Prozess

Missbrauch: Mutter glaubte ihrer Tochter nicht

81-jähriger Angeklagter gesteht seine Tat.
+
81-jähriger Angeklagter gesteht seine Tat.

81-jähriger Remscheider wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

Von Dirk Lotze

Remscheid. Nie etwas gemerkt, nie nachgefragt – selbst später nicht, als schon die Strafanzeige lief. Das sagen Familienmitglieder als Zeugen in einem Prozess um jahrelangen Kindesmissbrauch in einer Familie aus. Vor dem Landgericht Wuppertal steht ein inzwischen 81 Jahre alter Angeklagter aus Remscheid. Die Mutter des Opfers gab an, sie habe ihm geglaubt – nicht ihrer Tochter, als die sich 2013/14 im Jugendlichenalter schließlich offenbarte.

Der Angeklagte hat die Taten gestanden. Er erhöhte Montag eine Zahlung an die Geschädigte – seine Stiefenkelin – um 5.000 Euro auf nun insgesamt 15.000 Euro. Bei der Schwere der Vorwürfe kämpft der verheiratete, frühere Facharbeiter für eine Strafe, bei der er ausnahmsweise in Freiheit bleiben darf. Einen Teil des Geldes hat er von einer Tochter geliehen, informierte sein Anwalt das Gericht.

Vor den Richterinnen und Richtern hat der Angeklagte Übergriffe ab 2006 zugegeben. Begonnen haben sollen die Taten mit einem aufgedrängten Zungenkuss. Das Mädchen war da acht Jahre alt, der Angeklagte 65. Im Laufe der Zeit hat er die Taten immer weiter gesteigert. Tatorte sollen nacheinander mehrere Wohnungen der Familie des Mädchens in Wuppertal gewesen sein. Sein Opfer, inzwischen Mitte 20, sagte im Gericht zu ihrem Schutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Mehrfach unterbrachen die Richterinnen und Richter die Vernehmung, weil sie bitterlich weinte.

Das Jugendamt entzog der Mutter alle minderjährigen Kinder

Hintergrund der Geschehnisse sind laut Zeugen verflochtene Familienbeziehungen: Die Mutter der Geschädigten habe eine intime Beziehung zum Angeklagten unterhalten, nachdem sie sich von seinem Sohn getrennt hatte. Der 30 Jahre ältere Mann sei bei ihr und ihren Kindern eingezogen. Seine Frau lebte weiter in Remscheid. Zu ihr ist er inzwischen zurückgekehrt.

2014 entzog das Jugendamt der Mutter des Mädchens vorübergehend alle minderjährigen Kinder. Auf die Nachricht von seinem Geständnis wetterte die Frau im Gericht: „Wie kann er das ‘einräumen’, wenn er all die Jahre gesagt hat, er hat es nicht getan? Er hat sie ein ‘verlogenes Miststück’ genannt!“

Der Richter bat um Mäßigung und stellte im sachlichen Ton fest: „Wenn er das wirklich gesagt hat, dann wundere ich mich allerdings, dass Sie zusammen geblieben sind.“

Der Mutter und Geschwistern zufolge kamen ihnen erst im Nachhinein Abläufe in der Familie ungewöhnlich vor: Die Tochter habe gesagt, dass sie nicht mehr mit dem Opa in den Keller gehen wolle. Einmal habe der Angeklagte in der Küche ganz dichter hinter dem Mädchen gestanden und sich an ihr gerieben. Die Mutter fügte hinzu: „Manchmal hab’ ich mich schon gefragt: Was macht der die ganze Zeit im Kinderzimmer? Er hat gesagt, er guckt mit den Mädchen Fußball.“

Das Gericht will Freitag weiter verhandeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Einfamilienhaus brennt an der Honsberger Straße
Einfamilienhaus brennt an der Honsberger Straße
Einfamilienhaus brennt an der Honsberger Straße
Kriminelle sprengen Geldautomat in Lüttringhausen
Kriminelle sprengen Geldautomat in Lüttringhausen
Kriminelle sprengen Geldautomat in Lüttringhausen
Bürgerbus fährt oft allein durchs Dorp: Es fehlen die Fahrgäste
Bürgerbus fährt oft allein durchs Dorp: Es fehlen die Fahrgäste
Bürgerbus fährt oft allein durchs Dorp: Es fehlen die Fahrgäste
Mannesmann-Villa weicht Kita-Neubau
Mannesmann-Villa weicht Kita-Neubau
Mannesmann-Villa weicht Kita-Neubau

Kommentare