Pandemie

Mit positivem Test auch ohne Anordnung in Quarantäne

Durch die neue Variante meldet sich inzwischen auch die Corona-Warn-App häufiger.
+
Durch die neue Variante meldet sich inzwischen auch die Corona-Warn-App häufiger.

Omikron treibt auch in Remscheid die Infektionszahlen nach oben. Sie ist inzwischen die vorherrschende Variante.

Von Sven Schlickowey und Frank Michalczak

Remscheid. Omikron hat Remscheid längst erreicht. „Sie ist die vorherrschende Variante“, bestätigt Jens Pfitzner vom städtischen Gesundheitsamt. Zwar werde nicht bei jeder Probe die Variante bestimmt, doch die vorhandenen Daten und vor allem der expotenzielle Anstieg der Infektionen seien eindeutig. Wie klären hier, welche Auswirkungen Omikron auf Remscheid hat und was Betroffene beachten müssen.

Wie macht sich Omikron bemerkbar?

Durch mehr Fälle, kürzere Inkubationszeiten und meist mildere Verläufe, erklärt Pfitzner: „Omikron ist hoch infektiös, man infiziert sich sehr schnell.“ Viele hätten aber nur leichte Symptome – oder auch gar keine: „Gerade bei Geimpften sind es oft nur Zufallsbefunde.“

Wie ändert sich dadurch das Vorgehen?

Wer positiv getestet wurde, muss sich auch ohne Anordnung direkt in Isolation begeben, erklärt Jens Pfitzner vom Gesundheitsamt.

Bei Inzidenzen jenseits der 600 wie aktuell könne man nicht jeden Infizierten zeitnah kontaktieren, erklärt Pfitzner: „Wir kommen aktuell nicht nach.“ Auch deswegen habe der Gesetzgeber das Vorgehen geändert: „Die Verantwortung liegt nun beim Bürger.“ Wer ein positives Testergebnis erhalte, sei verpflichtet, sich in Isolation zu begeben und seine Kontakte zu informieren. „Die sind dann gehalten, sich bei uns zu melden.“ Alle Mitglieder des eigenen Haushalts, sofern nicht geboostert, müssen ebenfalls in Quarantäne. Das Testergebnis reicht auch als Nachweis für den Arbeitgeber, der damit Lohnersatz beantragen kann. Die bisherige schriftliche Anordnung des Gesundheitsamts ist nicht mehr nötig.

Wie ist das richtige Vorgehen bei einem Verdacht?

Meldet sich zum Beispiel die Corona-Warn-App oder eine infizierte Kontaktperson, sei der richtige Weg, unverzüglich einen Schnelltest zu machen, sagt Pfitzner. Ist der positiv, verpflichte das zu einem PCR-Test, dessen positives Ergebnis wiederum die Quarantäne auslöst. Ist ein PCR-Test nicht möglich oder nicht gewollt, zählt der Schnelltest – mit den gleichen Folgen. Bei den bisherigen Corona-Varianten seien Tests meist erst etwa fünf Tage nach der Infektion positiv gewesen, sagt Jens Pfitzner. „Bei Omikron ist das meist schon nach zwei, drei Tagen so.“

Macht sich Omikron beim Krankenstand der Verwaltung bemerkbar?

Die Auswirkungen auf den Personalstand der Stadtverwaltung sind noch überschaubar, berichtet Personalchef Jörg Biermann.

Personalchef Jörg Biermann bezeichnet die Lage als „noch unauffällig“. Der Krankenstand liege bei elf Prozent der Mitarbeiter. „Dies ist für die Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Auf das gesamte Jahr betrachtet, verzeichnen wir einen Krankenstand von durchschnittlich 5,8 Prozent.“ Engpässe zeichneten sich derzeit nicht ab. „Wir müssen aber die Entwicklung der nächsten Wochen abwarten.“

Wie viele Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes befinden sich in Quarantäne?

