„Liebe und Musik“

Festival-Veranstalter reagiert mit Hotline auf Kritik

Es kann losgehen: Sebastiao Pembele (3.v.l.), Organisator des Festivals, freut sich, dass die Genehmigung der Stadt vorliegt. OB Burkhard Mast-Weisz (li.) und Inna Safenreider (Stadtmarketing) stärken Pembele den Rücken. Maximilian Süss (re.) richtet zwei Benefizkonzerte aus. Foto: Michael Schütz
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Es kann losgehen: Sebastiao Pembele (3.v.l.), Organisator des Festivals, freut sich, dass die Genehmigung der Stadt vorliegt. OB Burkhard Mast-Weisz (li.) und Inna Safenreider (Stadtmarketing) stärken Pembele den Rücken. Maximilian Süss (re.) richtet zwei Benefizkonzerte aus.
  • Andreas Weber
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„Liebe und Musik“-Festival auf dem Schützenplatz: Offizielle Genehmigung liegt vor – Start am 20. August mit Benefiz

Remscheid. Auf die Kritik einiger Anwohner und weiter entfernt wohnender unfreiwilliger Zuhörer reagiert Sebastiao Pembele. Der Veranstalter des „Liebe & Musik“-Festivals auf dem Schützenplatz richtet für seine Konzertreihe, die kommenden Samstag mit dem Avici Live Tribute (16 Uhr) und Glasperlenspiel (20 Uhr) beginnt, eine Hotline ein. Gibt es Beschwerden, soll im Telefonat Druck aus dem Kessel genommen werden, verspricht der Berliner Impressario.

Am Freitagmorgen weilte Pembele in Remscheid, um mit Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz bei einem Pressetermin auf dem Rathausplatz zu verkünden, dass mittlerweile die ausstehende ordnungsbehördliche Genehmigung für das Festival vorliegt. Der Vorverkauf für das hochkarätig besetzte Line-up mit zwölf Terminen läuft derweil schon. Der Abschluss mit Reggaestar Gentleman am 8. September ist mit 1000 Besuchern ausverkauft. Mast-Weisz brach noch einmal eine Lanze für das attraktive Sommerangebot auf dem zentralen Veranstaltungsplatz, das momentan die Bochumer Agentur Neo-Move mit dem Eventgarten erfolgreich belebt.

„Wenn die Alternative ist, dass wir nichts machen, entscheide ich mich für Konzerte.“

OB Burkhard Mast-Weisz

„Wir sind eine Großstadt und freuen uns über Veranstalter, die das hohe finanzielle Risiko auf sich nehmen“, erklärt der OB mit Blickrichtung auf Ronsdorfer, denen der ungünstig blasende Wind Liedfetzen eines Helene-Fischer-Doubles in die Wohnung getragen hatte. Deren Beschwerden nehme die Stadt ernst, aber: „Wir befinden uns in einem Abwägungsprozess, bei dem wir immer den rechtlichen Rahmen einhalten, erlaubte Dezibelzahlen beachten und um 22 Uhr Schluss machen.“

Gentleman, Kasalla, Brings und Co. kommen nach Remscheid

Burkhard Mast-Weisz positioniert sich: „Wenn die Alternative ist, dass wir nichts machen, entscheide ich mich für die Konzerte.“ Er gönne jedem seine Ruhe, aber die Konsequenz dürfe keine Friedhofsstille in der Stadt sein. Das Stadtoberhaupt spricht von einem kulturellen Angebot auf dem Schützenplatz, das seinesgleichen suche. „Das ist der Knaller. Nicht zuletzt, weil wir alle in den vergangenen 16 Monaten Livemusik so schmerzlich vermissen mussten.“

