Bauen, Tourismus und Corona

Lenneps Bezirksbürgermeister hofft auf Rückkehr zum öffentlichen Leben

LOK
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Hofft auf Umbaumaßnahmen an der Kölner Straße: Lenneps Bezirksbürgermeister Rolf Haumann.

Rolf Haumann sieht Vereine und ihre Veranstaltungen als wichtigen Faktor in Lennep. Im Interview erzählt er, was geschehen muss, um den Stadtteil nach vorne zu bringen.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Herr Haumann, am 25. Januar entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig darüber, ob es für das Designer Outlet Center (DOC) in Lennep noch eine Chance gibt. Worauf hoffen Sie als Bezirksbürgermeister mit einem Parteibuch von Bündnis 90/Die Grünen?

Rolf Haumann: Das ist nicht ganz so einfach. Ich gehöre eher zu den Kritikern des Outlet-Centers, meine Partei sah darin durchaus Chancen für Lennep. Ich gehe aber davon aus, dass am Dienstag keine endgültige Entscheidung getroffen wird und vermute, dass das Verfahren zurückverwiesen wird – an das Oberverwaltungsgericht in Münster. Wenn sich das Ganze aber noch weitere Jahre hinschleppt, kann ich mir nicht vorstellen, dass das DOC wirklich gebaut wird. Es wird ja schon seit einem Jahrzehnt geplant. Und das Einkaufsverhalten hat sich seither sehr stark verändert – vor allem durch den wachsenden Internethandel.

Es muss darum gehen, die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Rolf Haumann zum Umbau der Kölner Straße

So oder so: Es wird noch Jahre dauern, bis das Center gebaut werden darf. Was muss denn kurzfristig in Lennep geschehen, um den Ort nach vorne zu bringen?

Haumann: Kurzfristig müssen die größten Problemstellungen behoben werden. Ich denke da vor allem an die Kölner Straße. Sie muss dringend wieder attraktiver werden. Ein kleiner Anfang ist ja schon gemacht worden – mit der Umgestaltung am Kreishaus und der Einrichtung des Jakobusplatzes mit dem Pilgermotiv. Aber da muss noch viel mehr geschehen.

Baudezernent Peter Heinze hat angekündigt, eine Planung für die Kölner Straße vorzulegen, wo der Niedergang besonders deutlich wird. Welche Aspekte sind Ihnen dabei wichtig?

Haumann: Es muss darum gehen, die Aufenthaltsqualität zu verbessern – zum Beispiel durch Cafés, die Außengastronomie bieten. Wichtig ist aber auch, dass die Kölner Straße grüner wird, dass neue Bäume gepflanzt werden. Manches hängt aber davon ab, ob das DOC dann doch gebaut wird. Hier soll ja auch Gastronomie entstehen. Und ein reines Kneipenviertel an der Kölner Straße und in der Altstadt wäre auch nicht wünschenswert.

Die Grünen haben sich klar gegen das Wohngebiet in Knusthöhe ausgesprochen. Wie sehr ärgert es Sie, dass Ihre Bündnispartner von der SPD und der FDP mit der CDU eine Mehrheit für das Projekt schmiedeten?

Haumann: Die Vorgehensweise war ein bisschen ärgerlich. Aber schon im Vorfeld war klar, dass sich die Grünen gegen das Projekt positionieren, während es von SPD und FDP befürwortet wird. Dass die CDU dann zur Bildung einer politischen Mehrheit eingesprungen ist, gehört nun einmal zur Demokratie und zum politischen Handeln. Mit dem Thema wird sich demnächst auch die Bezirksvertretung Lennep befassen. Ich bin gespannt, wie die Umsetzung aussehen soll.

CDU, SPD und FDP haben Ihnen doch eine Brücke gebaut, indem der Akzent in Knusthöhe auf ökologisches Bauen gesetzt wird.

Haumann: Nun, das gehört ja mittlerweile zum Standard bei der Erschließung neuer Wohngebiete – so wie auch auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule Eisernstein in Lüttringhausen. Hier ist die Fläche jedoch bereits versiegelt, das gilt ganz und gar nicht für den Grund und Boden in Knusthöhe.

Nach wie vor plant die Stadt Remscheid Gewerbegebiete in Bergisch Born. Passt denn hier eine Versiegelung von Flächen angesichts des Klimawandels noch in die Landschaft? In Sachen Kunsthöhe sind die Grünen ja auch dagegen.

Haumann: Beim Gewerbegebiet Gleisdreieck handelt es sich um ein Projekt, das Remscheid gemeinsam mit den Nachbarstädten Hückeswagen und Wermelskirchen plant. Das ist ein Unterscheidungsmerkmal – auch zum Wohngebiet Knusthöhe. Aber: Insgesamt kann ich die Bedenken gegen das Gewerbegebiet gut nachvollziehen. Es ist angesichts der Herausforderungen, vor denen wir wegen des Klimawandels stehen, schwierig, lediglich mit der Schaffung und dem Erhalt von Arbeitsplätzen zu argumentieren. Auch wenn dies ganz sicher wichtig ist, sollten wir diesem Aspekt nicht alles unterordnen. Ich habe vor einiger Zeit an einem Spaziergang der Gegner des Gewerbegebiets teilgenommen – und war schon beeindruckt, wie groß es werden soll.

Handel und Gastronomie sind zunehmend gebeutelt – nicht nur wegen Corona. Was halten Sie davon, wenn ein City-Manager für Lennep eingestellt wird – etwa um Strategien zu entwickeln, mehr Tagestouristen in die Altstadt zu locken? Dies hat zuletzt Klaus Kreutzer, Vorsitzender des Verkehrs- und Fördervereins, ins Gespräch gebracht.

Haumann: Davon halte ich eine Menge. Die Idee gab es ja schon vor etlichen Jahren. Sie ist leider in der Schublade verschwunden. Ein City-Manager sollte auch für die Vereinswelt ein Ansprechpartner sein – neben den Einzelhändlern und Gastronomen. Denn sie sind es, die das öffentliche Leben in Lennep maßgeblich mit ihren Veranstaltungen tragen – auch auf der kulturellen Ebene. Es wäre ein Gewinn, wenn er dazu beitragen würde, dieses breite Angebot weiterzuentwickeln.

Und, Herr Haumann, wenn Sie für 2022 einen Wunsch frei hätten. Wie sähe dieser Wunsch aus?

Haumann: Dabei geht es mir um etwas, was vermutlich die große Mehrheit erhofft – dass wir Corona und die Folgen der Pandemie überwinden können. Auf Lennep bezogen, heißt dies unter anderem, dass wieder die Veranstaltungen möglich sind, die in den vergangenen beiden Jahren ausfallen mussten. Sie machen Lennep aus. Außerdem hoffe ich, dass die Gaststätten und Einzelhändler durchhalten. Sie sind die tragenden Elemente – auch für die Altstadt.

Zur Person

Rolf Haumann (Bündnis 90 / Die Grünen) ist seit der letzten Kommunalwahl 2020 Bezirksbürgermeister in Lennep. Im Hauptberuf arbeitet er als Jugendreferent beim Kirchenkreis Lennep. Der 64-Jährige ist verheiratet und Stiefvater eines erwachsenen Sohnes. Haumann lebt seit 1984 in Remscheid. Aufgewachsen ist er in Hagen.

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