Vermüllt, verranzt, verschimmelt

Messi-Paar hinterlässt Wohnung im Chaos

Die einst gepflegte Einbauküche müssen die Vermieter jetzt rausreißen. Foto: Doro Siewert
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Die einst gepflegte Einbauküche müssen die Vermieter jetzt rausreißen.

Vermieter in der Stockder Straße sind über Schaden entsetzt.

Von Andreas Weber

Remscheid. Als Stefanie und Udo Schmitz Mitte Oktober im 2. Stock ihres Hauses in der Stockder Straße die vermietete Wohnung mit Nachbarn als Zeugen aufbrachen, blickten sie ins Grauen. Die 60-Quadratmeter-Wohnung war vermüllt, verranzt, verschimmelt, stank ekelhaft. In den Mülltüten krabbelten die Maden, auf Sideboards und Tischen stapelten sich leere Whiskyflaschen. Von den Mietern keine Spur, nachdem sie die fristlose Kündigung erhalten und sich über Nacht aus dem Staub gemacht hatten.

Das Paar, das dort zwei Jahre mit drei Katzen gehaust hatte, war stiekum weitergezogen. Nur Fernseher und Playstation hatten sie aus dem Chaos mitgenommen. Mietnomaden werden solche Menschen genannt. Für jeden Hausherren sind sie der vielzitierte Griff in die Kloschüssel. Die Zechpreller hinterließen einen Totalschaden, der in den fünfstelligen Euro-Bereich geht und eine komplette Renovierung des Objektes erfordert. Auf dem Schaden, so lehrt die Erfahrung, werden sie sitzenbleiben. Das Ehepaar Schmitz zieht deshalb die Notbremse: „Wir werden die Wohnung nicht mehr vermieten.“

Was sich als Messis entpuppte, schien anfangs ein unproblematisches Mietverhältnis zu sein. „Sie waren die Ersten, die sich der Vorgängerin, einer alleinstehenden Dame, vorgestellt hatten, weil ich im Krankenhaus war“, erinnert sich Stefanie Schmitz. Sie und ihr Mann hatten keine Bedenken. „Dem Paar merkte man nichts an. Es waren einfache Leute, aber freundlich und ruhig.“ Und sie überwiesen ihre Miete zunächst pünktlich. Im Mai und Juni 2020 blieb das Geld erstmals aus. Den August zahlte das Paar wieder vollständig. Mitte Juli drehten die EWR Strom und Gas ab.

„Wir werden die Wohnung nicht mehr vermieten.“
Stefanie Schmitz, Vermieterin

„Wir waren noch so freundlich, ihnen ein Stromkabel hochzulegen, damit sie wenigstens nicht komplett abgeschnitten sind.“ Heute könnte sich Schmitz für diese Geste ohrfeigen. Als auch im September und Oktober kein Euro auf ihr Konto floss, reagierten die Vermieter mit einer fristlosen Kündigung. Wer zweimal die Miete säumig bleibt, dem droht die Gesetzgebung mit Rauswurf. Diesen leiteten die Vermieter in die Wege, unmittelbar verbunden mit einer Räumungsklage.

Remscheid: Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und Betrug gestellt

Erreichen konnten sie ihre Ex-Mieter nicht mehr. Die Schmitz' sind nun dabei, aufzuräumen. Zwölf Müllsäcke mit Kleidung holten sie aus dem Saustall. Die Möbel werden übernächste Woche abgeholt, Elektrogeräte mit dem Sperrmüll entsorgt. Die einst gepflegte Einbauküche ist Schrott, das Badezimmer ebenso. Die Fliesen sind schwarz, müssen rausgerissen werden. Ein Schuhkarton voller ungeöffneter Post, unter anderem mit Mahnungen und Schreiben vom Gerichtsvollzieher blieb ebenfalls zurück. „Wir haben Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und Betrugs gestellt“, erklärt Stefanie Schmitz.

Betrug kam hinzu, weil sich die Mieter im September für 16 Nächte in ein Apartment eines Remscheider Hotels eingecheckt hatten, offensichtlich vorgaben, dass sie durch einen Wasserschaden in ihrer Wohnung gezwungen worden seien, vorübergehend auszuziehen. Die Rechnung für das Hotel in Höhe von 1264 Euro erhielt Stefanie Schmitz postalisch vom Hotel zugestellt.

Andreas Herget, als Jurist Nachfolger von Andreas Plewe beim Mieterverein Remscheid und Umgebung, weiß, dass solche Fälle leider oft vorkommen. Der Rechtsanwalt rät vorab zur Bonitätsprüfung. Die beginnt bei der Vorlage einer aktuellen Gehaltsabrechnung, führt über eine Selbstauskunft zur Schufa-Eigenauskunft oder eine Bonitätsprüfung mittels Auskunftdateien. Eins solle man lassen, rät Herget: „Mietern vor Vertragsunterzeichnung einen Schlüssel in die Hand drücken.“ Auch wenn Herget den Mieterschutz vertritt, so weiß er: „Mietnomaden sind Kriminelle.“

Kündigungsgrund

Die fristlose Kündigung eines Mietverhältnisses ist rechtens, wenn ein Mieter an zwei nicht aufeinanderfolgenden Terminen die Miete nicht zahlt, in zwei aufeinanderfolgenden Monaten einen nicht unerheblichen Teil der Miete säumig bleibt oder sich über mehrere Monate ein Verzug von zwei Monatsmieten addiert, sagt der Gesetzgeber.

Hier können die Lehrer ihre geselligen Mittagspausen künftig nicht mehr verbringen: Ein Schuppen auf dem Gelände der Alexander-von-Humboldt-Realschule (AvH) brannte in der Nacht zu Montag komplett nieder.

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