Interview

Markus Hoymann: „Caritas soll weiter Nächstenliebe zeigen“

Markus Hoymann (54) ist der neue Vorsitzende des Caritasverbands Remscheid. Er folgt auf Sandra Engelberg und war vorher bereits ihr Stellvertreter. Foto:
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Markus Hoymann (54) ist der neue Vorsitzende des Caritasverbands Remscheid. Er folgt auf Sandra Engelberg und war vorher bereits ihr Stellvertreter.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Der neue 1. Vorstand Markus Hoymann über aktuelle Projekte, gestiegene Bedarfe und die Suche nach Räumen.

Herr Hoymann, Sie sind neuer Vorsitzender der Caritas Remscheid. Was möchten Sie vorantreiben?
Markus Hoymann: Wir wollen zuerst einmal eine Kontinuität zeigen, was unsere Arbeit hier vor Ort anbelangt. Wir sind mit unseren unterschiedlichen Diensten dabei sehr breit aufgestellt: von Tagespflege über Beratungsangebote bis hin zum Müttercafé und zur Quartiersarbeit in Lennep. Für die Tagespflege suchen wir aktuell neue Räume in Alt-Remscheid. Wir würden auch bestehende Räume umbauen. Was uns auf jeden Fall umtreiben wird, ist die Digitalisierung. Wir als Caritas Remscheid möchten verstärkt Online-Beratungen anbieten. Über eine Plattform können sich Menschen in Not mit persönlichen Problemen anonym und sicher beraten lassen. Zu jedem Thema, das belastet, dürfen hier Fragen gestellt werden. Dazu braucht der Hilfesuchende auch keine E-Mail-Adresse – die Caritas hat hierfür einen gesicherten Beratungsbereich entwickelt. In dem Zusammenhang setzen wir zudem gerade das Projekt „Zugänge erhalten/Digitalisierung stärken“, ein Projekt der Stiftung Wohlfahrtspflege, um.

