Open-Air auf dem Schützenplatz

„Liebe und Musik“-Festival startet mit Musik und Kritik am Veranstalter

Die Energie von Glasperlenspiel übertrug sich auf die meisten der Zuschauer auf dem Schützenplatz - spätestens bei der Zugabe. Foto: Doro Siewert
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Die Energie von Glasperlenspiel übertrug sich auf die meisten der Zuschauer auf dem Schützenplatz - spätestens bei der Zugabe.

Das Festival „Liebe und Musik“ ist gestartet, das zweite große Open Air binnen kürzester Zeit auf dem Schützenplatz.

Von Peter Klohs

Remscheid. Zum Start gab es an den ersten beiden Tagen ein Benefizkonzert für die Fluthilfe mit der Soul Food Company, ein Avicii Live Tribute und ein Konzert des Elektropop-Duos Glasperlenspiel. Zudem gab es deutliche Kritik einiger Besucher am Veranstalter, weil man statt gebuchter „Lounges“ lediglich einfache Klappstühle vorfand.

Die Idee, zum Start des Festivals „Liebe und Musik“ und in Kooperation mit dem Löwenfestival ein Spendenkonzert zu organisieren, hatte Maximilian Süss, der mit Veranstalter Sebastiao Pembele den Termin des Events abstimmte. Na klar, sagte der bergische Junge Pembele, der mittlerweile in Berlin lebt, sei er dabei. Die Beiden verständigten sich darauf, dass die Einnahmen komplett an die Fluthilfe Remscheid überwiesen werden. Am Freitagabend spielte der Bassist und Sänger MPNG, der mit wahrem Namen Sam Mpungu heißt und mehrere Jahre mit der Nu-Metal-Band Limp Bizkit um den Globus tourte. Eine Stunde später kam die Soul Food Company auf die Bühne und begeisterte die 150 Gäste, die jedoch feierten wie 300, mit ihrer ansteckenden Mischung aus Funk und Soul.

Kritik an „Lounges“ beim „Liebe und Musik-Festival

Vor knapp zwei Wochen war MPNG noch als Teil von Wolf Coderas Session Possible beim Eventgarten zu Gast, nun eröffnete er solo das Festival „Liebe und Musik.“

Ja, viele der anwesenden Zuhörenden feierten und genossen die angenehme Musik an einem Sommerabend. Es gab aber auch andere Stimmen, die das Konzept des Veranstalters kritisierten. Susanne aus Remscheid, 28 Jahre alt und Fan von Soul-Musik, fand die Soul Food Company toll. „Ich sehe die Band zum vierten Mal live“, sagte sie. „Die sind immer gut.“ Sie kritisierte aber, dass der Veranstalter Lounges angekündigt hatte, beim Konzert aber ausschließlich Klappstühle zur Verfügung gestanden hätte. „Unter einer Lounge stelle ich mir etwas anders vor“, sagte sie enttäuscht und war mit dieser Meinung nicht alleine.

Dem Veranstalter, Sebastiao Pembele, ist die Kritik nicht verborgen geblieben. Er hat via Facebook darauf reagiert und seine Sicht der Dinge dargelegt. Sein Hauptargument ist, dass in seinen Ankündigungen zum Festival das Wort „Lounge“ gar nicht vorkommt und dieses vom Ticketverkäufer erstmalig benutzt wurde. „Und mein Argument für das Festival sind die Künstler“, fügt Pembele hinzu. „Und nicht die Sitzplätze.“

Benefizkonzert für die Fluthilfe: Fast 700 Euro Spenden kamen bei dem Benefizkonzert beim „Liebe und Musik“-Festival zusammen

Eigentlich, so der Tenor der meisten Besucher, sollte doch die Musik im Vordergrund stehen, die – ganz im Gegensatz zum Helene-Fischer-Double beim vorangegangenen Eventgarten – eher zu leise über den Schützenplatz wehte. Viele äußerten sich dankbar, dass in Remscheid wieder „was los“ sei und man erstklassige Künstler erleben dürfe. Saxofonist Martin Kuske von der Soul Food Company lobte die „Wahnsinnsbühne“, auf der die Band „richtig happy“ gewesen sei. „Und ich und alle von Soul Food wünschen dem Veranstalter alle Kraft der Welt, dieses Festival jetzt durchzuziehen.“

An Spenden kamen 695 Euro zusammen. Der Betrag, der durch die Eintrittskarten erzielt wurde, muss noch ermittelt werden. Es wird ein zweites Benefizkonzert auf dem Schützenplatz geben. Am 28. August spielen ab 16 Uhr Florian Alexander Kurz, Kai Heumann mit seiner Latin-Band sowie die Blechbläser der Bergischen Symphoniker.

Ein „Geiles Leben“ in einer fast zehnminütigen Version

Auch beim Konzert von Glasperlenspiel waren die Zuschauer von Anfang an mit dabei. Man soll es ja nicht glauben, dass das deutsche Elektro-Pop-Duo Glasperlenspiel bereits seit 18 Jahren existiert. Im Jahre 2003 fanden sich die Sängerin Carolin Niemczyk und der Keyborder, DJ und Sänger Daniel Grunenberg zunächst musikalisch, später auch privat zusammen, um das erfolgreichste Pop-Duo Deutschlands im Grenzbereich zwischen Dance, Pop und Techno zu werden. Live lassen sich die Beiden gerne von ausgewählten Musikern begleiten, ihr Auftritt am Samstagabend beim „Liebe und Musik“-Festivals war jedoch ein reines Duo-Setting, was der Energie und der Frische der Musik nicht schadete.

