FC Remscheid soll sich bekennen

Lennep-Konferenz: Röntgen-Stadion löst Kontroverse aus

Das Röntgen-Stadion und die anderen fürs DOC vorgesehenen Flächen sollen weiterhin verkauft werden, um die bisher entstandenen Kosten zu decken. Archivfoto: Roland Keuch
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Das Röntgen-Stadion und die anderen fürs DOC vorgesehenen Flächen sollen weiterhin verkauft werden, um die bisher entstandenen Kosten zu decken. Archivfoto: Roland Keuch
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Bei der Lennep-Konferenz drehte es sich um die Zukunft der Sportstätte. Der FC Remscheid soll sich bis Ende 2022 zum Kauf bekennen.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Noch im Laufe dieses Jahres soll sich der Vorstand vom FC Remscheid dazu bekennen, ob der Club mit Hilfe von Investoren in der Lage ist, das Röntgen-Stadion zu kaufen und zu sanieren. Und: Dazu müsse es ein klares Finanzierungskonzept geben, erklärte OB Burkhard Mast-Weisz (SPD) bei der zweiten Lennep-Konferenz im Röntgen-Gymnasium. Dabei wurden an diesem Samstag erneut Perspektiven für die Flächen gesucht, auf denen das Designer Outlet Center (DOC) entstehen sollte. „Die Menschen in Lennep benötigen Gewissheit, wohin die Reise geht“, fügte der OB hinzu. 2023 will er dem Stadtrat „realistische Vorschläge“ unterbreiten, was aus der Sportstätte, dem Jahn- und dem Kirmesplatz werden soll.

Im Röntgen-Gymnasium ging es um die Zukunft Lenneps.

Und genau darum drehte sich die Konferenz im Röntgen-Gymnasium, wo sich rund 50 Interessierte einfanden, um über diverse Schwerpunkte zu diskutieren – von der Mobilität der Zukunft bis zum Thema Städtebau. Höchst emotional ging es bei der Frage zu, welche Zukunft das Stadion hat. Hin und her flogen die Argumente jener, die an der Sportstätte festhalten wollen, und jener, die auf den immensen Sanierungsbedarf und der Nachfrage nach neuem Wohnraum in Lennep hinwiesen.

Gunther Brockmann, Vorsitzender der Lenneper Karnevalisten, sprach von Chancen, einen Investor fürs Stadion zu gewinnen. Außerdem könne eine Kontaktaufnahme mit NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) nicht schaden. „Um möglicherweise von Förderprogrammen zu erfahren, die für das Stadion infrage kämen.“ So oder so: Es müsste ein zweistelliger Millionenbetrag her, um Überlegungen zu verwirklichen, die Sportstätte von der Stadt zu kaufen und dann zu sanieren, wobei Brockmann zusätzlich den Bau einer Multifunktionshalle ins Gespräch brachte.

„Die Menschen in Lennep benötigen Gewissheit, wohin die Reise geht.“

OB Burkhard Mast-Weisz

Für den Erhalt des Röntgen-Stadions müsste jedoch ein neuer Ratsbeschluss her. „Vor eineinhalb Jahren wurde die Entscheidung getroffen, es anderweitig zu vermarkten und die Anlage in Hackenberg für den Schulsport auszubauen“, blickte der OB zurück. Seine sportliche Heimat soll der FC Remscheid im Stadion Reinshagen finden, das so ausgebaut wird, dass es die Bedingungen für eine mögliche Spielzeit in der Regionalliga erfüllt.

Und so sammelten die Mitarbeiter des Fachbüros Stadtguut mit Sitz in Bochum dann Ideen für den Fall, dass das Röntgen-Stadion verschwindet. Neben Wohnformen in unterschiedlicher Ausgestaltung könne auch Kleingewerbe entstehen, Raum für Existenzgründer und Möglichkeiten für Sport und Bewegung, kristallisierte sich bei der Diskussion heraus. Aber auch ein Schulbau kam ins Gespräch. „Wenn doch Familien mit Kindern hierhinziehen, dürfte doch der Bedarf wachsen“, erklärte Klaus Kreutzer, Vorsitzender des Verkehrs- und Fördervereins, der den Verdacht hegte, dass alles doch schon entschieden sei – mit der klaren Stoßrichtung auf ein Wohngebiet. Das sei ganz und gar nicht der Fall, hob der Oberbürgermeister bei seinem Schlusswort am Ende der dreistündigen Veranstaltung hervor. „Es wäre ein Leichtes gewesen, die Flächen an Investoren zu verkaufen – insbesondere vor den Leitzinserhöhungen. Zudem hat es Anfragen gegeben, großflächigen Einzelhandel anzusiedeln.“

Stattdessen sollen die Lenneperinnen und Lenneper weiter Ideen für die Zukunft ihres Orts einbringen. Und: Auch wenn die Debatte darüber nicht jahrelang geführt werden dürfe, benötige sie doch Zeit: „Wir haben zehn Jahre über das Outlet-Center diskutiert, dann kann nicht in 14 Tagen entschieden werden, was anstelle des DOC entstehen soll“, stellte Burkhard Mast-Weisz heraus. Eine Fortsetzung der Debatte folgt: Für Anfang 2023 ist eine weitere Lennep-Konferenz vorgesehen.

Schülerdebatte

Auch die Kinder hatten in Lennep das Wort: Rund 40 Mädchen und Jungen aus unterschiedlichen Schulformen diskutierten zuletzt über die Zukunft ihres Heimatorts. Dabei wurde unter anderem ihr Wunsch nach mehr zentralen Treffpunkten sowie Spiel- und Sportarealen deutlich.

Standpunkt von Frank Michalczak: Gereiztheit nimmt zu

frank.michalczak@rga.de

Die Lennep-Konferenz hinterlässt ein diffuses Bild: Denn noch immer ist nicht klar, ob das Röntgen-Stadion eine Zukunft als Sportstätte haben oder anderen Zwecken zugeführt wird. Aber genau dies ist wesentlicher Teil konkreter Überlegungen, wie sich der Ort wandeln soll – nach zehn Jahren Planerei für ein Outlet-Center, das es nicht geben wird.

Auch diese Unsicherheit mag dazu beigetragen haben, dass es nicht nur konstruktive Debatten gab, sondern, dass zum Teil die Nerven blank lagen – auch bei einem Moderator des zuständigen Fachbüros, der nach kritischen Anmerkungen lautstark die Stimme erhob und zur Disziplin beim Meinungsaustausch aufrief. Dies spiegelte eine Gereiztheit wider, die dem weiteren Prozess nicht guttut. Die Diskussion muss auf der Basis einer klaren Ausgangsposition geführt werden, die es aber nach Lage der Dinge erst Ende 2022 geben wird. Bis dahin muss sich der FC Remscheid bekennen, ob er zu dem Millionending in der Lage ist, das Stadion zu kaufen.

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