Hilfe nach dem Hochwasser

Lüttringhauser bringt Räder ins Flutgebiet

Thorsten Voigthaus (Foto) hat mit seinem Freund Maik Kaufmann die Hilfsaktion ins Leben gerufen. Mit Erfolg, wie das Foto vom Vorplatz von Kaufmanns Haus in Ronsdorf zeigt. Fotos: Michael Schütz/Voigthaus
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Thorsten Voigthaus hat mit seinem Freund Maik Kaufmann die Hilfsaktion ins Leben gerufen. Mit Erfolg, wie das Foto vom Vorplatz von Kaufmanns Haus in Ronsdorf zeigt.

Feuerwehrmann initiiert Hilfsaktion der Gemeinschaft „Sportler helfen“

Von Peter Klohs

Remscheid. Mit sintflutartigen Regenfällen wütete das Tief Bernd am 14. Juli und rief in Teilen von Nordrhein-Westfalen katastrophale Zustände hervor. Im bergischen Städtedreieck war außer dem Morsbachtal der Solinger Stadtteil Unterburg am deutlichsten betroffen. Ein dort eingesetzter Helfer war Thorsten Voigthaus, Angestellter in Rettungsdienst der Stadt Haan, der in Lüttringhausen lebt und auch Einsätze für die Feuerwehr im Remscheider Stadtteil übernimmt. Er mag zu den Zuständen in Teilen der Klingenstadt nicht allzu viel sagen und beschränkt sich auf ein „Das war schon hart.“

Voigthaus betreibt Mountainbiking, durchaus auf gehobenem Niveau, und war früher bei den Adlern Lüttringhausen aktiv. Gemeinsam mit Kumpel Maik Kaufmann ist er in der Gemeinschaft „Sportler helfen“, die durch vielfältigen karikativen Einsatz schon so manche Not lindern konnte. „Kein eingetragener Verein“, stellt der 37-jährige Voigthaus klar, „wir sind nur eine Gemeinschaft.“

Durch seinen Einsatz in Unterburg hatte der gebürtige Remscheider gesehen, dass durch die Fluten auch zahlreiche Fahrzeuge stark beschädigt oder völlig zerstört worden waren und so manche Familien ihrer Mobilität beraubt wurden.

Fahrräder sorgen für Bewegung

Durch Bilder von den Zerstörungen im Ahrtal erschüttert, dachte Voigthaus über eine Hilfsaktion nach. Er kontaktierte Maik Kaufmann. „Sieh mal“, sagte er dem Kumpel, „die Menschen dort brauchen etwas, mit dem sie sich bewegen können. Kinder müssen sich treffen können. Gerade für diese ist gemeinsames Spiel doch essenziell.“ Also wurde beschlossen, Fahrräder für das Ahrtal zu sammeln – und diese dorthin zu bringen.

Die Sammelaktion lief ausschließlich über Facebook und Whatsapp. „Und die Hilfsbereitschaft der Menschen im Bergischen war enorm, das kann man nicht anders sagen“, ist Voigthaus noch immer beeindruckt. Nach einigen Tagen hatte „Sportler helfen“ 106 Fahrräder gesammelt, dazu 30 City-Roller und diverse Bobby Cars, viel mehr als erwartet worden war.

„Die Hilfsbereitschaft der Menschen im Bergischen war enorm.“

Thorsten Voigthau

Maik Kaufmann kontaktierte die Ronsdorfer Spedition Bergmann, ob sie für den Transport in das Ahrtal einen Lkw ausleihen würde. Die Spedition lieh der Hilfsgemeinschaft einen Siebeneinhalbtonner aus. Am 6. August fuhr Thorsten Voigthaus mit einigen Gleichgesinnten nach Bad Neuenahr. „Wir hatten eine offizielle Einfahrtgenehmigung der Stadt vorliegen und mussten trotzdem mehr als 200 Kilometer Umweg fahren, weil einfach zu viele Straßen unpassierbar oder verschwunden waren.“

Noch sichtlich überwältigt zeigt er ein Foto, auf dem ein 60 Tonnen schwerer Brückenpfeiler durch die Kraft des ins Tal schießenden Wassers weggeknickt ist wie ein Streichholz in einem Tropensturm. „Die Zerstörung dort kann man sich nicht vorstellen, wenn man nicht da war. Unterburg war schon hart, aber Bad Neuenahr ist etwas völlig anderes.“

Thorsten Voigthaus.

Die Menschen im Ahrtal seien gut vernetzt, berichtet er weiter. So erfuhren viele recht zügig von der Hilfsaktion der Sportler. „Die Menschen, die wir dort getroffen haben, waren extrem dankbar. Alleine deswegen, dass wir überhaupt den Weg zu ihnen gefunden hatten. Und dann noch einmal, als sie sahen, was wir in unserem Lkw mitgebracht hatten.“

Vor Kurzem ist Thorsten Voigthaus noch einmal in Unterburg gewesen. „Dort sieht es wieder recht gut aus“, weiß er. „Aber in Bad Neuenahr wird es sicher noch lange dauern.“

Seit dem Jahr 2008 hat die Gemeinschaft „Sportler helfen“ über 100 000 Euro gesammelt und für karitative Zwecke zur Verfügung gestellt. Informationen zu der Initiative gibt es im Internet.

Sportler helfen

Die 2008 gegründete Gemeinschaft „Sportler helfen“ ist nicht nur karitativ unterwegs. Ab und zu betätigen sich die Helfer, unter ihnen der Lüttringhauser Thorsten Voigthaus, auch auf sportlichen Gebieten. So hielt „Sportler helfen“ lange Zeit den Weltrekord im Unterwasser-Spinning, dem Radfahren unter Wasser. Der Weltrekord wurde ihnen abgenommen, so dass für das kommende Jahr ein Versuch geplant ist, den Weltrekord wieder ins Bergische zu holen.

Sportlerhelfen.de 

Hochwasserkatastrophe: Helfer befürchten harten Winter an der Ahr.

Staugefahr: Morsbach wird vom Unrat befreit.

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