Honsberg

Migrationsberatung: Sie begleiten auf dem Weg ins neue Leben

Katica Andric (l.) und Zeliha Aras leiten Neuankömmlinge durch den Behördendschungel, vermitteln und hören zu. Foto: Roland Keusch
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Katica Andric (l.) und Zeliha Aras leiten Neuankömmlinge durch den Behördendschungel, vermitteln und hören zu.
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Katica Andric und Zeliha Aras arbeiten in der Migrationsberatung im Neuen Lindenhof.

Von Andreas Weber

Remscheid. Ohne sie wären viele Zugewanderte aufgeschmissen. Katica Andric und Zeliha Aras beraten in allen Lebenslagen, bei den ungezählten Kleinigkeiten, die Neuankömmlinge in dieser Gesellschaft zunächst heillos überfordern. „Wir sind die Brücke zwischen den Behörden und Menschen“, fasst es Katica Andric zusammen. Mit Bundesmitteln finanziert, arbeitet sie mit ihrer Kollegin unter dem Dach des Stadtteil e.V. im Neuen Lindenhof am Honsberg.

Ihre Zielgruppe sind Personen über 27 Jahre mit einer Aufenthaltserlaubnis, Migranten, die sich dauerhaft in Remscheid aufhalten, EU-Bürger, Drittstaatsangehörige und anerkannte Flüchtlinge. Als Katica Andric vor 15 Jahren aus Bosnien-Herzegowina nach Köln kam, benötigte die Diplom-Sozialpädagogin die Hilfe, die sie seit Frühjahr 2020 in der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) selbst anbietet.

MBE unterstützt beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen, bei der Suche nach Wohnung und Arbeit, Kinderbetreuung, dem Finden von Kita- und Schulplätzen oder in Aufenthaltsfragen. Vor allem aber legen sie dringend den Besuch der Integrationskurse nahe, die für Neuzugewanderte verpflichtend sind, eine Kombination aus Sprachvermittlung und Gesellschafts-/Staatskunde, 900 Stunden insgesamt. Die Zertifizierung kann später wichtig für eine dauerhafte Niederlassung in Deutschland werden.

Zeliha Aras, seit 2016 dabei, kümmert sich mit ihrem türkischen Hintergrund viel um in Bulgarien assimilierte Türken, Katica Andric betreut mit ihrem Serbokroatisch die aus dem Balkan Zugewanderten. Letztlich aber sind beide für alle Nationalitäten Ansprechpartner in ihrem Büro, und voll ausgelastet. Der Wust an Erledigungen und Verpflichtungen in der neuen Heimat überfordert manchen.

„In meiner Heimat Bosnien-Herzegowina gibt es einen Stromanbieter, hier sind es über 1000“, nennt Andric ein Beispiel. Das tägliche Leben bis zur richtigen Krankenversicherung, dem Bezahlen der Rundfunkgebühren bis zum Abschluss nicht überteuerter Handyverträge zu organisieren, bedarf für Sprachunkundige, noch mehr bei Analphabeten intensiver Begleitung.

Diensthandys klingeln auch außerhalb der Bürozeiten

Bei Stadtteil e.V. firmieren diese Fälle unter Case-Management. Sie sind aufwendig für die MBE-Mitarbeiterinnen, mit engmaschig getakteten Terminen, die nicht selten mit einem Problem beginnen, aus dem viele weitere erwachsen. Die „Hilfe zur Selbsthilfe“ verhindert jedoch, dass Unkundige direkt finanziell in Schräglage und in einen Schuldenstrudel geraten, aus dem es später nur schwerlich ein Entrinnen gibt. Andric und Aras kennen auch die Fälle von skrupellosen Arbeitgebern, die die billigen Kräfte ausbeuten. Den Betroffenen Rechtsbeistand zu vermitteln, gehört auch dazu.

Viele Neuankömmlinge erhalten aus ihrem kulturellen Umfeld zweifelhafte Unterstützung, die oft kostenpflichtig ist und die die Notlage der Betroffenen schamlos ausnutzt. „Unser Angebot ist dagegen kostenlos“, betont Ralf Noll, Geschäftsführer von Stadtteil e.V. Genau wie das der Caritas, die drei MBE-Kräfte beschäftigt. Man muss es nur kennen. „Wir leben von der Mund-zu-Mund-Propaganda“, erklären Andric und Aras. Aber auch von der wachsenden Vernetzung mit anderen Institutionen wie der Ausländerbehörde, dem Jobcenter oder der Verbraucherzentrale. Die Flyer der Migrationsberater liegen an vielen Stellen aus.

Beide schauen bei ihrer Einzelfallbetreuung nicht auf die Uhr. Andric arbeitet Teilzeit, Aras hat eine Vollzeitstelle. Ihre Diensthandys klingeln viel außerhalb der Bürozeiten. „Als Sozialarbeiterin bin ich immer für Menschen da“, sagt Aras. Zu den bedrückenden Seiten ihres Jobs gehört es auch, dass ihre Klienten über Nacht verschwinden. Desillusioniert zurückgekehrt in ihre alte Heimat, weil sie aufgrund der hohen Hürden mit viel Papierkram und hoher Schulden keinen anderen Ausweg sahen. Ein Schritt zurück, der manchmal der einzig richtige ist. „Es gibt einfach Fälle, bei denen ich den Menschen sagen muss: Du bist in deiner Heimat besser aufgehoben.“

Die Tätigkeit hat aber auch für die engagierten Mitarbeiterinnen eine Schattenseite. Denn sie hangeln sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag, befristet auf zwei Jahre. Die Finanzierung durch den Bund macht es auch für Stadtteil e.V. nicht leicht. „Es ist ein permanentes Ringen um die Mittelvergabe“. bedauert Ralf Noll. Eine Aufstockung des Personalschlüssels wäre aufgrund des Bedarfs sinnvoll, ist aber momentan nicht in Sicht.

Kontakt

Beratungsgespräche bei der MBE sind nach vorheriger Terminvereinbarung möglich, am besten per Telefon unter Tel. (02191) 93 80 39 (Zeliha Aras) oder (02191) 93 80 43 (Katica Abdric), Infos zum Neuen Lindenhof gibt es online.

der-neue-lindenhof.de

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