Theodor-Heuss-Platz

Löwe: Sanierung soll 90 000 Euro kosten

Das Wappentier sieht anders aus. 1966 machten die Remscheider das Standbild, das seit 1939 vor dem Rathaus steht, dennoch zum „Bergischen Löwen“. Foto: Andreas Tews
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Das Wappentier sieht anders aus. 1966 machten die Remscheider das Standbild, das seit 1939 vor dem Rathaus steht, dennoch zum „Bergischen Löwen“ (Archivbild).
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Wind und Regen haben dem Standbild stark zugesetzt. Besonders der Sockel ist geschädigt.

Von Axel Richter

Dem Löwen vor dem Rathaus geht es nicht gut. Das Standbild aus grauem Muschelkalk, an dessen unrühmliche Nazi-Vergangenheit die Linkspartei mit einer Plakette erinnern möchte, ist baufällig, der Sockel stark geschädigt. Ein Gutachter taxierte nun die Kosten. 90 000 Euro soll die Sanierung des Löwen kosten.

„Größere Verwitterungsschäden an der Natursteinfassade, starke Vermoosung und Pflanzenwuchs im oberen Bereich sowie großflächige Graffiti-Aufträge im Sockelbereich“, führte die Stadt bereits Ende vergangenen Jahres in ihrer Diagnose des Monuments an. Der Restaurator für Natursteinarbeiten, der die weiteren Untersuchungen übernahm, kam zu einem noch schlechteren Ergebnis.

Einige Steine des Sockels müssen komplett ausgetauscht werden

Nicht nur sind alle Fugen zu erneuern, auch müsse an einigen Stellen der Stein komplett ausgetauscht werden, berichtet Dirk Schöneborn, Abteilungsleiter im städtischen Gebäudemanagement, auf Nachfrage des RGA.

Auch Fritz Beinersdorf, Fraktionschef der Linken im Rat der Stadt, ist für die Sanierung des Standbildes. Allerdings will er, dass der Löwe nicht länger als „Bergischer Löwe“ durchgeht, sondern dass nach der Sanierung auch an seine wahren Ursprünge erinnert wird.

Tatsächlich war der Löwe vor dem Rathaus nie der „Bergische Löwe“. Darauf wies die Kunst- und Literaturhistorikerin Gisela Schmoeckel bereits 2014 zur damaligen Löwenparade hin, mit der die Stadt damals ihre Großstadtwerdung vor 85 Jahren feierte.

Löwe hat nichts mit bergischem Wappentier gemeinsam

„Der echte Bergische Löwe ist im Herzogtum Berg seit 1225 ein doppelschwänziges Wappentier“, schrieb Schmockel in den Bergischen Blättern: „Nichts hat dieses höfische Wappentier gemeinsam mit der martialischen Gefährlichkeit des Remscheider Denkmal-Löwens, der eine ganz andere und viel jüngere Geschichte hat.“

Die Idee dazu geht auf Dr. Walther Hartmann zurück. Er war von 1929 bis 1937 Oberbürgermeister von Remscheid. Allerdings habe Hartmann alles andere im Sinn gehabt, als den Nazis ein Denkmal zu setzen, sagt der 80-jährige Remscheider Eike Blum, dessen Eltern mit dem damaligen OB befreundet waren. „Tatsache ist, dass Hartmann verhindern wollte, dass da ein Parteidenkmal errichtet wird“, sagt Blum: „So kam als Kompromiss der Bergische Löwe heraus: Den linken Gruppierungen war er politisch unverdächtig, den rechten Gruppierungen patriotisch genug.“

Bildhauer schuf Löwe im faschistischen Stil

WALTER HARTMANN

REHABILITIERT Walter Hartmann war seit 1914 Bürgermeister und nach der Großstadtwerdung von 1929 bis 1937 Oberbürgermeister von Remscheid. Er war kein NSDAP-Mitglied. 1946 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt aberkannt, 1953 jedoch erneut verliehen. Heute ist unter anderem eine Schule nach ihm benannt.

Nach Hartmanns Rücktritt beauftragte der nationalsozialistische Stadtrat den Kölner Bildhauer Willy Meller (1887-1974) mit dem Standbild. Bekanntheit erlangte er mit seinen Arbeiten am Berliner Olympiastadion. Entsprechend fiel sein Löwe aus – nämlich im Stil des monumentalen, faschistischen Klassizismus, den die Nazis bevorzugten.

Gewidmet war das am 1. Mai 1939 vor mehr als 27 000 Remscheidern enthüllte Standbild „dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches in Dankbarkeit“, wie es auf dem Sockel geschrieben stand. Nach dem verlorenen Weltkrieg, den das Monument nahezu unbeschädigt überstanden hatte, ließen die Remscheider diese Inschrift verschwinden. Und 1966 machten sie den Löwen kurzerhand zum „Bergischen Löwen, Wappentier des Bergischen Landes seit 1225“.

„Das ist Geschichtsklitterung“, sagt der Linke Fritz Beinersdorf heute. Für die nächste Sitzung des Kulturausschusses am 10. November hat er deshalb das Anbringen jener Plakette beantragt. Sie soll die wahre Geschichte des Standbildes erklären. Darüber entscheiden muss die Politik. Die Mitarbeiter des Gebäudemanagements arbeiten unterdessen am Konzept zur Sanierung des bröckelnden Standbildes, dem Wind und Regen so sehr zugesetzt haben.

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