Meine erste Platte

Mit Al Jarreau begann die Vorliebe für Soul, Funk und Jazz

Dorothea Schauf mit ihren ersten drei LPs: Al Jarreau, Working Week und David Sanborn. Foto: Peter Klohs
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Dorothea Schauf mit ihren ersten drei LPs: Al Jarreau, Working Week und David Sanborn.

Dorothea Schauf hörte bis zum Alter von 14 Jahren nur klassische Musik.

Von Peter Klohs

Remscheid. Dorothea Schauf, vor 50 Jahren in Wuppertal geboren, wurde früh musikalisch sozialisiert. „Ich bin in einer musikalischen Familie erzogen worden“, berichtet sie. „Mein Vater war Kirchenmusiker, und die ganze Familie hat gesungen. Ich hatte zwölf Jahre lang Cello-Unterricht und spiele das Instrument auch heute noch. So kam es, dass ich bis zum Alter von 14 Jahren ausschließlich klassische Musik gehört habe.“

Aber dann! Der ältere Bruder schwärmte von einer Musiksendung, die Rockpalast hieß und zeitgleich im Fernsehen und im Radio übertragen wurde. „Da sah und hörte ich 1984 oder 1985 Al Jarreau. Als ich ins Bett musste, habe ich da heimlich weiter gehört. Das war der Punkt, an dem meine Vorliebe zu Soul, Funk und Jazz zutage trat und mich bis heute nicht verlassen hat.“

Auf ihrer ersten Platte, die sie vermutlich bei Karl vom Kothen in Wuppertal gekauft hat, erklingt dann genau die Musik: Working Nights von der Band Working Week, eine Mixtur verschiedener Stile, die heute als Acid-Jazz bezeichnet wird. Einen mittelprächtigen Hit hatte die Gruppe mit „I thought I’d never see you again“. Wir schauen uns das Cover an. Dorothea Schauf seufzt. „Auf dem Speicher steht noch ein Plattenspieler“, erinnert sie sich. „Vielleicht sollte ich den mal wieder verholen. Wenn ich dazu noch Boxen finde.“

Ihre 2. Platte war dann von Al Jarreau: High Crime. Da war der Sänger im Begriff, den Jazz zugunsten der Popmusik zu verlassen. „Diese gesampelten Bläser-Sätze sind doch furchtbar“, urteilt Schauf zu Recht. „Blasinstrumente wie Saxofone und Posaunen sollten von Bläsern gespielt werden und nicht vom Synthesizer.“ Persönliche Erinnerungen an ein Konzert des Sängers in Essen erzählt sie auch noch – und plötzlich stellen wir fest, dass wir auf dem gleichen Konzert waren. „Ja, ja“, erinnert sie sich, „Jarreau hat zuerst gespielt, und danach kam David Sanborn mit diesem unglaublichen Bassisten Marcus Miller und Hiram Bullock an der Gitarre. Tolle Band.“ Das war denn auch ihre 3. Platte: David Sanborns „Straight to the heart“ von 1984, eine Live-Aufnahme mit dem 10-minütigen „Smile“ als Höhepunkt.

Auch deutscher Rap steht auf ihrer Playlist

„Im Jazz hat mich immer die Vielzahl der Instrumente fasziniert“, berichtet Schauf. „Da hörte man Saxofone, die in der Popmusik ja eher selten zu hören sind, andere Bläser und Streicher. Und das war alles noch handgemachte Musik, das fand ich auch immer toll.“

Auch den englischen Musiker Jamie Cullum, der gekonnt Jazz mit Pop vermählt, schätzt sie sehr. Und wieder stellen wir fest: Konzert von Cullum am Kemnader See in einem Zelt, circa 2015, da waren wir auch beide. Wir schauen uns staunend an und müssen lachen. Klein ist die Welt.

Obwohl sie eher die peppigere Musik bevorzugt, hört sie wegen ihrer Cello-Ausbildung noch gerne klassische Musik. Felix Mendelssohn und Max Reger nennt sie. Auch deutschen Rap hat sie in ihrer Playlist im Handy gespeichert. „Man darf nicht immer so genau auf die Texte hören“, sagt sie, „aber der Groove ist bei dieser Musik schon klasse.“

„Beinharter Jazz“ ist nichts für sie. „Das ist mir zu anstrengend. Wenn es zu frei wird, dann wird mir das zu viel.“ Die Musik, die in den Hitparaden die ersten Plätze belegt, hat ihr noch nie etwas gesagt. „Das ist mir zu großen Teilen auch zu einfach gestrickt. Dann lieber Quincy Jones mit diesen fetten Bläsersätzen.“

Sie freut sich, dass man jetzt wieder Konzerte besuchen kann. Jacob Collier steht auf ihrer Wunschliste.

Hintergrund

Dorothea Schauf ist in der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die gebürtige Wuppertalerin lebt seit 25 Jahren in Remscheid und fühlt sich auch als Kind der Stadt. Sie ist nach wie vor offen für neue Musikerfahrungen und entdeckt gerade die Klangwelten des Isländers Olafur Arnalds. Und ich Lawrence und Lianne La Havas.

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