Land NRW übernimmt Tests in Kita

Lolli-Tests sind das neue Sicherheitsnetz für Kinder

Tatjana Mai, Krankenschwester der Hilda-Heinemann-Schule, zeigt die von den EWR gespendeten „Tauschdosen“ mit Selbsttests. Sie gibt diese an die Lehrer aus und sammelt sie wieder ein. So wird Müll vermieden.
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Tatjana Mai, Krankenschwester der Hilda-Heinemann-Schule, zeigt die von den EWR gespendeten „Tauschdosen“ mit Selbsttests. Sie gibt diese an die Lehrer aus und sammelt sie wieder ein. So wird Müll vermieden.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Ab sofort kommt das Material vom Land – Neben Kitas sind nun auch Grund- und Förderschulen dabei

Remscheid. Testen und Impfen – so lautet die Strategie, um dem Coronavirus den Wind aus den Segeln zu nehmen. Auch und gerade in Remscheid. „Weil wir durch unsere besondere Sozial- und Wirtschaftsstruktur häufig durch hohe Infektionsraten betroffen waren, müssen wir auch weiter etwas tun“, sagt Gesundheits- und Sozialdezernent Thomas Neuhaus (Grüne). Remscheid führte bis zuletzt die Negativliste bei den höchsten Inzidenzen von Städten und Kommunen in NRW an. Nun hat aber ein Abwärtstrend eingesetzt. Hoffnung machen dem Gesundheitsdezernenten die bald 70 000 Impfungen – und ein Stück weit Sicherheit geben die Lolli-Tests.

Ab Montag übernimmt das Land NRW das Testverfahren in den Remscheider Kitas – und löst damit die Stadt Remscheid ab. Seit Mitte April wurden die Wattestäbchen, an denen Kinder wie an einem Lolli lutschen, in 21 Kindertagesstätten als Modellprojekt eingesetzt. 1400 Personen, Kinder und Personal, seien so regelmäßig auf Sars-CoV-2 getestet worden, sagt Egbert Willecke, Fachdienstleiter Jugend. Das Ergebnis: 4 von 104 Pool-Tests verliefen positiv. Die Einzelüberprüfungen ergaben dann Corona-Infektionen bei vier Kindern. „Bei Kindern zwischen einem und fünf Jahren haben wir in der Regel sehr wenige Infektionen, aktuell sind es stadtweit neun“, erklärt Neuhaus. In der Gruppe der 6- bis 18-Jährigen sind es mehr: 35 sind derzeit infiziert.

Akzeptanz der Lolli-Tests ist bei den Kindern groß

Aber weil eine Covid-19-Infektion gerade bei den Kleinsten oft symptomlos verlaufe, sei das Testen so wichtig – auch, um den Rest der Familie zu schützen. „Wir müssen darauf achten, dass wir keine unaufgedeckten Infektionen durchgehen lassen“, erklärt der Gesundheitsdezernent. Die Akzeptanz in den Einrichtungen sei erfreulich hoch. Für die Kinder gehörten die Testungen mittlerweile zum Alltag, meint Neuhaus und spricht aus Erfahrung: Auch sein Sohn sehe den Lolli-Test als selbstverständlich an. Die Pooltestung habe sich als Mittel der Wahl durchgesetzt, sei aber recht kostenintensiv. 70 Euro zahlte die Stadt pro Pool-Test bei dem Modellversuch. Bis zu 25 Personen konnten so gleichzeitig getestet werden.

Die Finanzierung übernimmt nun also das Land. Sowohl in den Kitas als auch in den Grund- und Förderschulen. Auch dort werden die Lolli-Tests nun eingesetzt. Das Land liefert das Material und sorgt für die Infrastruktur. Das laufe an seiner Schule reibungslos, sagt Christian Jansen, Leiter der Hilda-Heinemann-Schule. Er hält die Lolli-Tests für eine sehr gute Lösung, auch wenn sie mehr Verwaltungsaufwand und Logistik bedeuten. „Wir haben, da wir eine Förderschule sind, einige Risikoschüler. Wenn ich mögliche Infektionen früh genug rausfiltern kann, habe ich ganz andere Chancen in der Pandemiebekämpfung“, sagt Jansen und lobt die Strategie des Landes. „Diese Lolli-Testung ist ein grandioses Sicherheitsnetz.“

Lollipop-Lied aus den 60er Jahren bedeutet für Hilde-Heinemann-Schüler testen

Der Lollitest ist ein PCR-Test. Es handelt sich um einem einfachen Speicheltest, mit dem Schüler zweimal pro Woche in ihrer Lerngruppe auf das Coronavirus getestet werden. Zur Einführung hatte sich die Hilda-Heinemann-Schule etwas Besonderes ausgedacht: Über die Sprechanlage ließ Jansen das „Lollipop“-Lied aus den 60ern laufen – das sorgte nicht nur für Spaß, sondern die Schüler wussten auch genau, wie lange sie lutschen mussten. Jetzt ist es ein festes Ritual: Jeden Morgen gegen 9.15 Uhr werde jede Klasse getestet. Abends erhalte Jansen dann die Ergebnisse des Kölner Labors zuverlässig als SMS auf sein Handy. „Das hat schon mal für Nervenkitzel am Abend gesorgt hat, wenn Ergebnisse erst spät eintrudelten.“

Um bei einem positiven Pool-Test vorbereitet zu sein und Eltern Einzel-Nachtestungen ihrer Kinder daheim zu ersparen, testet die Hilda-Heinemann morgens direkt noch jedes Kind einzeln. So lutschen die Schüler einfach an zwei Stäbchen. Einige wenige Schüler können aufgrund ihrer Behinderung kein Wattestäbchen in den Mund nehmen. Die Vorgabe des Ministeriums lautet: Wer nicht getestet wird, darf nicht in die Schule. „Das finden wir schade, können es aber verstehen“, sagt Jansen.

Weil beim Testen viel Müll anfällt, hatte das Hilda-Team eine nachhaltige Idee: Die gespendeten Brotdosen der EWR wurden kurzerhand zu „Tauschdosen“ umfunktioniert. Schulkrankenschwester Tatjana Mai füllt diese mit Selbsttests, gibt sie an die Lehrer aus und sammelt sie hinterher wieder ein. So ist die Schule nicht nur auf der sicheren Seite, sondern vermeidet auch noch Müll.

Impfen

Die Europäische Arzneimittelbehörde hatte der EU-Kommission zuletzt die Zulassung des Corona-Impfstoffes von Biontech für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren empfohlen, die Ständige Impfkommission will sich am Montag dazu äußern. „Ich plädiere dafür, auch Kinder zu impfen“, sagt Thomas Neuhaus.

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