Geplanter Durchstich

Streitfall „Intzeforst“: Naturschützer laden Bezirksbürgermeister ein

An der Stelle, an der Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) steht, soll der Durchstich von Intzestraße zu Lenneper Straße erfolgen. Dafür muss das Haus im Hintergrund weichen – und Bäume.
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An der Stelle, an der Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) steht, soll der Durchstich von Intzestraße zu Lenneper Straße erfolgen. Dafür muss das Haus im Hintergrund weichen – und Bäume.

Nachdem sich Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) irritiert über den Protest der Naturschützer am „Intzeforst“ gezeigt hat, meldet sich erneut Hubert Benzheim (Nabu) zu Wort.

Remscheid. Er habe stets das Gefühl gehabt, das Thema Umweltschutz sei unwichtig. Auf Nachfrage des RGA, doch einmal zusammen zu sprechen, lädt Hubert Benzheim Stefan Grote zur nächsten Mahnwache ein: Dienstag, 22. Dezember, 15.30 Uhr, neben der Intzebrücke. Man will eine Menschenkette bilden.

Bezirksbürgermeister Stefan Grote wäre gern gekommen, wie er auf RGA-Nachfrage bestätigt, habe aber einen wichtigen Termin. Grundsätzlich sei er aber jederzeit gesprächsbereit. Er wundere sich, warum das Angebot erst jetzt komme. Auch Brigitte Neff-Wetzel (Linke), die am Dienstag ebenfalls zu dem Treffen an der Intzebrücke gekommen war, ist eines wichtig zu betonen: „Ich habe mich in der Bezirksvertretung Süd bereits gegen die Flächenversiegelung ausgesprochen. Das kann man auch im Protokoll nachlesen.“ Neff-Wetzel sitzt als Ratsfrau in dem Stadtteilparlament, hat allerdings nur beratende Funktion. Man habe noch einmal den Vorgang der letzten drei Jahre recherchiert: „In der letzten Legislaturperiode haben wir nie mitgestimmt. In der aktuellen haben wir kein Stimmrecht.“ -mw-

Artikel vom 15.12.2021

Mahnwache von Naturschützern - Stefan Grote (SPD) ist irritiert

Der Bezirksbürgermeister des Südbezirks, Stefan Grote (SPD), ist irritiert über den Protest der Naturschützer am „Intzeforst“.

Remscheid. Am Dienstag hatten sie sich dort getroffen, um sich erneut gegen den geplanten Durchstich auszusprechen. Die Mahnwache wurde von den Behörden aufgelöst. „Ich finde es grundsätzlich richtig, dass jemand auf Probleme hinweist, aber warum hat sich nie einer von den Naturschützern an mich gewandt oder seine Bedenken einmal in der Bezirksvertretung vorgetragen?“, fragt er.

Hätte sich ein Gespräch gewünscht: Stefan Grote.

Dass sich die Linke an dem Treffen beteiligt hat, findet er seltsam. „Die Linke hat alle Entscheidungen in den Sitzungen der BV zum Durchstich mit abgesegnet. Warum hat dort nie jemand mal seine Bedenken geäußert?“ Seit drei Jahren plane man schon das Großprojekt im Süden, um die marode Brücke zu entlasten und die Emissionen am Knotenpunkt zu senken. Denn das schlage vor allem den Anwohnern von Intzestraße und Strucker Straße auf die Gesundheit. -mw-

Unser Artikel vom 14.12.2021

Behörden lösen Mahnwache von Naturschützern auf

Naturschützer protestieren gegen Durchstich an der Intzestraße. Nächste Woche gibt es einen neuen Anlauf.

Von Melissa Wienzek

Hubert Benzheim (M.) hatte zur Mahnwache zur Rettung des „Intzeforstes“ aufgerufen. Rund 20 Leute kamen. Dies hätte aber angemeldet werden müssen, hielten Ordnungsamt und Polizei dagegen.

Remscheid. Mit einer Menschenkette um den „Intzeforst“ wollten Hubert Benzheim vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Remscheid und weitere Naturschützer am Dienstagnachmittag ein mahnendes Zeichen im Südbezirk setzen. Auch wenn ihre Mahnwache kurzerhand von Polizei und Ordnungsamt aufgelöst wurde mit der Begründung, die Versammlung hätte angemeldet werden müssen, bleibt die Forderung der Naturschützer bestehen: Sie wollen keinen Durchstich. Und schon gar nicht wollen sie, dass für das Bauprojekt im Süden Bäume fallen sowie Flächen versiegelt werden. Kommende Woche Dienstag wollen sie zur selben Zeit einen neuen Anlauf nehmen. Dieses Mal will Hubert Benzheim, der es nicht besser wusste, die Mahnwache vorher schriftlich anmelden.

