, bares Geld. wey

Unser Artikel vom 24. November: Möbelhaus am Bahnhof Lennep: Eigentümer muss bis August bauen

Remscheid. CDU-Fraktionschef Markus Kötter fordert ein entschlossenes Durchgreifen der Ordnungsbehörden, um dem Vandalismus am Lenneper Bahnhof Einhalt zu gebieten. Es geht ihm um das ehemalige Möbelhaus, das immer wieder zum Anziehungspunkt für Menschen wird, die Abenteuer suchen – und dabei nichts Gutes im Schilde führen. Mehrmals musste die Feuerwehr zuletzt ausrücken, weil Unrat in Brand geraten war. Dazu kamen unter anderem am Gebäudekomplex die Drehleitern zum Einsatz.

Dabei sollte er längst verschwunden sein. Jörg Schubert, Fachbereichsleiter Bauen, Vermessung und Kataster bei der Stadt, erklärt, dass sowohl eine Abriss- als auch eine Baugenehmigung vorlägen. Der Investor mit Sitz in Düsseldorf will dort zwei Gebäude errichten und Seniorenwohnen anbieten. Geplant sei, dass Wohngruppen und Wohnen mit Pflegedienst entstehen. „Mit den dazu gehörenden Parkplätzen“, wie er hinzufügt.

Ich kann fast nicht mehr zählen, wie oft die Lenneper Bezirksvertretung vertröstet wurde.

CDU-Fraktionschef Markus Kötter

Ende November, so Schubert, laufe die Abrissgenehmigung zwar ab. Nach einer Änderung der Landesbauordnung bestehe nun aber lediglich eine Anzeigepflicht, wann die Arbeiten vorgenommen werden. Eine neue Genehmigung müsse nicht her: „Einen Monat vor dem Abrissbeginn müssen wir aber davon erfahren“, klärt Schubert auf. Mehr Wirkung könnte da schon der Ablauf der Baugenehmigung entfalten. Sie ende im August 2022. Wenn die Verwaltung bis dahin keine sichtbaren Veränderungen auf dem Grundstück erkenne, müsse sie neu beantragt werden.

Klar sei, dass die Verantwortlichen im Remscheider Rathaus ein hohes Interesse an einer Beseitigung des jetzigen Zustands hätten. „Alles ist besser als das, was wir jetzt haben“, sagt der Fachdienstleiter mit Blick auf die leerstehende Geschäftsimmobilie, die regelmäßig ungebetenen Besuch erhält. Aber: Wenn dort Schlupflöcher entdeckt würden, kümmerten sich die Besitzer darum, diese zu schließen. „Falls dort etwas zu sichern war, wurde dies erledigt. Und Einsätze der Feuerwehr wurden in Rechnung gestellt. Das hat mir Leiter Guido Eul-Jordan bestätigt“, berichtet Jörg Schubert.

Von den Düsseldorfer Investoren vom Unternehmen TBP-Generalplaner gab es auf RGA-Anfrage keine Antwort darauf, wann sie denn das Bauprojekt umsetzen wollen, das sich schon seit Jahren in der Warteschleife befindet. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es nichts zu sagen, der Geschäftsführer sei nicht im Büro.

Remscheider Politiker findet Hängepartie ärgerlich

Das ehemalige Möbelhaus am Lenneper Bahnhof wartet weiter auf den Abriss.

Für Markus Kötter ist die Hängepartie ärgerlich. „Ich kann fast nicht mehr zählen, wie oft die Lenneper Bezirksvertretung bei diesem Thema vertröstet wurde. Immer wieder haben wir das Möbelhaus zur Sprache gebracht.“ Aus seiner Sicht müssten die Eigentümer verpflichtet werden, dass von dem Gebäudekomplex keine Gefahren ausgehen können. „Wenn sie nicht dafür sorgen, muss das für sie kostspielig werden.“ Sanktionen zu verhängen, sei rechtlich nicht möglich, sagt Baudezernent Peter Heinze. „Der Eigentümer kommt unseren Aufrufen nach, Instandsetzungen vorzunehmen. Und es mag ärgerlich sein: Aber wir können niemanden zwingen, eine verbrauchte Immobilie zu beseitigen.“

Heinze erinnert daran, dass die Remscheider Stadtverwaltung den Prozess vom Erwerb der Immobilie, die der Bahnflächen-Entwicklungs-Gesellschaft (BEG) gehörte, bis zur Baugenehmigung intensiv begleitet habe. Umso bedauerlich sei es, dass das Bauvorhaben nicht gestartet wurde. Auch für ihn sei das ehemalige Möbelhaus „ein Schandfleck“.

Hintergrund

Erstmals berichtete der RGA im August 2019 über das Bauvorhaben auf dem Gelände des Möbelhauses am Lenneper Bahnhof. Laut Ursprungsplanungen sollte auch der massive Bunker aus der Kriegszeit, der sich unterhalb des Gebäudes in Richtung der Bahngleise erstreckt, in das Projekt einbezogen werden. Die Stadtverwaltung sprach davon, dass dieser möglicherweise als Keller dienen könne. Der Bunker sei ein höchststabiler Untergrund.

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