Sebastiao Pembele (41) verschlug es zwar durch die Entertainment-Branche in die Bundeshauptstadt, seine Wurzeln aber hat der Sohn angolanischer Eltern in Remscheid und Solingen. Mit „Liebe und Musik“ will er seiner alten Heimat 15 Jahre später etwas zurückgeben. „Ich möchte Remscheid zu einem Festival-Hotspot machen“, verspricht Pembele. Inspiriert vom WDR-2-Tag 2014, der im Durchlauf 20 000 Besucher aus NRW auf den Schützenplatz lockte, bastelt er seit der ersten Kontaktaufnahme 2019 mit Inna Safenreider vom Stadtmarketing an einem Konzept, das auf Langfristigkeit setzt. Coronabedingt ging in 2020 nichts, nun wird es ein Jahr später wesentlich größer als ursprünglich zum Auftakt gedacht. „Wir ziehen jetzt das Line-up von 2024 vor“, meint Pembele mit einem Lachen. So geht es bis zum Finale mit Gentleman Schlag auf Schlag weiter mit Kasalla, Torsten Sträter, Milow, Gestört aber Geil, Mic Donet, Söhne Mannheims, Laith Al-Deen, Brings und Rebell Comedy.

Im Rahmen des familienfreundlichen Festivals, das einen Kinderspielbereich haben wird, hat Sebastiao Pembele Zeitfenster für zwei Spendenkonzerte zugunsten der Fluthilfe Remscheid freigeschaufelt. Organisator Maximilian Süss präsentiert am 20. August (19 Uhr) die Soulfood Company und MPNG (hinter dem Kürzel verbirgt sich Sänger und Gitarrist Samuel G. Mpungu, der gerade mit Session Possible im Eventgarten gastierte) und am 28. August (18 Uhr) den Singer-Songwriter Florian Alexander Kurz, Kai Heumanns „Proyecto Guitarra Latina“ und das Blechbläserensemble der Bergischen Symphoniker.

„Alle Einnahmen aus dem Ticketverkauf werden gespendet“, kündigt Süss an. Dass bei dem Festival die Opfer des Hochwassers nicht zu kurz kommen, lobt Mast-Weisz: „Ich genieße dieses Paket von kommerziellen und Benefizterminen.“ | Standpunkt

Hotline und Ticketvorverkauf

Nach Beendigung des Eventgartens an diesem Wochenende, beginnt der Aufbau für das „Liebe und Musik“-Festival auf dem Schützenplatz am 18./19. August. Alle Konzerte sind bestuhlt, um die Infektionsgefahr zu minimieren und die Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten zu gewährleisten.

Tickets: über „www.remscheid-live.de“ und weitere Vorverkaufsstellen. RGA-Karteninhaber erhalten 10 Prozent Rabatt.

Hotline: Anregungen und Beschwerden werden ab 20. August gestaltet unter Telefon (08 00) 88 88-0 77.

Standpunkt

Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Was sinngemäß dem Philosophen Immanuel Kant zugeschrieben wird, gilt für die derzeitige, überflüssige Debatte um die Festivals, die auf dem Schützenplatz stattfinden. Wenn Tausende nach langen Monaten der Abstinenz endlich unter erheblichem Aufwand Kultur genießen dürfen und beim Open Air die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden, haben Genervte dies zu ertragen. Punkt. Remscheid hat nur diese eine große Veranstaltungsfläche. Und sie eröffnet fantastische Perspektiven. Eine solche Ballung hochkarätiger Konzerte hat diese Stadt noch nicht erlebt. Dass es sie gibt und weiter geben wird, ist mit Neo-Move und „Liebe und Musik“ zwei mutigen Agenturen zu verdanken, die in schwierigen Zeiten dieser Stadt etwas Wichtiges geben: die Freude an der Musik und dem Gemeinschaftserlebnis. Beiden Veranstaltern ist zu wünschen, dass sie einen langen Atem besitzen und sich durch diese Störfeuer nicht entmutigen lassen, eine Festivalkultur zu etablieren, deren Strahlkraft irgendwann über Remscheid hinausgeht.

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