Einsammeln und in den Garten bringen

Marienkäfer suchen einen Unterschlupf für den Winter

Marienkäfer lassen sich Blattläuse schmecken. Zum Überwintern sind sie in Holzstapeln, Reisig- oder Laubhaufen besser als in der Wohnung aufgehoben. Archivfoto: Kerstin Neuser
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Marienkäfer lassen sich Blattläuse schmecken. Zum Überwintern sind sie in Holzstapeln, Reisig- oder Laubhaufen besser als in der Wohnung aufgehoben.

Die Wohnung ist für die Insekten nicht ideal.

Von Jennifer Preuß

Remscheid. Sie sitzen auf den Fensterscheiben. Wenn die Sonne auf die Fassade strahlt, krabbeln sie über die Mauer. Öffnen sich Türen und Fenster auch nur einen kleinen Spalt, sind sie drin: Marienkäfer. Vielerorts waren sie in den vergangenen Tagen anzutreffen. Die kleinen Krabbler brauchen jetzt einen Winterunterschlupf.

„Die Marienkäfer suchen einen Platz zu überwintern, ohne zu sehr vom Frost getroffen zu werden“, erklärt Jörg Liesendahl, Biologe und pädagogischer Leiter der Natur-Schule Grund. Gerade asiatische Arten des Marienkäfers, die sehr konkurrenzstark sind, versuchen, in Wohnungen und Häuser einzudringen.

Was die Insekten nicht ahnen, ist, dass eine Wohnung kein guter Ort ist, um über den Winter zu kommen. Viele verenden dabei. „Die Wohnungen sind einfach zu warm. Die Käfer können nicht in die sanfte Winterstarre verfallen“, sagt Jörg Liesendahl. Normalerweise würden Marienkäfer in einem geeigneten Winterquartier in eine Art Winterschlaf fallen. Für den Laien sehen die Insekten in diesem Stadium leblos aus. So verharren sie bis zum Frühling.

Da Wohnungen stets angenehm temperiert sind, schaffen die Insekten es nicht in dieses Ruhestadium. Sie bleiben wach und gehen auf die Suche nach Blattläusen, der Leibspeise eines Marienkäfers. Kurzum: Marienkäfer verhungern im menschlichen Wohnraum. In modernisierten und wärmegedämmten Wohnungen haben die Käfer keine Chance. In Altbauten wiederum könnten die Marienkäfer sich in Fensterspalten oder Ritzen im Mauerwerk verstecken. Im Frühjahr verschwinden die Tiere wieder von ganz allein.

Die asiatischen Arten verdrängen die heimischen Marienkäfer

Generell gibt es drei verschiedene Optionen für Insekten, auf den Kälteeinbruch zu reagieren. Einige Arten legen Eier dort ab, wo im Frühjahr Futter zu erwarten ist. Die Insekten überstehen als Eier die Kälte und schlüpfen dann, wenn die Temperaturen wieder steigen. „Eine aus meiner Sicht schlechte Variante ist es, als Larve zu überwintern. Man denke an Schmetterlingsraupen, die die ganze Zeit fressen müssen. Das ist im Winter schwierig“, erläutert Jörg Liesendahl die zweite Variante. Die dritte ist die, die der Marienkäfer und auch viele Wanzen wählen: als erwachsenes Insekt in einem Ruhestadium zu gehen.

In manchen Jahren sind die Marienkäfer in Schwärmen unterwegs auf der Suche nach einem Unterschlupf. „In einem Jahr hatten wir Hunderte von denen an der Natur-Schule“, erzählt der Biologe. Gerade die asiatischen Arten des Marienkäfers, die zwei bis 20 Punkte haben können, vermehren sich sehr stark. Sie verdrängen den heimischen Siebenpunkt-Käfer, dessen Larven sie fressen. Ohnehin sind sie sehr gefräßig. Sie vertilgen mehr Blattläuse als ihre Artgenossen und sind daher auch wiederum als nützlich anzusehen, so Liesendahl.

Aus der Sicht des Biologen ist es gut für die Natur, wenn nicht alle Käfer den Winter überstehen. Die Population würde zu groß werden.

Wer vermeiden möchte, dass die eigene Wohnung zum Winterquartier von Insekten wird, sollte im Garten Alternativen anbieten. Das könnte zum Beispiel ein Brennholzstapel sein, in dessen Hohlräume sich kleinste Lebewesen verkriechen können. Jörg Liesendahl spricht sich schon seit Jahren dafür aus, dass Gartenbesitzer Reisig- oder Laubhaufen liegenlassen sollten. In diesen auf dem ersten Blick unordentlichen Ecken des Gartens steckt viel Leben. Nicht nur Insekten überwintern unter Blättern und Ästen, sondern beispielsweise auch Igel.

Wer Käfer jedweder Art zuhause findet, sollte sie mit einem Glas einsammeln, rät Jörg Liesendahl. „Wenn nicht gerade Frost ist, wirft man sie wieder raus.“ So hätten die Tiere noch eine Chance, draußen einen besseren Unterschlupf zu finden.

Natur-Schule Grund

Die Natur-Schule Grund befindet sich derzeit selbst in eine Art Ruhestadium. Alle geplanten Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Jörg Liesendahl würde gerne Kurse und Wanderungen draußen anbieten, sieht sich im Moment aber nur mit Absagen konfrontiert. Remscheider Schulen seien sehr vorsichtig geworden und nehmen die Angebote der Natur-Schule derzeit nicht wahr. „Das ist ein großer Verlust unserer Inhalte“, so Liesendahl. „Gerade der November hat in Sachen Natur viel Potenzial.“

Die Natur-Schule bietet Freiwilliges Ökologisches Jahr. Interesse für Natur und Umwelt sind die Grundvoraussetzungen für Jugendliche, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) in der Natur-Schule Grund absolvieren möchten.

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