Aktuell zehn Kolleginnen und Kollege, erklärt Personalchef Biermann. „Im März/April 2020 betraf dies schon mal bis zu 35 Mitarbeiter.“ Grund für die niedrigeren Zahlen seien auch die geänderten Regeln für Geboosterte. Die Quote der städtischen Mitarbeiter, die geimpft oder genesen sind, beziffert Biermann auf 94 bis 95 Prozent. Für den Rest gelte Testpflicht vor Arbeitsbeginn.

Welche Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen?

Nach Möglichkeit sollen sich Mitarbeiter nicht begegnen. In einzelnen Abteilungen wurden Gruppen gebildet, die unabhängig voneinander im Einsatz sind. Zudem gilt auf den Behördengängen FFP2-Maskenpflicht. 750 Mitarbeitende der Verwaltung arbeiten zudem im Home-Office. Das sind rund zwei Drittel aller Kollegen, für die das aufgrund ihres Aufgabenzuschnitts infrage kommt. Inklusive Feuerwehr und Technischen Betriebe zählt der öffentliche Dienst in Remscheid rund 2350 Menschen.

Polizei und städtische Behörde unterstützen sich gegenseitig

Hintergrund

Aktuell müssen Kontaktpersonen nicht in Quarantäne, wenn sie geboostert sind oder innerhalb der letzten drei Monate doppelt geimpft oder genesen sind.

Isolation und Quarantäne dauern zehn Tage. Wer symptomfrei ist, kann sich nach sieben Tagen mit einem PCR- oder Schnelltest „freitesten“, Kinder und Jugendliche schon nach fünf Tagen. Für Beschäftigte im Gesundheitswesen gelten allerdings nur PCR-Tests.

Standpunkt: Eigentlich ganz einfach

Kommentar von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Seit Monaten werfen wir mit Inzidenz-Zahlen um uns – hin und wieder muss man die wohl noch mal übersetzen: Eine Sieben-Tage-Inzidenz von knapp 670 heißt für eine Stadt wie Remscheid fast 750 Neuinfektionen in einer Woche. Also deutlich mehr als 100 am Tag. Was das für das Gesundheitsamt bedeutet, kann sich wohl jeder leicht vorstellen. Also ist Eigenverantwortung gefragt. Und die ist, trotz der teils kruden Formulierungen in der Corona-Schutzverordnung, eigentlich ganz einfach: Wer positiv getestet wurde, begibt sich umgehend in Isolation. Ob Ehepartner und Kinder auch von Quarantäne betroffen sind und wann man sich wie freitesten kann, all das lässt sich auch später noch klären. Erstmal heißt es, runter von der Straße. Denn auch wenn der Anteil der milden Verläufe bei Omikron deutlich größer ist, könnte das Virus durch die schiere Masse an Infektionen unser Gesundheitssystem noch einmal extrem belasten. Und das kosten im Zweifel Menschenleben.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Entscheidung ist gefallen: Das soll im ehemaligen Berufskolleg entstehen
Entscheidung ist gefallen: Das soll im ehemaligen Berufskolleg entstehen
Entscheidung ist gefallen: Das soll im ehemaligen Berufskolleg entstehen
Unwetter: Wetterdienst gibt Vorwarnung für Remscheid heraus
Unwetter: Wetterdienst gibt Vorwarnung für Remscheid heraus
Unwetter: Wetterdienst gibt Vorwarnung für Remscheid heraus
9-Euro-Ticket: Das gilt es zu beachten
9-Euro-Ticket: Das gilt es zu beachten
9-Euro-Ticket: Das gilt es zu beachten
Zeugen gesucht: Jugendliche werfen Gegenstände auf Fahrbahn
Zeugen gesucht: Jugendliche werfen Gegenstände auf Fahrbahn
Zeugen gesucht: Jugendliche werfen Gegenstände auf Fahrbahn

Kommentare