RGA vor Ort

Der Weltladen mischt sich weiter ein

Die während des Lockdowns entwickelte „Faire Kiste“ hat sich zum Hit entwickelt und bleibt im Programm. Foto: Flair Weltladen
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Die während des Lockdowns entwickelte „Faire Kiste“ hat sich zum Hit entwickelt und bleibt im Programm.

Lüttringhauser Geschäft unterstützt auch während Corona den globalen Süden.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. „Es ist leichter, einen Laden zu schließen, als ihn wieder aufzumachen“, zieht Johannes Haun ein Fazit der zurückliegenden Monate. Der Vorsitzende der Ökumenischen Initiative Lüttringhausen hat coronabedingt eine aufreibende Zeit mit „seinem“ F(l)air-Weltladen hinter sich. Mehrfach schloss das Geschäft an der Lüttringhauser Gertenbachstraße, mehrfach gab es den Re-Start, zwischendurch immer wieder Ideen und Aktionen, um mit Kunden in Kontakt zu bleiben und zumindest etwas Umsatz zu machen.

Aktuell hat der Weltladen montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, außerdem am Samstag zwischen 10 und 13 Uhr. Einige Mitarbeiter seien in Urlaub, berichtet Haun, andere würden wegen Vorerkrankungen derzeit auf den Dienst im Geschäft verzichten. Ab dem 16. August, also mit dem Ende der Sommerferien, werde man dann zu den früheren Öffnungszeiten zurückkehren: „Das wird einige Anstrengungen kosten, aber wir werden das schaffen“, ist Johannes Haun zuversichtlich. Auch weil man selbst im Lockdown neue Mitstreiter gefunden habe.

Bereits seit 1999 verkauft das kleine Geschäft in der Lüttringhauser Altstadt Produkte aus dem globalen Süden, um deren Produzenten direkt zu unterstützen. Bis heute ist es der einzige Weltladen in Remscheid. Über die Jahre wurde nicht nur das Ladenlokal, sondern auch das Sortiment erweitert. Lebensmittel gehören heute genauso dazu wie Kunsthandwerk und Textilien. Zudem bietet man seit einigen Jahren Bücher an.

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Die seien auch während der Lockdowns weiterhin gut verkauft worden, sagt Haun. Auch dank der Online-Bestellmöglichkeiten. Bei den Lebensmitteln habe die Öffnungsphase vor der erneuten Schließung Ende Dezember gereicht, um die schwachen Monate zuvor auszugleichen. „Wir hatten noch nie ein so gutes Weihnachtsgeschäft.“

Schwer würden sich hingegen weiter die Produkte aus dem Bereich Handwerk tun, darunter Holzspielzeuge, Schals, Schmuck und Taschen. „So etwas wollen sich die meisten Menschen angucken und anfassen“, vermutet Johannes Haun. Um zumindest ein wenig Abhilfe zu schaffen, hat die Ökumenischen Initiative inzwischen einen eigenen Flyer zu diesen Produkten erstellt, der unter anderem auf der Internetseite des Weltladens abrufbar ist. Mit dem Verkauf werden Organisationen unterstützt, die sich zum Beispiel um die gesundheitliche Versorgung von Frauen in Bangladesch kümmern oder Behinderte und Leprakranke in Indien beschäftigen.

Die während der Schließungsphasen eingeführte „Faire Kiste“, mit der es fair gehandelte Produkte im Abo nach Hause gibt, erfreue sich großer Beliebtheit und werde fortgesetzt, sagt Johannes Haun. Auch das Tüten-Abo, das es zur Passionszeit gab, sei gut angenommen worden: „Wir hatten mehr als 50 Abonnenten, einige Tüten haben wir bis Solingen geliefert.“

Im Wahljahr engagiert sich das Weltladen-Team um Johannes Haus verstärkt politisch, unter anderem mit einer Veranstaltungsreihe zur Bundestagswahl. Foto: Roland Keusch

Überhaupt erfahre man derzeit große Unterstützung, so Haun. Viele Stammkunden kämen trotz der eingeschränkten Öffnungszeiten, neue Kunden würden das Geschäft gezielt ansteuern, auch aus anderen Stadtteilen. Hinzu kämen einige Großabnehmer. So kaufe die Stiftung Tannenhof regelmäßig über den Weltladen ein, die Kirchenkreis Lennep bestücke seine Geschenkkörbe mit fairen Produkten und die SPD habe unlängst Fair-Trade-Schokolade an die Helfer im Impfzentrum verteilt.

„Viele haben ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass die Innenstädte veröden, wenn dort niemand die Angebote nutzt“, sagt Johannes Haun. Der F(l)air-Weltladen profitiere darüber hinaus aber auch noch von einer anderen Entwicklung. Nicht zuletzt die aktuelle Diskussion ums Lieferkettengesetz habe das Interesse an fairen Produkten deutlich erhöht. „Das war ganz toll, dass wir unseren Beitrag dazu leisten konnten“, meint Haun zu der Kampagne, die das Gesetz begleiteten. Und die auch von den Weltläden in Deutschland unterstützt wurde.

In diesem Bereich werde man sich auch zukünftig verstärkt engagieren, sagt der Vorsitzende der Ökumenischen Initiative. Auch wegen der anstehenden Wahl. So sei unter anderem eine Diskussionsreihe mit den bergischen Kandidaten zur Bundestagswahl geplant (| Kasten). Natürlich vor allem unter dem Gesichtspunkt der Forderungen die das Forum Fairer Handel an die nächste Bundesregierung formuliert hat.

Diskussionsreihe

Fünf Kandidaten – jeweils eine Stunde Zeit: Im August und September bittet der Weltladen die örtlichen Vertreter von FDP, CDU, SPD, Grüne und Linken zum Gespräch über den fairen Handel, jeweils immer samstags von 11 bis 12 Uhr in der Gertenbachstraße 17. Den Anfang macht Dr. Robert Weindl (FDP) am 21. August, im Wochenrhythmus folgen Jürgen Hardt (CDU), Ingo Schäfer (SPD), Silvia Vaeckenstedt (Grüne) und Shoan Vaisi (Linke). Sollte keine Präsenzveranstaltung möglich sein, gibt es eine Online-Konferenz.

Alle bisherigen Teile der RGA-Stadtteilserie finden Sie hier.

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