Lockerungen ab Sonntag

Maskenpflicht endet, Unsicherheit bleibt

Ist die Maske nur noch für die Tonne? Heute läuft die Maskenpflicht aus. Das Allee-Center beispielsweise setzt die Lockerungen um. Die Geschäfte können aber selber entscheiden. Fotos: Roland Keusch
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Ist die Maske nur noch für die Tonne? Heute läuft die Maskenpflicht aus. Das Allee-Center beispielsweise setzt die Lockerungen um. Die Geschäfte können aber selber entscheiden.

Der Handel in Remscheid blickt teils skeptisch auf die große Lockerung – Einige Geschäfte setzen weiter auf Schutzmaßnahmen.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Remscheids Händler und Geschäftsleute sind schon eine Menge gewohnt. Die ganze Corona-Krise lang sei es in der Regel so gewesen, dass neue Verordnungen und Regeln erst kurz vor knapp schwarz auf weiß vorgelegen hätten. Daher würden viele Shops noch in Unsicherheit darüber sein, wie sie das Ende der Maskenpflicht umsetzen, erklärt Allee-Center-Manager Nelson Vlijt. Zu berichten weiß er aber, dass einige weiterhin auf Masken bestehen werden – und andere nicht. Unter anderem entfällt mit dem morgigen Tag die gesetzliche Verpflichtung, in Geschäften eine Maske zu tragen. Das Land könnte die Maßnahme unter bestimmten Voraussetzungen per Hotspot-Regelung fortführen. Dafür scheint es derzeit jedoch keine politische Mehrheit zu geben.

Nur mit Click-and-Meet – und Maske – war das Einkaufen zwischenzeitlich möglich.

Für das Allee-Center an sich steht fest: „Da die Maskenpflicht nicht mehr gilt, werden wir sie auf allen allgemeinen Centerflächen aufheben. Wir wollen einfach weitere Unklarheiten und einen Flickenteppich vermeiden.“ Die politischen Beschlüsse würden eins zu eins umgesetzt. „Wir empfehlen aber natürlich allen, die eine Maske tragen wollen, dies weiter zu tun.“

Cornelia Wüllenweber, Filialleiterin des Modehaus Boecker auf der Allee, berichtet, die meisten Kunden hätten bereits gesagt, sie würden weiter mit Maske kommen. Verpflichtend sei das in ihrem Geschäft zwar nicht mehr. Allerdings: „Das Thema Arbeitsschutz überwiegt, so dass wir in der Belegschaft weiter mit Maske arbeiten werden.“

Zugangsbeschränkungen wie 3G und 2G gelten auch nicht mehr für den Einzelhandel.

Die Lage ist von Unsicherheiten geprägt. Manche Händler werden ihr Hausrecht dahingehend nutzen, vorerst weiter das Tragen einer Maske zu verlangen. Häufig sind es gesundheitliche Bedenken. Ralf Engel kann diese Bedenken verstehen. Bei ihm hätten sich einige Betriebe gemeldet, die weiterhin nur maskentragende Kunden in ihr Geschäft lassen möchten, sagt der fürs Bergische zuständige Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW – Rheinland. Für sie sei es eine Chance, mit einem sicheren Einkaufserlebnis zu werben. Auf der anderen Seite gebe es Inhaber, die das Wegfallen der Regel befürworten – viele Kunden sähen die Masken als Hindernis an.

„Vor allem in der ersten Zeit ohne Maskenpflicht wird es auf das Fingerspitzengefühl der Händler ankommen. Diesbezüglich mache ich mir aber keine Sorgen“, betont Engel. Vlijt sagt derweil, dass die zuvor durchgeführten Lockerungen der Regeln nicht gerade zu einem sprunghaften Konsumanstieg geführt hätten. Ob das an Corona liege, sei aber nicht auszumachen: Der Krieg in der Ukraine wirke sich auch im Handel aus. „Die Stimmung in der Bevölkerung hat immer Auswirkungen auf die Kauflust.“ Die Inflation trage zudem dazu bei, dass die Kunden derzeit eher sparsam seien.

