Zum Tod des letzten Präsidenten der Sowjetunion

Gorbatschow schlug Brücke nach Lennep

Der Lenneper Johannes Schmidt begegnete Michail Gorbatschow 1995 in Düsseldorf. Eine Stunde sprach er mit den Musikern.
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Der Lenneper Johannes Schmidt begegnete Michail Gorbatschow 1995 in Düsseldorf. Eine Stunde sprach er mit den Musikern.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Verstorbener Staatsmann traf 1995 auf die Musiker von Druschba: Viele Reisen folgten.

Remscheid. Michail Gorbatschow schlug Brücken. Nicht nur von Moskau nach Washington, Berlin und die anderen Machtzentren des Westens. Sondern auch nach Remscheid. Der letzte Staatspräsident der Sowjetunion gilt als Initiator vieler Konzertreisen, die das Lenneper Balalaika-Orchester Druschba nach Moskau, St. Petersburg und Rostow am Don führte. Der volksnahe Gorbatschow sah die Besuche und Gegenbesuche als Baustein für seinen Traum von einem gemeinsamen und friedlichen Haus Europa. Heute liegt sein Traum in Trümmern.

Johannes Schmidt, Gründer des Orchesters, das in der Schule für Musik, Tanz und Theater in Lennep beheimatet ist, lernte den verstorbenen Staatsmann 1995 kennen. Gorbatschow und seine Frau Raissa waren auf Einladung des damaligen NRW-Innenministers Herbert Schnoor (SPD) nach Düsseldorf gekommen. Gorbatschow hielt einen Vortrag über die Zukunft der Ost-West-Beziehungen. Druschba sorgte für den musikalischen Rahmen. „Danach haben wir unsere Sachen gepackt und dachten, das war’s“, erzählt der heute 75 Jahre alte Johannes Schmidt. „Und plötzlich geht die Tür auf und Gorbatschow kommt herein. „Unsere Kosaken-Uniformen hatten ihn neugierig gemacht“, erzählt Schmidt. „Wo kommt ihr her?“, wollte er wissen. Von Druschba aus Lennep hatte er noch nicht gehört.

Tatsächlich gab es das Orchester damals schon lange. Schmidt hatte es 1976 unter dem Namen Druschba für Freundschaft gegründet. In den 80er Jahren standen die jungen Musiker mit Ivan Rebroff auf der Bühne, später auch mit Kathy Kelly, den Schwarzmeer-Kosaken und Helene Fischer.

Über den Krieg will bei den Proben niemand sprechen

Eine Stunde nahm sich der Friedensnobelpreisträger damals Zeit, um mit den Lennepern über das Verhältnis von Russen und Deutschen zu sprechen. Prompt folgte wenig später eine Einladung. Der Germanski-Kosake, als der sich Johannes Schmidt bei Gorbatschow vorgestellt hatte, sollte mit seinen Musikern nach Moskau kommen. Es folgten zahlreiche Reisen und Gegenbesuche von russischen Musikern.

Dann kam Corona und nach Corona kam der Krieg. Bis heute besteht das Orchester vor allem aus Kindern und Jugendlichen aus Familien mit russischen oder ukrainischen Wurzeln. Der Krieg ist für sie kein Thema bei den Proben. „Darüber will niemand sprechen“, sagte Johannes Schmidt. Das gilt ebenso für die Freunde, die die Musiker in Russland haben. „Die Kontakte sind geblieben, aber über Politik redet keiner. Alle haben Angst vor den Folgen.“

Den Krieg und seine Folgen bekommen die jungen Musiker aber auch in Deutschland zu spüren. Davor waren sie immer unterwegs und gaben Konzerte. Heute mag kaum einer mehr russische Weisen hören. „Wir können nur hoffen, dass dieser elende Krieg bald ein Ende nimmt“, sagt Johannes Schmidt. „Es ist alles sehr, sehr traurig.“

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