Versuchter Mord

Messerattacke: Bekannter soll Angeklagten erpresst haben

Noch ist für die Richter am Landgericht unklar, wer die beiden 16- und 24-Jährigen mit Messerstichen verletzt haben soll. Archivfoto: Leon Hohmann
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Noch ist für die Richter am Landgericht unklar, wer die beiden 16- und 24-Jährigen mit Messerstichen verletzt haben soll. Archivfoto: Leon Hohmann

„Entweder Du gibst mir 200 Euro, oder ich geh zu den Bullen“ – 17-Jähriger forderte Schweigegeld.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Nach einem lebensgefährlichen Messerangriff im September nahe dem Allee-Center machte die Nachricht vom Geschehen binnen Minuten die Runde unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das belegen vorherige und neue Aussagen im Prozess um versuchten Mord im Landgericht Wuppertal.

Ein 24 Jahre alter Remscheider hatte einen Stich in die Schläfe und eine tiefe Hirnverletzung erlitten. Er trat im Gericht im Rollstuhl auf und wird womöglich nicht mehr gesund. Der Hauptangeklagte (21) und zwei 15 und 17 Jahre alte Mitangeklagte wurden in Handy-Chatnachrichten von Bekannten als Verdächtige identifiziert. Dem 17-Jährigen schickte ein gleichalteriger Jugendlicher sogar eine Erpresser-Botschaft. Den Wortlaut fanden Polizisten nach der Festnahme im Handy: „Entweder Du gibst mir 200 Euro, oder ich geh zu den Bullen.“

Die Anklage geht davon aus, dass der 21-Jährige der Haupttäter war: Er habe das Messer gehabt. Die Jüngeren hätten sich beteiligt, als er vor dem Teo Otto Theater auf seinen Gegner eintrat und schließlich den gefährlichen Stich ausführte. Hintergrund soll ein Besuch aller Beteiligten auf der Herbstkirmes auf dem Schützenplatz gewesen sein. Nach mehrstündigem Aufenthalt mit Alkoholkonsum habe der 21-Jährige einen anderen Besucher geschlagen. Er sei darauf vom Sicherheitsdienst des Platzes verwiesen worden. Der Geschlagene sei hinterhergegangen, um „die Sache zu klären“.

Hauptangeklagte droht „Ich stech´ Euch ab!“

An der Haltestelle Quimperplatz beobachtete eine 17-jährige Zeugin, dass der 21-Jährige im Bus sein Messer in einer Hand hielt, während sein Gegner vor dem Bus stand und der Fahrer die Tür schloss, um abzufahren. Unterwegs Richtung Innenstadt soll sich der 24-Jährige eingemischt haben, außerdem ein 16-jähriger Bekannter, der später ebenfalls Verletzungen erlitt: Laut einer Begleiterin forderten sie den Hauptangeklagten auf, sein Messer einzustecken. Der soll gedroht haben: „Ich stech’ Euch ab!“ Die Situation eskalierte an der Haltestelle Allee-Center. Vor dem Fahrzeug kam es zur Prügelei, dann zum Messerangriff und schließlich zur Flucht der Angreifer.

Von den mehr als 20 Fahrgästen im Bus standen mehrere mit Bekannten in Handy-Chatverbindungen. Die 17-Jährige, die das Messer gesehen hatte, sagte im Gericht aus: „Ich habe über Ecken erfahren, was passiert war. Es hat fast jeder in Remscheid drüber gesprochen.“ Die Namen der Angeklagten seien bekannt gewesen.

Die Ermittler der Mordkommission nahmen den 21-Jährigen am folgenden Tag in Wuppertal fest. Die beiden jüngeren Angeklagten wurden in Remscheid ermittelt.

Das Gericht hat drei weitere Verhandlungstage vorgesehen.

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