Abriss

Mannesmann-Villa weicht Kita-Neubau

Der Bagger nagt aktuell an der Mannesmann-Villa an der Burger Straße. Erbaut wurde sie zwischen 1907 und 1910. Foto: Roland Keusch
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Der Bagger nagt aktuell an der Mannesmann-Villa an der Burger Straße. Erbaut wurde sie zwischen 1907 und 1910.

Neuer Investor aus Süddeutschland lässt das Gebäude abreißen. Geplant sind zwei Neubauten auf dem Areal.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Während das Mannesmann-Denkmal, der „Blaue Mond“, seiner Wiederaufrichtung entgegenblickt, hat ein anderes Mannesmann-Andenken direkt gegenüber keine Zukunft mehr: Die Mannesmann-Villa an der Burger Straße wird abgerissen. Der Bagger nagt derzeit an dem Gebäude, das zwischen 1907 und 1910 von einem Düsseldorfer Architekten für die Familie Carl Mannesmann erbaut wurde. „Die Villa war immer in Familienbesitz“, erzählt Freifrau Antje von Wangenheim, Enkelin von Carl Mannesmann. Er unterstützte seine Brüder Max und Reinhard bei der Entwicklung der Herstellung nahtloser Röhren – dafür erlangten sie Weltruhm.

Antje von Wangenheim ist in dem Haus aufgewachsen, mit dem sie viele Erinnerungen verbindet. „Allein der Garten umfasste 20 Morgan, so wurde damals noch gemessen.“ Auf 300 Quadratmeter schätzt sie die Innenräume. Für sie ist das Haus ein architektonisches Meisterwerk. „Carl ließ damals schon eine zentrale Heizungsanlage einbauen, das war sehr innovativ für diese Zeit. Und Einbauschränke.“

Im Zweiten Weltkrieg wurden Dach und Dachgeschoss zerstört, weswegen ein Notdach aufgesetzt werden musste – dies verhinderte, dass die Villa Denkmalschutz erlangte. Wie auch im Übrigen der Torbogen an der Einfahrt Burger Straße. Laut Andrea Ley von der Abteilung Bauen, Vermessung und Kataster der Stadt ist der Torbogen zur Villa nicht denkmalgeschützt. Das Gerücht hält sich offenbar hartnäckig im Süden. Der Bogen ist baufällig und wird abgerissen.

Vier Jahre lang stand die Villa in Bliedinghausen leer – und zog auch ungebetene Gäste an. Ein 54-Jähriger lockte im Sommer 2020 eine Prostituierte in die Villa – um sie tätlich anzugreifen. Für den sexuellen Übergriff erhielt der einschlägig vorbestrafte Mann neun Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung. „Zudem sollen sich Menschen dort regelrecht eingenistet haben. Es soll auch Coronapartys gegeben haben. Daher wurde der Abriss nötig“, erklärt Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD), der erst vom RGA auf die Niederlegung der Villa aufmerksam gemacht wurde. „Ich hätte das gerne vorher von der Stadtverwaltung erfahren.“

Vier Gruppen soll die neue Kita umfassen

Dennoch freut er sich, dass es nun vorangeht. Denn die Villa weicht einem Kita-Neubau. „Jede Kita ist eine Bereicherung für den Südbezirk.“

Vor zwei Jahren hatte der Investor Kidinvest seine Pläne für das Gelände in der Bezirksvertretung Süd vorgestellt. Doch daraus wurde nichts. Kidinvest veräußerte das 5800-Quadratmeter-Areal samt Villa an einen Investor aus Süddeutschland. „Es läuft nun das Baugenehmigungsverfahren“, erklärt Peter Nowack von der Stadt.

Der Plan: Der Investor plant zwei Gebäude: Eines vorne zur Burger Straße hin und eines weiter hinten – hier soll die Kita einziehen. „Das war uns Bezirksvertretern wichtig. Das würde bedeuten, dass die Kinder auch auf dem Grundstück aus dem Auto rausgelassen werden und nicht an der vielbefahrenen Burger Straße“, sagt Stefan Grote. Gebaut werden soll in Modulbauweise. Die Stadt plane laut Grote, den Betrieb der viergruppigen Einrichtung mit der Elterninitiative der Awo zu beauftragen.

Förderverein

Das Mannesmann-Haus ist der Ort, an dem Reinhard und Max in der Nacht zum 22. August 1886 das erste nahtlose Stahlrohr der Welt gewalzt haben. Ein Förderverein hält das Andenken wach: foerderverein-mannesmannhaus.jimdofree.com

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