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Lenneper hilft Fußball-Zwergen ins Rampenlicht

„Berg-Karabach war das bislang beste Conifa-Turnier“, lobt Jens Jockel. Foto: Roland Keusch
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„Berg-Karabach war das bislang beste Conifa-Turnier“, lobt Jens Jockel.
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Conifa-Direktor Jens Jockel kehrte mit starken Eindrücken von der EM aus dem Südkaukasus zurück.

Von Andreas Weber

Das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen nach Berg-Karabach ab. Die selbst ernannte Republik Arzach im Südkaukasus am Rande Europas wird von keinem Staat der Welt anerkannt. Die 11 458 km² gehören völkerrechtlich zu Aserbaidschan, werden aber fast ausschließlich von Armeniern bewohnt. Immer wieder ist es in der Präsidialrepublik, die eigentlich nicht existiert, zu bewaffneten Konflikten gekommen. Als latentes Pulverfass hat der Lenneper Jens Jockel die umstrittene Region nicht wahrgenommen. Das Conifa-Präsidiumsmitglied ist gerade von einer umjubelten Fußball-EM zurückgekehrt.

„Es herrschte dort Volksfeststimmung wie bei der WM 2006 in Deutschland, nur in wesentlich kleineren Rahmen. Das Nationalstadion in Stepanakert war mit über 10 000 Besuchern nicht nur zum Finale ausverkauft, die Begeisterung und Gastfreundschaft überwältigend“, freute sich der 29-Jährige über ein neuntägiges Fest der besonderen Art. Die Conifa (Confederation of Independent Football Associations) versteht sich als Auffangbecken für isolierte Regionen, Staaten, Inseln, indigene Völker, die es nicht unter das Dach der mächtigen Fifa geschafft haben.

„Es herrschte eine Volksfeststimmung wie bei der WM 2006.“
Jens Jockel, Conifa-Direktor

2013 wurde der als spleeniger Haufen belächelte Weltverband in Schweden gegründet und begann den fußballerisch Unterprivilegierten eine Heimat zu geben. Heute zählt die Conifa quer über den Globus 54 Mitglieder. Von Darfur bis Grönland, von Abchasien bis Tuvalu, von Nord-Zypern bis Padanien, von den Chagos Islands bis Matabeleland.

Diskussion um Phantom-Tor beim Finale Süd-Ossetien gegen West-Armenien.

Europameister in Berg-Karabach wurde Süd-Ossetien nach einem 1:0 über West-Armenien. Die meisten dieser Namen hatte Jockel nicht gehört, als er kurz nach der Gründung dem deutschen Generalsekretär Sascha Dürkop bei einem Forum über den Weg lief. Die exotische Welt des Nicht-Fifa-Fußballs fixte den Ex-Stürmer des VfL Lennep, RSV Hückeswagen und der SG Hackenberg an. Wenig später hatte Jockel seinen ersten Posten im Verband: Direktor für Südamerika.

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Ein wenig begehrtes Ehrenamt, das mit teuren Reisen, aber geringer Aufwandsentschädigung bis heute verbunden ist. Mittlerweile hat Jockel den Kontinent gewechselt und betreut Asien. Begründung: „Mein Vorgänger hat nichts getan, aber für die Conifa ist Asien als zweitgrößter Kontinent deutlich ausbaufähig.“

Im Winter 2020/21 will Jockel ersten Asien-Cup mit auf die Beine stellen

Im Februar besuchte der Absolvent eines Sportmanagement-Studiums die Exilgemeinde der Rohingya, der verfolgten muslimischen Minderheit Myanmars, in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur. Die, so notierte Jens Jockel erstaunt, „haben dort ihre eigene Champions-League gegründet“. Im Winter 2020/21 will die Conifa einen 1. Asien-Cup in Kuala Lumpur mit den Rohingya ausrichten.

Wer Mitglied in dem illustren Verband wird, obliegt einem Kriterienkatalog, von dem Jockel einräumt, dass „nicht alles ausdefiniert ist“. So wurde die nordenglische Grafschaft Yorkshire nach knapper Entscheidung der Führungsriege in die Conifa aufgenommen. Warum, erschließt sich Laien beim besten Willen nicht. Yorkshire bezeichnet sich zwar gerne als „God’s Own County“, aber an fußballerischer Unterversorgung mangelt es nicht.

Seit 2015 hat Jens Jockel sechs Europa- und Weltcups begleitet. „Vom sportlichen Niveau, dem Zuschauerinteresse und der Organisation war Berg-Karabach das beste in unserer Historie“, vergleicht er. „Das Turnier mit seinen acht Teams war eine Werbung für das Land wie die Conifa.“ Die von einigen Fehleinschätzungen geprägte WM 2018 in London fand unter Regie der Conifa statt, mittlerweile ist sie in die Hände des jeweiligen Gastgeberlandes gelegt, das für Hotels, Transfers, Ausrüstung und Infrastruktur Sorge trägt. Die Flüge zahlen die Teilnehmer, auch der Conifa-Board.

NÄCHSTE CONIFA-WM

2020 Im kommenden Jahr wird die 4. Conifa-WM erstmals auf afrikanischem Boden in Somaliland (ehemalige Kolonie Britisch-Somaliland, heute autonome Region) im Norden Somalias ausgetragen. Wie groß das Turnier ausfällt, ist völlig offen. Oft entscheiden qualifizierte Mitglieder erst wenige Tage vor Beginn, ob sie eine Mannschaft zusammenbekommen und die finanziellen Mittel aufbringen.

Das dicke Minus, das die WM 2018 gerissen hatte, ist gestopft. Glückliche Fügung: Die Conifa fand mit Sportwettenanbieter Sportbets.io einen Hauptsponsor, der dieses Jahr, so Jockel, der Conifa mit 120 000 Euro unter die Arme greift. Nächstes Jahr soll die Förderung verdoppelt werden. Einher geht die Hoffnung, dass nach dem Generalsekretär später Asien-Direktor Jens Jockel, der sich momentan am IST-Studieninstitut in Düsseldorf fußballerisch in Spielanalyse & Scouting weiterbildet, ein kleines Gehalt für seine Dienste beziehen könnte.

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