Hobby

Mit Schulgongs erzielt er bei TikTok 111.000 Likes

Wer Benjamin Hesses Wohnung betritt, blickt als erstes auf die Dynacord-Anlage mit 1200 Watt, die den Gong ertönen lässt. Foto: Roland Keusch
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Wer Benjamin Hesses Wohnung betritt, blickt als erstes auf die Dynacord-Anlage mit 1200 Watt, die den Gong ertönen lässt.

Benjamin Hesse sammelt Schulgongs und alles, was damit zu tun hat. Sein ungewöhnliches Hobby macht ihn auf TikTok bekannt.

Von Peter Klohs

Remscheid. Inmitten der Lenneper Altstadt lebt Benjamin Hesse. Der junge Mann, der 2002 in Langenfeld geboren wurde, hat ein eigenwilliges Hobby: Er sammelt Schulgongs und alles, was damit zu tun hat.

Beim Eintritt in seine Wohnung fällt sofort eine übermannshohe Dynacord-Anlage auf, die, wie Hesse erzählt, 1200 Watt erzeugt und eine Vielzahl von Aufgaben erledigt. Er führt sie nacheinander vor. Da ist zunächst einmal der allseits bekannte Pausengong, wie man ihn aus der Schule kennt, vier Töne sind es, absteigende Tonhöhe. Darüber hinaus kann die im Jahre 2000 gebaute Anlage unterschiedliche Alarmtöne erzeugen, die zum Beispiel dann zum Einsatz kommen, wenn ein Feuer in der Schule ausgebrochen ist. Eine vorher eingesprochene Meldung, deren Inhalt darin besteht, den Schülerinnen und Schüler den Rettungsweg aufzuzeigen, wird zeitgleich über die Anlage versendet.

„Der Klang des Pausengongs hat mich fasziniert. Und tut es bis heute: Ich verbinde ganz viele Emotionen damit.“

Benjamin Hesse

Dann gibt es den Amok-Alarm. Die dazugehörige Sprachbotschaft teilt mit: „Wir haben eine ernsthafte Lage in der Schule.“ Dieser Alarm war bis zum Jahr 2000 in Deutschland nicht bekannt, aber die Vorkommnisse Ende der 90er Jahre in Düsseldorf haben für die Einführung dieser Gefahrenmeldung gesorgt. Der Amoklauf an der Realschule in Winnenden (2009) hat dies untermauert. Die Elektro-Akustische Lautsprecheranlage (ELA) kann eine Räumungsdurchsage verbreiten, wobei alle Klassenräume gesondert angesteuert werden können, des Weiteren auch eine Sammlungsdurchsage. Musik kann als Hintergrundbeschallung ertönen. Die vier Standard-Gongtöne können einzeln angewählt werden. Benjamin Hesse führt es vor, aber es klingt falsch, nicht komplett.

„Ich habe im Alter von zehn Jahren angefangen, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, berichtet der Gongsammler. „Der Klang des Pausengongs hat mich fasziniert. Und tut es bis heute: Ich verbinde ganz viele Emotionen damit. Ich habe mich eingehend mit der Technik beschäftigt, die zur Erzeugung des Gongs nötig ist. Und dann ist schnell ein Hobby daraus geworden. Ich schaue mir wenn möglich die Anlagen von Schulen an, die aus verschiedenen Gründen ihre Anlagen nicht mehr betreiben und versuche, diese Anlagen zu kaufen. Manchmal haben natürlich die Städte die Anlage finanziert, und dann ist der Weg des Kaufs schon beschwerlich.“ In einer anderen Ecke seines Zimmers stehen kleinere Anlagen, eine aus den 80er Jahren, eine gar aus den 60ern.

Hesse teilt sein Hobby auf Facebook, Instagram, TikTok und Youtube. Den größten Erfolg verspricht zur Zeit TikTok. Über 111 000 Likes hat er mit seinen Beiträgen erzielt, über zwei Millionen Profilaufrufe und 6500 Abonnenten. „So etwas gab es vorher auf TikTok nicht“, weiß er, „und es scheint anzukommen. Durch TikTok hat sich sogar die Chance auf einen Ausbildungsplatz für mich ergeben. Ich war erst gestern beim Bewerbungsgespräch in Düsseldorf. Wenn das klappt, wovon ich ausgehe, dann würde ich auch dahin ziehen.“ Bis es soweit ist, berät er Schulen oder Ämter, die eine solche Anlage haben. „Das mache ich unentgeltlich“, sagt er. „Ich kann und will dafür kein Geld verlangen. Aber mal eben die Gongzeiten zu verändern, das kann ich schnell über den Computer erledigen.“

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Die Anlagen, so Hesse, müssen so groß sein. „Die werden nach Normen gebaut“, weiß er. „Da werden selbst Kabel im Inneren der Anlage nach bestimmten Regeln verlegt. Das ist auch alles richtig so, denn im Extremfall hängen von der Anlage Leben ab.“ Hesse ist klar, dass sein Hobby ungewöhnlich ist. Dennoch ist er nach wie vor fasziniert davon. „Hier und da sieht man in großen Gebäuden solche Anlagen“, weiß er. „Aber die Technik, die dahintersteht, die sieht man im Normalfall nicht.“

Kontakt

Benjamin Hesse ist in den sozialen Netzwerken unter dem Pseudonym „Gongfreund“ zu erreichen. Er bittet darum, dass sich Interessierte und auch Schulhausmeister und Rektoren mit ihm in Verbindung setzen, da er die in den Schulen befindlichen Anlagen gerne ansehen und dokumentieren möchte. „Natürlich ist es ein komisches Hobby“, sagt er. „Wenn man da auf dem Schulhof steht und Tonaufnahmen vom Schulgong macht, das sieht schon seltsam aus.“ Benjamin Hesse ist auch telefonisch zu erreichen: Tel. (01 56) 78 26 75 05.

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