Jeckes Publikum hat Nachholbedarf

Rosenmontag: Feiern ohne Festzelt

Drei Jahre ist es her, dass letztmals ein Rosenmontagszug durch Lennep führte.
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Drei Jahre ist es her, dass letztmals ein Rosenmontagszug durch Lennep führte.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Der Ordnungsamtschef erwartet mehr Arbeit als üblich.

Remscheid. Erstmals seit 2020 geht am 20. Februar der Rosenmontagszug in Lennep über die Bühne. Ordnungsamtsleiter Arndt Liesenfeld erwartet einen Einsatz, der zur Herausforderung werden könnte. „Wir rechnen mit mehr Arbeit als üblich, weil so mancher ein bisschen was nachholen möchte“, spielt er auf die närrische Zwangspause an, die Corona verursacht hat. Liesenfeld zeigt sich gewappnet: „Wir haben noch mehr Kolleginnen und Kollegen Einsatz als an Rosenmontag gewöhnlich.“ Auf mehr als 30 Mitarbeitende beziffert er das Team vom Kommunalen Ordnungsdienst. Hinzu gesellen sich Einsatzkräfte der Polizei, vom Gesundheits- und Jugendamt.

Nicht nur die Pandemie macht den Zug 2023 zur Besonderheit, der um 14.11 Uhr startet. Es wird in diesem Jahr kein Festzelt geben, in dem Interessierte im Anschluss an die Großveranstaltung feiern können. Die Jecken haben stattdessen Gelegenheit, Gaststätten anzusteuern, erklärt der Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft Gunther Brockmann. Es habe in Lennep zwar „leichte Ansätze“ gegeben, eine Freiluftparty in der Altstadt steigen zu lassen. „Aber wenn dort richtig was los ist, sind wir schnell bei den Sicherheitsbestimmungen, die auch beim Weinfest gelten.“ Dabei ist wegen der Enge in den Gassen der Altstadt genau geregelt, wie viele Besucher zugelassen werden. Beim Winzertreff im vergangenen Jahr waren es 2600, was durch einen Kartenvorverkauf gesteuert wurde.

„Wir planen, auch diesmal wieder, den Hardtpark am Abend auszuleuchten.“

Arndt Liesenfeld, Ordnungsamt, über eine Vorsichtsmaßnahme

In der Vergangenheit hatte Brockmann an den vielfältigen Zugängen zur Altstadt auch schon mal Mitarbeitende im Einsatz, die Gäste zählten. War die Maximalzahl erreicht, mussten Interessierte warten, bis Besucher die Veranstaltung verließen, um dann nachzurücken. „Das wäre Rosenmontag ein Riesenaufwand für die paar Stunden, in denen was los ist“, erklärt Gunther Brockmann, der mit seinen Mitstreitern nach dem Zug in der Gaststätte Alt-Lennep an der Kölner Straße noch feiern will.

Anlaufstellen in der Altstadt sind derweil rarer gesät als in der Vergangenheit. Manche, wie die Traditionsgaststätte Kölner Hof, gibt es nicht mehr. Der Kirchenwirt setzt laut Facebook auf Kartenvorverkauf. Das Team vom König von Preußen ist derweil am Bismarckplatz im Einsatz, wo es einen Getränke- und Imbisswagen aufbaut. „Wir werden vermutlich an dem dortigen Kiosk gegen 11 Uhr öffnen und länger da sein als üblich, bis etwa 18 Uhr“, kündigt Wirt Edmund Joska an, der vermutet, dass nicht die Lenneper Altstadt nach dem Zug zum Treffpunkt wird – sondern der Hardtpark.

Dort war es 2017 zu tumultartigen Szenen gekommen. Im Alkoholrausch warfen Randalierer Flaschen und Steine auf Ordnungskräfte – und hinterließen Schneisen der Verwüstung. „Wir planen, auch diesmal wieder, den Hardtpark am Abend auszuleuchten“, erklärt Arndt Liesenfeld. Dabei arbeitete die Stadtverwaltung zuletzt immer wieder mit dem Technischen Hilfswerk zusammen.

Der Behördenchef glaubt nicht, dass es nach dem Zug zu großem Frust kommt, weil mit dem Festzelt die Anlaufstelle für Partybummler fehlt. Die After-Zoch-Fete habe aus seiner Sicht vor allem auswärtige Gäste angelockt. „Und die werden diesmal vermutlich gar nicht erst nach Lennep kommen.“ Zur Schaltzentrale für sein Team wird wieder das Röntgen-Museum. „Im Vordergrund unserer Arbeit steht ja der Jugendschutz,“ erklärt der Behördenleiter das Zusammenspiel mit Kollegen aus dem Rathaus. So werden alkoholisierte Jugendliche von Ärzten aus dem Gesundheitsamt versorgt, ehe sie von Mitarbeitenden des Jugendamts ins Elternhaus begleitet werden.

Veranstaltungsfläche

Der Vorsitzende der Lenneper Karnevalisten Gunther Brockmann zeigt sich nach wie vor mit der Veranstaltungsfläche am Lenneper Bahnhof nicht einverstanden. Dort hatte das Festzelt des Vereins im Zuge der Planungen für das Designer-Outlet-Center seinen Standort erhalten. Ausdrücklich begrüßt er die Überlegungen, wonach Investoren eine Mehrzweckhalle am Röntgen-Stadion errichten könnten. Diese käme auch für Partys der Karnevalisten infrage.

Standpunkt von Frank Michalczak: Feiern oder nicht?

frank.michalczak@rga.de

Nicht jeder begrüßt es, dass in Zeiten wie diesen ausgelassen Karneval gefeiert wird. Partystimmung passt aus Sicht der Kritiker nicht zum Krieg in der Ukraine, wo seit fast einem Jahr so viele Menschen unerträgliches Leid erfahren. Andererseits: Wäre es richtig, wenn uns Putin jedwede Freiheit raubt? Ganz sicher nicht. So sollte es auch 2023 eine persönliche Entscheidung sein, ob man sich nun in den närrischen Trubel stürzt – oder darauf verzichtet. Das aber gilt auch für Zeiten, in denen Frieden in Europa herrscht. Karneval ist alle Jahre wieder eine Angelegenheit, zu der es vielfältige Meinungen gibt.

Diesmal aber klaffen die Ansichten und Gefühlswelten noch weiter auseinander – zwischen der großen Sehnsucht nach ein bisschen Unbeschwertheit nach der langen Phase der Pandemie und der tiefen Traurigkeit, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. So oder so: Diese Karnevalssession wird eine besondere sein.

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