Remscheider Wochenmarkt

Marktbeschicker sollen spontan ausweichen

Viel los am Markt auf der Alleestraße. Sie soll bei einem Wintereinbruch spontan zur Handelsfläche werden.
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Viel los am Markt auf der Alleestraße. Sie soll bei einem Wintereinbruch spontan zur Handelsfläche werden.
  • Frank Michalczak
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Ein Brief der Stadtverwaltung sorgt für Irritationen bei den Beschickern des Remscheider Wochenmarkts.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Sie sollen bis Ende März je nach Wetterlage auf die Alleestraße ausweichen – und davon am Vorabend des Markttags erfahren. Der Grund: Auf dem Theodor-Heuss-Platz am Rathaus könne der Winterdienst nicht gewährleistet werden. Nachdem Risse in der darunter liegenden Tiefgarage aufgetreten sind, dürfen die schweren Fahrzeuge der Technischen Betriebe Remscheid nicht über das Areal fahren, um dort Schnee zu schieben. Das Risiko sei zu groß.

Händler Hermann Kempe, der seit fünf Jahrzehnten Geflügel und Wildspezialitäten anbietet, zeigt sich im RGA-Gespräch verärgert, dass im Vorfeld des Briefes kein Vertreter der Stadtverwaltung das Gespräch mit den Beschickern gesucht habe. „Vor allem muss doch den Kunden klar sein, wo sie uns finden.“ Seine Befürchtung: Ein verwaister Platz am Rathaus führe mittwochs und samstags zu dem Irrtum, dass der Markt ausgefallen sei – und nicht um die Ecke auf der Alleestraße stattfindet. Hier haben die Händler seit einigen Wochen ihr Ersatzdomizil gefunden. Im Zuge des Weihnachtstreffs steht ihnen ihr Stammplatz am Rathaus nicht zur Verfügung. Laut Plan sollen sie am 4. Januar wieder zum Rathaus zurückkehren – und dort auch bleiben, sollte kein Schnee fallen.

Kempe geht es dabei um Verlässlichkeit. „Wenn schon kein Winterdienst auf dem Theodor-Heuss-Platz möglich ist, dann wäre es doch eine Überlegung wert, den Markt bis Ende März ständig auf die Alleestraße zu verlegen.“ In diesem Fall gäbe es Planungssicherheit – für die Händler und ihre Kundschaft. Sein Eindruck: „Die Stadt lässt nichts aus, um den Markt kaputtzumachen.“ Beschicker fühlten sich nicht nur in dieser Angelegenheit im Stich gelassen.

Kritik hagelt es auch von der CDU. Fraktionschef Markus Kötter erinnert daran, dass die Händler ohnehin durch Krise und Inflation zu leiden hätten. Nun werde ihnen das Leben noch schwerer gemacht, was nicht im Interesse der Stadt Remscheid sei.

Das Ganze wird zumThema im Stadtrat

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) will im Stadtrat am kommenden Donnerstag zum Thema Stellung nehmen. Dabei räumt er aber bereits vorher mit einem Missverständnis auf: „Wenn der Markt kurzfristig verlegt werden muss, dann haben wir es mit Schneemengen zu tun, die alle paar Jahre auftreten.“ Es sei dem Stadtmarketing als zuständige Abteilung lediglich um eine Lösung für ein Wetterereignis gegangen, das zwar unwahrscheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen ist. „Von daher geht es auch uns um Verlässlichkeit, dass der Wochenmarkt stattfinden kann, selbst wenn der Theodor-Heuss-Platz nicht zur Verfügung steht“, hebt der OB hervor, der prüfen lassen will, ob nicht auch kleineres Räumgerät auf dem Areal zum Einsatz kommen kann.

Standpunkt von Frank Michalczak: Allee als Dauerlösung

frank.michalczak@rga.de

Die etwas älteren Remscheiderinnen und Remscheider werden sich noch gut an die Tage erinnern, als auf den Wochenmärkten dichtes Gedränge herrschte. Man traf sich bei frischem Obst und Gemüse, plauderte über Ereignisse in Remscheid oder der großen, weiten Welt. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben: Es gibt immer weniger Händler, die bereit sind, ihren Stand aufzubauen. Es mangelt an Nachfrage und zuweilen auch an Nachfolgern, die das Geschäft übernehmen wollen.

Von daher muss jeder Beschicker, der noch da ist, gehegt und gepflegt werden, um einen weiteren Aderlass zu verhindern. Dazu aber sind Kommunikation und gezielte Ansprache nötig. Der Brief, den die Händler nun erhielten, ist ein Beispiel dafür, wie es nicht geht. Außerdem ist längst eine Entscheidung fällig, ob nämlich der Markt dauerhaft, zumindest aber im Winter, seinen Platz auf der Alleestraße finden sollte. Was spricht eigentlich dagegen?

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