Das Elektropop-Duo Glasperlenspiel trat am Wochenende beim „Liebe und Musik“-Festival auf dem Schützenplatz auf.

Vor dem Auftritt wirkte die riesige Bühne auf dem Schützenplatz seltsam karg: Keine Musikinstrumente waren zu sehen, wie es auf zahlreichen anderen Konzerten eher die Regel ist. Stattdessen zwei rechteckige Gebilde, von denen sich das Kleinere zu Beginn des Konzertes als DJ-Pult zu erkennen gab, das Größere sich als Leinwand präsentierte, über die musikunterstützende Videos abgespielt wurde. Die Videos wie auch die komplette Lightshow waren von auserlesener Güte und begeisterte die Besucher des Konzertes.

Mit „Freundschaft“ ging es los, einem der Songs aus dem 2011 veröffentlichtem Album „Beweg dich mit mir“. Die schöne und treffende Textzeile „Ihr habt mir so gefehlt“ war der Sängerin wichtig, wie sie in der Nachmoderation zugab: „Es tut so gut, wieder vor Menschen spielen zu dürfen“, gab sie ihren Gefühlen Ausdruck. „Wieder in Menschengesichter schauen zu dürfen, ist so schön. Es fühlt sich an wie Wiederzurückkommen.“ Und passenderweise ging es mit „Willkommen zurück“ im Programm weiter.

Erst Gesang, dann Bässe und dazu eine erstklassige Lichtshow

Im weiteren Verlauf entwickelte das Duo eine spürbare Energie, die sich auf einen Großteil der knapp 300 Besucher übertrug. In „Schloss“ kamen zum ersten Mal deutlichere Techno-Töne zur Anwendung, bei „Nächte ohne Fotos“ (mit einem bemerkenswerten Text) wurde das Energie-Level kurz eingebremst, bevor es in „Royals and Kings“ wieder anzog und mit leichten Rap-Einflüssen ein weiteres Genre Einzug hielt.

Nach gut 50 Minuten zog sich Niemczyk zum Atemholen zurück und Daniel Grunenberg zog in einem Solo-Spot alle Register eines Techno-DJs: Die heftigsten Minuten des gesamten Konzertes, in denen die ohnehin schon erstklassige Lightshow ihren Höhepunkt erlebte. Die saftigen Bässe kamen jetzt auch in der richtigen Lautstärke von der Bühne. Ansonsten war die Geräuschentwicklung auf dem Schützenplatz sehr gemäßigt.

„Liebe und Musik“-Festival Veranstalter Sebastiao Pembele hatte mit mehr Besuchern gerechnet

Glasperlenspiel setzte das Konzert mit „Wenn das Liebe ist“ fort, bevor nach exakt 90 Minuten der letzte Song des Konzertes erklang: „Du bist“ reizte die musikalischen Grenzen des Duos noch einmal aus, das Lichtgewitter gab noch einmal alles, eine von drei Luftschlangenbomben explodierte.

Für Glasperlenspiels größten Hit mussten die Besucher bis zur Zugabe warten, aber dann kam er in einer auf fast zehn Minuten erweiterten Version: „Geiles Leben“ von Album Tag X. Nun standen fast alle Besucher des Konzertes und feierten das Duo.

Veranstalter Sebastiao Pembele war mit den Besucherzahlen zufrieden: „Man muss die Zeiten berücksichtigen“, fand er. „Insgeheim hatten wir mit mehr Gästen gerechnet, aber so ist es auch okay.“ Die Besucher äußerten sich größtenteils begeistert über die Möglichkeit eines Konzertbesuches im Allgemeinen und zum Auftritt von Glasperlenspiel im Besonderen. Die Kritik, die sich auf die nicht vorhandenen Lounges konzentrierte, war am Samstagabend nicht verstummt.

„Liebe und Musik“

Das Festival wurde gestern Abend mit einem Konzert der kölschen Band Kassalla fortgesetzt. Nach dem Taschenlampenkonzert der Band Rumpelstil am 27. August wird es ein weiteres Benefiz-Konzert für die Fluthilfe Remscheid (28. August) geben. Das Festival wird am letzten Augusttag mit dem Comedian Torsten Sträter weiter gehen, bevor am 1. September der belgische Popmusiker Milow den Schützenplatz besuchen wird. Nach weiteren Konzerten wird Gentleman am 8.9. das Festival beenden.

Bis zum 8. September folgen unter anderem noch Konzerte von Milow (1. September) und Gentleman (8. September), außerdem Auftritte von Torsten Sträter (31. August) und Rebell Comedy (5. September). Tickets gibt es unter anderem online: www.remscheid-live.de.

liebeundmusik.de

Zuvor war einige Wochen der Eventgarten auf dem Schützenplatz aufgebaut. Auch dort gab es Musik für die Remscheider.

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