„Jeder, der unsere Hilfe braucht, erhält sie auch.“

Markus Hoymann
Wie sieht das genau aus?
Hoymann: Es bezieht sich zum einen auf Arbeitsabläufe innerhalb der Caritas, aber auch auf die Arbeit mit den Zielgruppen. Hierbei wird die digitale Medienkompetenz gestärkt. Mit anderen Wohlfahrtsverbänden Remscheids – das DRK und der Paritätische machen mit – wollen wir digitale Lernorte einrichten. Für die Caritas wird dies in Lennep beim Lotsenpunkt sein, in der Innenstadt im alten IKK-Gebäude an der Papenberger Straße. Dort können die Klientinnen und Klienten den digitalen Umgang trainieren. Vor allem auch Senioren werden hier bei den Schritten in die digitale Welt geschult. So erlernen sie zudem gleich die Grundlagen für eine Online-Beratung.
Läuft das Modellprojekt „Kultursensible Altenhilfe und Altenpflege für Seniorinnen und Senioren mit Einwanderungsgeschichte“ in Kooperation mit der Stadt Remscheid noch?
Hoymann: Ja. Das Projekt nennt sich ,Guter Lebensabend NRW‘. Die Stadt Remscheid und eine Mitarbeiterin kümmern sich dabei um den nicht-christlichen Teil, den anderen übernehmen wir. Ziel ist, den Zugang zu den Regelangeboten in der Altenhilfe und -pflege aufzuzeigen und zu erleichtern. Und einen langen, selbstbestimmten Lebensabend zu ermöglichen. Wir haben nun erste Veranstaltungen mit Migrantenselbstorganisationen. Wir suchen also den Kontakt zu den Communitys, um ihnen die Angebote der Altenpflege oder -hilfe näherzubringen. Denn diese werden so gut wie gar nicht wahrgenommen. Aufgrund von sprachlichen Barrieren, oft aber auch, weil man einfach nicht weiß, welche Angebote es in Remscheid gibt. Hier nehmen wir auch die pflegenden Angehörigen in den Blick. Wir haben hier einen hohen Anteil unterschiedlicher Nationen – ein Grund, warum Remscheid wohl als Modellkommune ausgewählt wurde.
Was bietet die Caritas den Remscheidern?
Hoymann: Vom Babyladen, der Schwangerschaftsberatung und den Erzieherischen Hilfen über eine Formularhilfe und Beratungen für Menschen mit Migrationshintergrund, die sehr gut angenommen werden. Diese haben wir auch während Corona stets aufrechterhalten. Im Übrigen haben wir auch in der Zeit die Tagespflege sowie die Wohnungsnotfallhilfe oder die Erzieherischen Hilfen weiterführen können. Das ist dem großen Einsatz der Mitarbeiter zu verdanken. Hier gibt es oft Problemlagen, bei denen es einfach keine Pause geben darf. Zudem ist uns die Vernetzung mit anderen Akteuren in der Stadt wichtig, zum Beispiel mit dem Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall oder dem Stadtteil e.V.. Zudem eigene Veranstaltungen. Toleranz zu üben ist uns wichtig.
Welche Rolle spielt der christliche Glaube in Ihrer täglichen Arbeit?
Hoymann: Die Arbeit der Caritas gründet sich in der christlichen Nächstenliebe: Wer etwas gibt, bekommt auch etwas zurück. Diese Werteorientierung spielt nach wie vor eine sehr große Rolle in unserer täglichen Arbeit. Mir ist wichtig, dass der Caritasverband Remscheid auch weiterhin vor Ort das Gesicht von Kirche zeigt und Nächstenliebe praktiziert.
Wer ist Ihre Klientel?
Hoymann: Quer durch die Bevölkerung. Besonders am Herzen liegen uns dabei die Menschen, die Hilfe in schwierigen Lebenslagen benötigen, so auch ALG-II-Empfänger oder Alleinerziehende. Jeder, der unsere Hilfe braucht, erhält sie auch.
Sind die Beratungszahlen gestiegen?
Hoymann: Im Bereich der Migrationsberatung sind die Beratungszahlen leicht gestiegen. Wir hatten zudem einen erhöhten Bedarf bei den erzieherischen Hilfen und der ,Notbremse‘. Das ist eine Möglichkeit, direkte finanzielle Unterstützung in der Not bei uns zu erhalten. Zum Beispiel, wenn eine alleinerziehende Mutter keine Zahlung für Leistungen erhalten hat und nun vor dem Wochenende steht, kann sie bei uns nach einem Beratungsgespräch einen Einkaufsgutschein für den Supermarkt erhalten. Einen Nachholeffekt merken wir im Bereich der Mittelbeantragung, weil hier die Zugänge zu den Behörden seit Corona erschwert sind.
Was muss im Bereich der Wohlfahrtspflege noch getan werden, um die Menschen in Remscheid bestmöglich versorgen zu können?
Hoymann: Die Erreichbarkeit der Behörden. An dem Thema sind wir bereits dran. Ansonsten haben wir den Wunsch, dass der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz vor Ort auch umgesetzt werden kann.

Zur Person

Der gebürtige Düsseldorfer Markus Hoymann (54) ist Volljurist und hat zuletzt beim Franziskanerorden als Geschäftsführer gearbeitet. Kirchlich engagiert hat er sich schon immer, sagt er. Seit Ende 2019 ist er bei der Caritas Remscheid. Zunächst war er zweiter Vorstand hinter Sandra Engelberg, nun ist er erster Vorstand. Der zweite Vorstand ist bereits gefunden, der Name wird aber noch bekanntgegeben. Hoymann ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt mit seiner Familie und seinem Hund im Rhein-Sieg-Kreis. Die Caritas hat 105 Mitarbeiter plus 100 Ehrenamtler.

Kontakt: Caritas, Blumenstraße 9, Tel. 4 91 10,

caritas-remscheid.de

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