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Mit dem RGA wandern: Naturerlebnisse und Einblicke ins alte bergische Leben

Der Ernenkotten wurde 1763 erbaut – je nach Besitzer hieß er auch Wecks- oder Mutzkotten. Foto: Andreas Erdmann
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Der Ernenkotten wurde 1763 erbaut – je nach Besitzer hieß er auch Wecks- oder Mutzkotten.

Krausener Bachtal und mittleres Ittertal locken mit alten Hofschaften, Mühlen und Kotten

Von Andreas Erdmann

Solingen. Abwechslungsreiche Naturerlebnisse und etliche Eindrücke alten bergischen Lebens in Hofschaften und Arbeitsstätten bietet eine Wanderung durch das Krausener Bachtal und das mittlere Ittertal.

Wir starten unseren Rundweg am Walder Marktplatz, überqueren die Schwindstraße und folgen der Zwergstraße. Linkerhand liegt das Walder Stadion mit der Jahnkampfbahn. Die heute denkmalgeschützte Anlage wurde 1928 fertiggestellt, nachdem man das sumpfige obere Krausener Bachtal trockenlegte.

Wir biegen nach links in die Adolf-Clarenbach-Straße und gehen dann rechts in die Charlottenstraße. Unterhalb des WMTV-Areals verläuft ein Wanderweg talwärts. Wer alte Hofschaften mag, kann links, über der Stelle, wo der Krausener Bach zutage tritt, einen Abstecher durch den Ort unternehmen, der dem Tal seinen Namen gab.

Zurück auf dem Weg folgen wir diesem unterhalb der Kleingärten und des Ortes Rolsberg durch den als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenen Wald. Wir kommen zur Haaner Straße. Von der Ittertalstraße geht es links in die Hofschaft Untenitter. Der Ort taucht als Hofstelle erstmals 1715 auf der Karte von Ploennies auf. Weitaus früher, 1218, wird der Bachname Ytter aktenkundig. Er geht auf den lateinisch-indogermanischen Begriff itera zurück, der „Wasser aus der Höhe“ bedeutet.

Wir folgen dem mit W markierten Weg des Sauerländischen Gebirgsvereins, teils an Wiesen entlang, teils durch Wald. Nach 15 Minuten zweigt rechts ein Weg zu einer Holzbrücke über die Itter und zum Schaafenkotten auf Haaner Gebiet ab. Wer einen Abstecher zum Schloss Caspersbroich unternehmen mag, geht weiter nach Westen.

Das Schloss wurde 1472 als Rittersitz von dessen Erbauer, Ritter Caspar von Pertsdorf, eingeweiht. Es ist heute privater Wohnsitz. Der Schaafenkotten lässt sich wohl auf das Jahr 1592 zurückführen. Damals beschreibt eine Akte einen „schleipkotten, kottenstat und wasserfluß uf den kotten, so in verkeufers banden bey Schricks und Lutgen Teenhauß banden gelegen“. Bis 1946 betrieb man den Kotten mit Wasserkraft. Um 1970 wurde er zum Wohnhaus.

Der Wanderweg rechts oberhalb der Anlage führt zur Ortslage Breidenmühle. Erstmals erwähnt wird die Mühle 1544 als „Mulle zu Breidenhuiß“ in einem Gutachten. Darin heißt es, sie stehe seit „aller Menschen gedenken“ dort – sei also weit älter. Als Getreidemühle gehörte sie einer Familie Breidt, die in Haan den Hof Breidenhaus führte. 1846 ließ Besitzer Peter Daniel Küll sie zum Schleifkotten umbauen. 1907 abgerissen, sind heute noch zwei zugehörige Wohngebäude vorhanden.

Wir gehen bachaufwärts zur Ittertalstraße und folgen dem Weg geradeaus zu dem 1784 errichteten Barockbau des heutigen Restaurants Heidberger Mühle. Die eigentliche Öl- und Kornmühle war ein Kotten, der dem Haupthaus als zweieinhalbstöckiger Fachwerkbau gegenüber stand und schon 1574 in Betrieb war. 1715 wurde er zur Wasserradmühle umgewandelt. 1894 wurde sie in einen Tanzraum verwandelt. Dann kam der Abriss. Blickfang des beliebten Ausflugziels ist der 2006 abgebrannte, wiedererrichtete Pavillon mitten im Mühlsee.

Weiter geht es seitlich des Restaurants auf dem Klingenpfad. Bald blicken wir auf den Ernenkotten, der nach seinen Besitzern jeweils auch Wecks- und Mutzkotten hieß. Man hat ihn 1763 an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. Etwas weiter am Weg stand der Bastianskotten. 1912 wurde er stillgelegt und verfiel. Erhalten ist noch das Wohnhaus. Kurz darauf treffen wir auf den 1931 angelegten Gesundbrunnen. Dort fließt Quellwasser aus einem Rohr, das in einer Bruchsteinmauer aus einem Schleifstein ragt.

Nach einer Weile quert der Klingenpfad die Straße Mittelitter. Die alten Kotten in Mittelitter, den Mutzkotten und den später zum Schleifer- und Heimatmuseum umgebauten Trinnskotten, stehen lange nicht mehr. Der an Teichen gelegene Vogelschutzpark wurde 1944 von Fliegerbomben zerstört. Unser Weg führt oberhalb der Eisbahn und des Freibads Ittertal entlang. Das Bad ließ der Walder Rasiermesserfabrikant Carl Friedrich Ern von 1913 bis 1916 aus eigenen Mitteln errichten. 1975 kam die Eisbahn hinzu. 1987 übernahm ein Förderverein den Betrieb von der Stadt.

Mit dem RGA wandern: Der Freizeitpark Ittertal hatte jährlich bis zu 50 000 Gäste

Weiter talaufwärts liegt das Areal des früheren Freizeitparks Ittertal. Dieser wurde 1898 als Ittertaler Volksgarten mit Gaststätte und Parkanlage von dem Gastronomen Friedrich Weck eröffnet. Hinzu kamen ein Saalanbau, ein Wasserkarussell von 1907, Tiergehege, Spielgeräte und Märchenwald. Der Park zählte jährlich bis zu 50 000 Gäste. 2018 wurde er geschlossen.

Wir erreichen den Stausee auf dem Fußweg, der rechts von der Straße Igelforst abzweigt. Dort haben wir einen schönen Ausblick auf das Gewässer. Über Lindersberg geht es rechtsum zur Ittertalstraße, am früheren Restaurant Mongolia vorbei, dann links vor dem markanten Fachwerkhaus Obenitterstraße 57 die steile Straße hinauf. Diese stößt auf die Wittkullerstraße. Die Wiesenstraße gegenüber führt uns zurück zum Parkplatz, unserem Ausgangspunkt.

Wanderroute

Strecke: Wanderung durchs Krausener Bachtal und das mittlere Ittertal

Dauer: ca. 110 Minuten

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, einige Steigungen, auch für Familien mit Kindern geeignet

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk

Einkehren: Restaurant Heidberger Mühle, Walder Str. 50, Haan, Tel. (02129) 24 14, Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 12.00 bis 22.00 Uhr, sonntags 9.00 bis 20.00 Uhr. www.heidberger-muehle.de

Alle Folgen unserer Serie „Wandern mit dem RGA“ haben wir hier für Sie aufgelistet: Wandern rund um Remscheid mit unseren Entdeckungstouren.

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX-Track Krausener Bachtal

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