Denn seine Aktion fand auf jeden Fall ein Echo. Rund 20 Leute waren zur Intzebrücke gekommen, um sich gegen das geplante Bauprojekt auszusprechen: Neben BUND, RBN und Greenpeace auch sieben Vertreter der Linken. Wir geben einen Überblick.

Der Plan: Parallel zu den Bahngleisen soll eine Verlängerung der Intzestraße erfolgen – damit die marode Brücke und die verzwickte Verkehrssituation in dem Bereich entlastet werden. Laut dem Plan der Stadtverwaltung würde der Durchstich von der Baisieper zur Lenneper Straße erfolgen, wo ein Kreisverkehr gebaut werden soll. Dafür müssen zwei Immobilien abgerissen werden – die Grundstücke hat die Stadt bereits gekauft –, und auch Bäume.

Wir haben an dieser Stelle den ältesten Baumbestand im Südbezirk.

Hubert Benzheim

Die Kosten: Die Baukosten für den Durchstich beziffert die Stadt auf 3,7 Millionen Euro, wobei die Stadt auf Fördermittel von 65 Prozent der Summe hoffen kann. Dann wären noch 1,3 Millionen Euro selbst zu finanzieren.

Das sagen die Naturschützer: „Wir haben an dieser Stelle den ältesten Baumbestand im Südbezirk, alle sind um die 100 Jahre alt. Vor allem der Bergahorn ist der Knaller“, sagt Hubert Benzheim. Stephan Jasper (RBN) ergänzt: „Von den 77 Bäumen sind 38 von der Baumschutzsatzung erfasst. 2006 hieß es bereits im stadtökologischen Fachbeitrag, dass diese Fläche zu erhalten oder zu entwickeln sei. Der Durchstich ist weder ein Erhalt noch eine Entwicklung.“

Sabine Vogel vom BUND in Solingen erklärt noch ein weiteres Problem: „Durchwurzelung hält das Wasser. Wird eine Fläche nun versiegelt, kann zum einen kein Wasser mehr versickern und zum anderen heizt sich das Klima in den Städten auf. Das weiß man schon seit Jahren, trotzdem handelt man gegenläufig.“ Brigitte Neff-Wetzel (Linke) fürchtet, bei Starkregen fließe das Wasser von der versiegelten Durchstich-Fläche in den Eschbach. „Wie das ausgeht, haben wir ja im Juli gesehen.“

Der Vorschlag: Hubert Benzheim und Stephan Jasper hatten bereits im Naturschutzbeirat statt des Durchstichs einen Brückenneubau an gleicher Stelle gefordert, eine Architektin habe einen Plan B mit einer rechtwinkligen Brücke für 4,5 Millionen Euro entwickelt. „Die Stadtplanerin Frau Kutschaty hat uns damals gesagt, das sei zu den gleichen Kosten des Durchstichs möglich. Aber man will unbedingt eine schräge Brücke, damit Busse passieren können. Doch diese kommen doch sogar heute schon durch.“ Für ihren Alternativvorschlag kassierten die Umweltschützer bislang Absagen.

Das sagt die Stadt: Eine neue Brücke würde nach Berechnungen der Technischen Betriebe Remscheid 9,8 Millionen Euro kosten – dies sei nicht machbar. „Das würde uns um Jahre in der Planung zurückwerfen“, hatte Stadtplaner Burkhard Fey in den Sitzungen der Bezirksvertretung Süd zuletzt wiederholt.

Das sagt die BV: Daher spricht sich auch Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) weiter für den Durchstich aus. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann die alte Intzebrücke schlappmache. Die Bezirksvertreter hatten sich zuletzt dafür starkgemacht, dass das Verfahren beschleunigt wird. Denn die Intzestraße sei ein wichtiger Verkehrsweg von und nach Wermelskirchen.

Treffen

Kommende Woche Dienstag, 21. Dezember, wollen die Naturschützer und weitere Unterstützer um 15.30 Uhr einen neuen Anlauf für eine Mahnwache samt Menschenkette mit Plakaten nehmen. Man trifft sich im Bereich Intzebrücke/Wasserturm.

Südbezirk: Startschuss für Aufwertung fällt.

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