Wirtschaft in Corona-Zeiten

H2O nutzt die unfreiwillige Auszeit

Ein ungewohntes Bild: Betriebsleiter Christian Liese steht in einem der leeren Schwimmbecken im H2O. Fotos: Roland Keusch
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Ein ungewohntes Bild: Betriebsleiter Christian Liese steht in einem der leeren Schwimmbecken im H2O.

Für den Sommer geplante Arbeiten im H2O und auch im Sportbad am Park konnten vorgezogen werden. Das entzerrt die Lage, wenn der Betrieb wieder starten darf.

  • Handwerker arbeiten mit Hochdruck, aber mit Mindestabstand.
  • Die meisten Mitarbeiter des H2O befinden sich in Kurzarbeit.
  • Konzept für die Zeit nach der Schließung wird bereits erarbeitet.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Direkt nach Dienstbeginn und kurz vor Feierabend tritt Christian Liese täglich kurze Kontrollrunden durch das H2O an. „Momentan habe ich dabei ein komisches Gefühl. Es ist fast ein wenig gespenstisch“, sagt der Betriebsleiter des Freizeitbades in Lennep. Denn wo normalerweise reger Betrieb herrscht, plätschert derzeit nicht einmal das Wasser. Aufgrund der Corona-Krise müssen die Tore des beliebten Ausflugsziels am Hackenberg geschlossen bleiben. Die Zeit nutzen die Verantwortlichen, um die 1996 eröffnete Anlage auf Vordermann zu bringen.

„Ruhe haben wir eigentlich nie. Wir müssen bei Wartung, Pflege und Instandhaltung permanent am Ball bleiben“, erklärt Liese. Viele Aufgaben und Probleme seien im laufenden Betrieb zu lösen. Doch nicht alle.

Das Wasser wurde abgelassen, damit Fliesen und Fugen erneuert werden können.

Deshalb muss das H2O alle paar Jahre unmittelbar nach den Sommerferien für wenige Wochen schließen. Zuletzt war das 2017 der Fall. In diesem Jahr sollte es wieder soweit sein: Für den Sommer war diese sogenannte Revision vorgesehen. „Wir sind froh, dass wir viele der geplanten Arbeiten vorziehen und die aktuelle Schließung so wenigstens produktiv nutzen können“, sagt Liese. Auch den meisten Handwerksunternehmen käme der Auftrag in der derzeitigen Lage entgegen. Rund 90 Prozent können die für den Spätsommer vorgesehenen Arbeiten vorziehen.

An vielen Stellen des Sauna- und Badeparadieses sind die Gewerke derzeit mit ausreichendem Sicherheitsabstand im Einsatz. „Den Großteil machen Maler-, Fliesen- und Fugenarbeiten aus“, sagt der 57-jährige Christian Liese. So erhalten etwa Teile des Eingangsbereichs einen neuen Anstrich – ebenso wie andere abgenutzte Stellen im Bad. „Unsere Gäste wollen vor allem Sauberkeit und Sicherheit. Daran arbeiten wir.“

Die Ruhe, die trotz der anwesenden Handwerker derzeit im H2O herrscht, ist beeindruckend. Besonders ungewohnt ist das Bild, das die Becken bieten: Sie sind komplett leer. Das ermöglicht den Arbeitern, kaputte Fliesen zu identifizieren und auszutauschen. Meist geht es dabei um punktuelle Maßnahmen. Einzig im Natursole-Außenbecken müssen Liese zufolge großflächig Fliesen ausgetauscht werden. Rund fünf Kilometer Silikonfugen sind nach der Revision ausgetauscht, schätzt der Diplom-Sportwissenschaftler.

Hinzu kommen allerlei Einzelmaßnahmen. Teile des Außenbereichs haben unter anderem ein neues Pflaster erhalten. Das Sport-Außenbecken beleuchten fortan energiesparende LED-Leuchtmittel. Auch die Technik sowie die Sauna- und Wellnessbereiche erhalten eine punktuelle Überarbeitung und Gartenbauer sind im Einsatz. „Die Arbeiten sind insgesamt sehr aufwendig. Das H2O hat eine Grundfläche von 30 000 Quadratmetern mit vielen unterschiedlichen Bereichen. Das steigert die Komplexität“, erklärt Christian Liese.

Der finanzielle Schaden, den die Schließung auslöst, ist hoch

Vor diesem Hintergrund habe die derzeitige unfreiwillige Auszeit auch einen positiven Effekt. Man stehe nicht so unter Zeitdruck wie normalerweise bei der Revision. „Das ist eine einmalige Chance, weil Fugen und Mauerwerk richtig austrocknen können. Wir machen aus der Not eine Tugend“, sagt Christian Liese.

Dennoch macht der Betriebsleiter, der diese Position seit 2011 innehat, keinen Hehl daraus, wie schwierig die aktuelle Situation aus wirtschaftlicher Sicht ist. Die aktuellen Investitionen im niedrigen sechsstelligen Bereich waren zwar eingeplant. Die wegbrechenden Einnahmen dagegen nicht.

Symbolträchtig: Die Stühle sind hochgestellt, der Betrieb am Hackenberg ruht.

„Jeder Tag, an dem wir keine Gäste haben, schmerzt uns“, sagt Liese. Ein Großteil der mehr als 100 Mitarbeiter – darunter viele Teilzeitstellen mit Aushilfskräften – befindet sich in Kurzarbeit.

Deshalb fiebern der 57-Jährige und seine Kollegen dem Zeitpunkt entgegen, an dem sie ihr Bad wieder öffnen können. Liese rechnet damit, dass im Mai die meisten Arbeiten abgeschlossen sind. Ab dann warte man auf den Startschuss, das Bad wieder auf den täglichen Betrieb vorbereiten zu können. Bis der gefallen ist, bleibt etwa das Außenbecken leer: „Das Wasser umzuwälzen, wäre verschwendete Energie.“

Liese vermutet, dass die Nachfrage nach Freizeitangeboten nach Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen groß sein wird. Um den Gästen im Falle des Falls gerecht werden zu können, erarbeitet er bereits jetzt Konzepte, wie man mit möglichen Vorgaben wie begrenzten Kapazitäten umgehen könnte. „Wir wollen vorbereitet sein.“ Technisch trifft das auf das H2O nach der Revision jedenfalls zu. Christian Liese rechnet damit, dass die nächste revisionsbedingte Schließung erst in drei Jahren fällig wird.

Zuletzt hatte Christian Liese über gestiegene Besucherzahlen für das H2O und das Sportbad berichtet: Im vergangenen Jahr kamen mehr als eine halbe Million Schwimmer.

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