Mitarbeiter mit Handicap

Lebenshilfe-Café: Gastgeber sind mit Start zufrieden

lm Einsatz für die Gäste: Jaqueline Hiltmann, Jörg Peschke, Aline Hellhammer, Stefanie Franz und Jerrit Bennert (v. l.).Foto:Michael Schütz
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lm Einsatz für die Gäste: Jaqueline Hiltmann, Jörg Peschke, Aline Hellhammer, Stefanie Franz und Jerrit Bennert (v. l.).
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Mitarbeitende der Initiative für Menschen mit Behinderung servieren am Alten Markt Kaffee und Kuchen.

Remscheid. Mitarbeitende der Lebenshilfe servieren seit sechs Monaten Kaffee, Kuchen und Co. in einer neuen Gaststätte im Herzen der Lenneper Altstadt. Der Start sei trotz schwieriger Rahmenbedingungen geglückt, berichtet Geschäftsführer Jerrit Bennert. „Wir sind mit dem Zuspruch sehr zufrieden. Dabei mussten auch wir in den vergangenen Monaten immer neue Corona-Schutzregeln berücksichtigen, den Impfstatus der Gäste kontrollieren und die Maskenpflicht für unser Team beachten“, erklärt er mit Blick auf die erste Phase im Café achtsam, in dem das kulinarische Spektrum mittlerweile erweitert wurde. Wer möchte, kann nun auch ein Frühstück genießen oder eine Quiche für den kleinen Hunger zwischendurch bestellen.

Ich mag den Kontakt zu den Menschen. Und die allermeisten Gäste sind sehr nett.

Mitarbeiterin Stefanie Franz

Für den entsprechenden Service sorgen elf Beschäftigte mit Beeinträchtigung, die sich für die Arbeit im Café entschieden haben. Sie wechselten aus anderen Arbeitsbereichen der Lebenshilfe in die Gastronomie. So auch Stefanie Franz, die wie ihre Kollegen im Schichtbetrieb arbeitet. „Mal habe ich Früh-, mal Spätdienst. Und alle drei Wochen arbeite ich samstags.“ Dass sie sich beruflich neu orientierte, habe sie nicht bereut: „Ich mag den Kontakt zu den Menschen. Und die allermeisten Gäste sind nett, nur wenige sind komisch“, sagt Stefanie Franz.

An ihrer Seite weiß sie ein Team aus hauptamtlichen Mitarbeitern der Lebenshilfe. Sie kümmern sich um die Beschäftigten mit Handicap und achten im laufenden Betrieb darauf, dass sie nicht überfordert werden. Als Koordinatorin ist Jaqueline Hiltmann im Einsatz, die sich über angenehme Begegnungen zwischen den Mitarbeitenden und den Besuchern freut. „Es ist ein schönes Aufeinandertreffen, ohne Vorbehalte“, schildert sie die besondere Atmosphäre im Café achtsam, mit dem die Remscheider Lebenshilfe Neuland betrat. Denn die Beschäftigten wirken ansonsten eher im Verborgenen – etwa in den Werkstätten, wo sie mit Montage, mit Verpackungsarbeiten oder mit Metall- und Holztätigkeiten betraut sind. „Mit dem Café gehen wir in die Öffentlichkeit“, erklärt Bennert. „Und da spielt es eine untergeordnete Rolle, ob sie damit Geld verdienen. Wir wollen unsere Arbeit nach außen tragen.“

Und das funktioniert durch das Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen Teammitgliedern. Konditormeisterin Marlen Peters sorgt für die Torten und Kuchen, die sie in der Küche der Lebenshilfe am Standort Thüringsberg herstellt. Ein Koch zählt ebenso zur Belegschaft wie zwei Teilzeitkräfte, darunter ein Sozialarbeiter.

Außengastronomie: Mehr Tische an der frischen Luft geplant

Sie alle sind Ansprechpartner für die Mitarbeitenden im Service, die zwischen Kuchentheke und den Tischen unterwegs sind, wo sie die Bestellungen aufnehmen. So wie Stefanie Franz, die eine persönliche Empfehlung parat hat: Käsekuchen. „Den mag ich am liebsten“, erklärt sie über das Angebot im Café achtsam, das auch einen ganz besonderen Kaffeegenuss verspricht.

Dafür zuständig ist Alfonso Crespo, der in Lennep eine Kaffeerösterei betreibt und im Café eine Röstmaschine in Betrieb genommen hat. „Es waren ja Vorführungen für Gruppen geplant. Leider mussten sie wegen der Pandemie bis jetzt entfallen“, bedauert Jerrit Bennert, der in den kommenden Monaten einen Akzent auf die Außengastronomie legen und das Platzangebot von momentan zwei Tischen am Alten Markt erweitern will.

Dazu sei auch ein Sonnenschutz in Planung. „In Absprache mit der Denkmalbehörde,“ wie er anmerkt. Schließlich befindet sich das Café in einem historischen Gebäude, das in der Phase nach dem Stadtbrand von 1776 errichtet wurde. Die Lebenshilfe hat ihm neues Leben eingehaucht.

Hintergrund

Die Lebenshilfe beschäftigt an drei Standorten in Remscheid rund 520 Menschen mit Beeinträchtigungen. 140 Bewohnern bietet sie zusätzlich ein Zuhause in unterschiedlichen Betreuungsformen, von der Wohngruppe bis zur vollstationären Anlage. Zudem betreibt sie zwei Kindergärten und ist Arbeitgeber für rund 400 Mitarbeitende, die auf vielfältige Art für den Verein im Einsatz sind – ob als Therapeut, als Sozialarbeiter oder als Verwaltungskraft.

Öffnungszeiten im Café achtsam, Alter Markt 8: montags bis freitags 9 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 16 Uhr

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