2021 könnte es eng werden

Lüttringhauser Volksbühne blickt in ungewisse Zukunft

Die „Bergischen Heimatspiele“ sind die Haupteinnahmequelle für den Verein. Archivfoto: Doro Siewert
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Die „Bergischen Heimatspiele“ sind die Haupteinnahmequelle für den Verein.

Dieses Jahr kommt der Verein noch über die Runden. Gibt es 2021 auch keine Heimatspiele, wird es eng.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Nachdem bereits die traditionellen „Bergischen Heimatspiele“ der Lüttringhauser Volksbühne im Sommer der Pandemie zum Opfer fielen, fällt nun auch das Gastspiel am 8. November im Teo Otto Theater aus. „Wir können ja gar nicht proben. Und auch keine Abstände auf der Bühne einhalten“, sagt der Vereinsvorsitzende Christian Wüster, der auch Kinder- und Jugendwart ist. Für den 1954 gegründeten Theater- und Mundartverein ein herber Schlag. „Das ist bitter. Aber Sicherheit geht vor.“

Dabei stand bereits alles für „Um Hof und Scholle“, das neue Stück aus der Feder von Geschäftsführer Udo Leonhardt nach Motiven von Werner Schwandt und mit Kinderszenen, die Christian Wüster bereits monatelang mit einem jungen Ensemble eingeübt hatte. Auch die Lüttringhauser Blechbläser und der Posaunenchor wären ursprünglich an den sieben Auftrittsterminen in Lüttringhausen dabei gewesen. Plus dem im Teo Otto Theater. Daraus wird nun nichts. Die Laiendarsteller sind traurig – sie konnten ihr neues Mundartstück 2020 überhaupt nicht auf die Bühne bringen. Und schauen nun in eine ungewisse Zukunft.

„Gottlob haben wir in der Vergangenheit gut gewirtschaftet.“

Christian Wüster

„Diese Saison werden wir noch über die Runden kommen. Sollte es 2021 wegen Corona noch so weitergehen, werden wir aber ein Problem bekommen“, sagt Christian Wüster. Denn Geld verdient der Verein nur im Sommer mit seinen Auftritten auf der Freilichtbühne im Lüttringhauser Ortskern und mit dem Imbissverkauf. Sie sind die Haupteinnahmequellen für den Verein.

Das brach alles weg. Deshalb hatte sich Wüster um Geld beim Land beworben. „Ich war der Erste, der an jenem Morgen am Computer saß.“ Doch statt finanzieller Unterstützung aus dem Kulturstärkungsfonds des Landes Nordrhein-Westfalen gab es nur eine Absage.

Nun hofft Wüster auf die Stadt Remscheid und den Kulturausschuss: Der Vereinsvorsitzende hat beim Remscheider Notfallfonds Kultur eine Bewerbung eingereicht. In der nächsten Sitzung des Gremiums am 26. Oktober entscheidet sich, ob die Volksbühne bedacht wird. Sie ist wegen der „Förderung von Kunst und Kultur“ beim Finanzamt als gemeinnützig anerkannt.

Über seine Internetseite hat der Verein zudem einen Hilfsaufruf gestartet: „Sponsoren gesucht“ heißt es da. „Wir bauen auf Ihre Solidarität und Unterstützung“, schreibt der Verein, der ein Spendenkonto eingerichtet hat. „Ich habe auch viel über die sozialen Medien gemacht, und über Mundpropaganda“, sagt Wüster, der selbst in einem Haushalt aufwuchs, in dem Platt gesprochen wurde. Er freut sich: „Viele haben gespendet. Es ist schon einiges zusammengekommen.“ Auch wenn dies natürlich nicht an den Erlös eines Karten- und Getränkeverkaufs rankomme. „Aber gottlob haben wir in der Vergangenheit gut gewirtschaftet.“

Nun wollen die Mundartfreunde erst mal „die Füße stillhalten“. Bedeutet: keine weiteren Ausgaben, keine neuen Kostüme anschaffen, keine Spezialeffekte einbauen, keine Renovierung von Kulissen. Und die hätten es eigentlich nötig. Das Problem sind die laufenden Kosten. Die Miete für das Probenlokal, in dem auch die Kostüme lagern, muss bezahlt werden. Ebenso die Miete für die Scheune, in denen das Herzstück des Vereins untergebracht ist: die typisch-bergischen Kulissen.

Eigentlich würden die Lüttringhauser im Dezember mit den Proben für 2021 beginnen. Um die 60 Darsteller zählt das Laientheater, 40 spielen aktiv mit – vom Vierjährigen bis zum 80-Jährigen. Dahinter steht aber aktuell ebenfalls ein großes Fragezeichen. Dennoch halten die Mitglieder Kontakt, wenn auch nur digital. Denn im Dorp hält man zusammen.

luettringhauser-volksbuehne.de

Remscheider Notfallfonds Kultur

Weil im Teo Otto Theater aufgrund der Pandemie Veranstaltungen ausfielen und die Stadt weniger an die Bergische Symphoniker GmbH abführen musste, weil die Musiker in Kurzarbeit sind, wurden rund 200 000 Euro eingespart. Dieses Geld wird nun für andere Kulturschaffende in Remscheid eingesetzt. Danach konnten Remscheider Künstler, die bei der Künstlersozialkasse geführt werden, aber auch Institutionen bis 30. September einen Antrag bei der Kulturförderung stellen. Der Kulturausschuss entscheidet nun über die Anträge.

Das Coronavirus machte auch der Lüttringhauser Volksbühne einen dicken Strich durch die Rechnung. Die alljährlichen Heimatspiele auf der traditionsreichen Freilichtbühne fallen aus, der für November geplante Auftritt im Teo Otto Theater ist zumindest fraglich.

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