Rückzahlungen, Mindestlohn & Co.: Friseure in Remscheid erwarten schwere Monate

Ebenfalls gesundheitliche Bedenken hat Gudrun Sommerkorn. Sie führt in der Nordstraße einen Friseursalon und ist seit rund zehn Jahren Obermeisterin der Innung. Auch bei den körpernahen Dienstleistungen fällt die Maskenpflicht, sofern eine Immunisierung vorliegt. „Die meisten werden das aber sehr vorsichtig handhaben, weil man nun mal körpernah arbeitet. Die Kollegen sind sehr verhalten.“ Verwunderlich sei, dass man viele Regeln nun doch sehr schnell habe fallenlassen: „Da hat sich die Politik treiben lassen.“ Sie werde die Lage nach Beendigung der Maskenpflicht beobachten – und ärgert sich, dass nur auf (nicht überfüllte) Intensivstationen geblickt werde, aber nicht darauf, dass bereits wieder wichtige Operationen aufgeschoben würden. Bei Sommerkorn und ihren Remscheider Kollegen kommen aber auch wirtschaftliche Sorgen hinzu. „Wenn wir als Friseure uns infizieren, sind wir erstmal über eine Woche nicht einsatzfähig. Das bedeutet immense finanzielle Verluste.“

Friseurin Gudrun Sommerkorn wird weiter durchgehend mit Maske arbeiten.

Das könne sich die Branche nicht erlauben, zeichnet Sommerkorn ein angespanntes Lagebild: „Wir kommen aus sehr schwierigen Monaten. Jetzt müssen viele ihre Hilfe zurückzahlen, oft ist das viel mehr als gedacht.“ Und es stünden weitere, finanziell schwierige Monate an, mutmaßt sie: „Bald wird der Mindestlohn angehoben, dazu kommen steigende Energiekosten.“ Die Kunden hätten weniger Geld in der Tasche. „Wir haben sehr schwere Monate vor uns. So gesehen ist die wirtschaftliche Situation derart schwierig, dass wir uns keine erneuten Engpässe erlauben können.“

Gebäude der Stadt

Die Stadt hält für kommunale Gebäude an der Maskenpflicht fest – in der Woche nach den Osterferien werde es eine neue Evaluation geben, so OB Burkhard Mast-Weisz. Man sehe sich als Arbeitgeber und im Sinne der Bürger in der Verantwortung. Das gilt auch für Museen, Stadtbibliotheken und das Theater.

Standpunkt

timo.lemmer@rga.de

Kommentar von Timo Lemmer

Und, wie fühlt er sich an, der Freedom Day? Am Sonntag ist es schließlich soweit: Die Maskenpflicht und mit ihr „alle tiefergehenden Maßnahmen“ gegen das Coronavirus sind gefallen. Seien wir ehrlich, das Gefühl der Befreiung haben wir uns irgendwie anders, ausgelassener vorgestellt. Immerhin sehen wir Inzidenzen, die wir uns zu Zeiten deutlich härterer Maßnahmen nicht hätten vorstellen können. Andererseits sorgt die Omikron-Variante im Mittel für mildere Verläufe. Jetzt also die Lockerungen. Eine verzwickte Situation, die Fingerspitzengefühl erfordert. Wir werden nicht nur, wie es schon zum geflügelten Wort geworden ist, irgendwann einmal einander viel verzeihen müssen – wir werden vor allem ab sofort viel Verständnis untereinander aufbringen müssen. Dort ist ein Geschäft, das weiter das Tragen einer Maske verlangt? Das wird seinen guten Grund haben. Hier ist ein Laden, in dem Menschen ohne Maske einkaufen dürfen? Das ist ebenfalls ihr gutes Recht. Appellieren wir neben der Vernunft – gerade dort, wo es eng zugeht, ist eine Maske ab dem 3. April nicht plötzlich weniger sinnvoll als am 2. April – auch an die Fähigkeit, Verständnis für andere aufzubringen.

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