Interview

Kötter beklagt mangelnde Dynamik nach DOC-Aus

Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) hofft auf Impulse für Lennep – unter anderem durch einen städtebaulichen Wettbewerb für die Flächen, auf dem das Designer Outlet Center geplant war.
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Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) hofft auf Impulse für Lennep – unter anderem durch einen städtebaulichen Wettbewerb für die Flächen, auf dem das Designer Outlet Center geplant war.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Lenneps Bezirksbürgermeister gibt einen Ausblick auf 2023 – Er lobt die Pläne für einen städtebaulichen Wettbewerb.

Seit fast einem Jahr steht fest, dass Lennep kein Outlet-Center erhält. Wie würden Sie die Lage und die Stimmung im Ort beschreiben, Herr Kötter?

Markus Kötter: Nach der Entscheidung herrschte zunächst einmal bei vielen Menschen große Enttäuschung, dass es nach dem Aus für das Center wichtige Impulse für Lennep und die Region nicht geben wird. Dann schlug das Ganze in ein „Jetzt packen wird das an“ um. Leider konnten die Lennep-Konferenzen nicht dazu beitragen, Dynamik zu entwickeln. Im Gegenteil: Es fehlt die Initialzündung. Nach zwei Lennep-Konferenzen habe ich ein Eindruck, dass diese Bürgerbeteiligung zwar das passende Format ist, aber nicht passend umgesetzt wird.

Für die Outlet-Flächen, also für den Jahn- und Kirmesplatz sowie das Röntgen-Stadion, soll es 2023 einen städtebaulichen Wettbewerb geben. Was halten Sie denn davon?

Kötter: Ein solcher Wettbewerb ist spannend, weil sich unterschiedliche Architektenbüros Gedanken machen, was dort planerisch und gestalterisch entstehen kann. Vielleicht kommen da Dinge heraus, die wir uns aus jetziger Sicht noch gar nicht vorstellen können. Außerdem bringen die Büros ja häufig interessierte Investoren und Kontakte mit. Für mich war es aber zunächst wichtig, zu erfahren, was die Bürgeinnen und Bürgern an Ideen vorschlagen. Es ist schade, dass so wenige bei den bisherigen Lennep-Konferenzen teilgenommen haben. Wenn es um das Röntgen-Stadion geht, müssen wir berücksichtigen, dass der FC Remscheid dort seine sportliche Heimat behalten will. Dazu sind aber Investoren nötig. Die Stadt muss die Fläche vermarkten – um die Erschließungsmaßnahmen für Jahn- und Kirmesplatz finanzieren zu können. Aus meiner Sicht sollten dort nicht nur Wohnhäuser und kleine Gewerbebetriebe entstehen, sondern auch Freiflächen für die Freizeit, zum Beispiel ein Veranstaltungsplatz für Zeltfeste, der unterjährig aber auch anderweitig genutzt werden kann.

Der Autoverkehr in der Altstadt wird ganz sicher 2023 Thema. Wie ist denn Ihre Meinung dazu? Sollen Autos verbannt werden?

Kötter: Ich halte es für richtig, die Betroffenen an einen runden Tisch zusammenzuführen, also Anwohner, Geschäftsleute und Besucher, um über das Für und Wider zu diskutieren. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir seit Ende der 80er Jahre darüber diskutieren. Und wir werden dabei nur erfolgreich sein, wenn wir möglichst viele Leute mitnehmen. Von daher wäre jetzt eine vorschnelle Festlegung von mir falsch.

Es wird viel von Klimawandel gesprochen und von Maßnahmen, wie ihm zu begegnen ist. Sind da nicht die geplanten Gewerbegebiete auf den Erdbeerfeldern und am Gleisdreieck endgültig aus der Zeit gefallen?

Kötter: Zumindest sinkt die Akzeptanz in der Bevölkerung. Neue Flächen sind nötig, sie müssen aber so umweltverträglich wie nur möglich sein. Und da frage ich mich, warum angesichts des Mangels an Gewerbegrundstücken so viele Jahre nichts passiert ist. Zeit hätten OB Beate Wilding und OB Burkhard Mast-Weisz doch genug gehabt. Ich habe zum Beispiel lange nichts vom Gleisdreieck in Bergisch Born gehört. Passiert ist bis auf Ankündigungen nichts.

Sie haben immer wieder das Stadtmarketing kritisiert, das die Lenneper Vereine nicht genügend unterstütze. Was erwarten Sie eigentlich vom Team der Verwaltung?

Kötter: Es darf nicht sein, dass die Vereine, die ja ehrenamtlich für Veranstaltungen sorgen, bei der Verwaltung vor die Pumpe laufen. Sie benötigen stattdessen Unterstützung bei den Genehmigungsverfahren und müssen mit offenen Armen bei der Verwaltung empfangen werden. Es geht aber auch um die Frage, wie Remscheid für sich werben will und darum, wie sich die Stadt zu einer eigenen Marke entwickelt – auch um potenzielle Investoren auf Remscheid aufmerksam zu machen.

Gleich drei externe Planungsbüros sollen für Lennep neue Perspektiven finden - für die Kölner Straße ebenso wie für die Altstadt und die ehemaligen DOC-Flächen. Können hier viele Köche den Brei verderben?

Kötter: Diese Gefahr besteht, wenn die einzelnen Aufgaben bei der Stadtverwaltung nicht koordiniert werden. Sie muss verhindern, dass sie aneinander vorbeireden oder planen. Ihre Arbeit muss miteinander verzahnt werden. Wir werden in der Bezirksvertretung nochmals nachfragen, wer sich denn bei der Stadtverwaltung darum eigentlich kümmert.

Sie sind seit 2022 wieder Bezirksbürgermeister in Lennep und gleichzeitig auch Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat. Wie sehr würde Sie denn eigentlich das OB-Amt reizen? 2025 stehen ja wieder Wahlen an.

Kötter: Also, diese Frage kommt ja nun doch sehr früh. So viel kann ich aber sagen: Ab und zu bin ich vom Amtsinhaber etwas gereizt, und ab und zu wirkt er gereizt. Von daher ist es ganz sicher ein reizvolles Amt.

Zur Person

Der 44-Jährige war bereits von 2014 bis 2020 Lenneps Bezirksbürgermeister – und ist es seit 2022 erneut, nachdem er die Nachfolge von Rolf Haumann (Grüne) antrat. Der CDU-Politiker ist Vater eines Sohnes.

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