Mini-Club

Kinder führen Kinder durchs Röntgen-Museum

Der zehnjährige Ole (r.) führte die jungen Besucher und Besucherinnen nebst Papa und Oma durchs Röntgen-Museum
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Der zehnjährige Ole (r.) führte die jungen Besucher und Besucherinnen nebst Papa und Oma durchs Röntgen-Museum

Die Mädchen und Jungen ließen sich im Rahmen des Mini-Clubs von Gleichaltrigen allerlei über Wilhelm Conrad Röntgen erzählen und erfuhren so unter anderem, wo der Nobelpreisträger seine Schokolade versteckt hatte.

Von Sabine Naber

Remscheid. Mit Ole (10), Julius (11) und Manuel (14) standen am Sonntagnachmittag drei junge Museumsprofis bereit, um Kinder – auf Augenhöhe – durchs Röntgen-Museum zu führen.

Los ging es im Nobelpreisraum. „Was wisst ihr schon über Wilhelm Conrad Röntgen“, war die erste Frage, die Julius an die sieben Mädchen und Jungen richtete. Stille. „Das ist nicht viel“, schmunzelte der junge Experte und erzählte mit Blick auf das Wandbild, das Röntgen bei der Verleihung in Stockholm zeigt, dass er den Nobelpreis für Physik im Dezember 1901 vom schwedischen König überreicht bekommen hat. „Hier seht ihr den Anzug, den Röntgen getragen hat“, hieß es beim Blick in die Vitrine. „Und hier einen Schal, den seine Frau für ihn gestrickt hat.“

Röntgen-Museum: Vom Labor ging es ins Arbeitszimmer des Physikers

„Jetzt sind wir in der Schweiz oder im Hobbyraum von Röntgen“, sagte Ole. Zu sehen waren an den Wänden die Schweizer Berge und in den Vitrinen ein Jagdgewehr und Kameras. „In der Kiste, in der er seine Filme transportierte, hat er auch Zigarren geschmuggelt. Der Zoll durfte sie ja nicht öffnen, denn sonst wären die Filme nicht mehr zu gebrauchen gewesen“, erzählte Ole. Und auch, dass Röntgens Neffen bei einer gemeinsamen Wanderung eine Schlange geärgert und verscheucht hatten. „Da hat er so mit ihnen geschimpft, dass sie nie wieder mit ihm gewandert sind.“

Die nächste Station war das Labor, in dem Manuel die Kinder auf die Apparatur mit der Glasröhre, dem Herzstück in der Mitte, aufmerksam machte. „Angeschlossen an Strom, fängt es an, blau zu leuchten. Und im Licht dieser Lampe führt Röntgen erst den Kristallen Licht zu, bevor seine Hand unter die Lampe geriet.

„Röntgen hat sofort seine Frau Anna Bertha gerufen und ihr gesagt, sie soll ihre Hand auf die Platte legen“, erklärte Manuel. Vom Labor ging es ins Arbeitszimmer des Physikers, in dem ein imposanter Kalender die wichtigen Daten aus Röntgens Leben festhält. Beispielsweise, dass er am 27. März 1845 geboren wurde: „Und zwar hier um die Ecke, am Gänsemarkt“, erzählte Manuel. Und fragte die Kinder, ob sie die Schubladen an der Bücherwand selbst öffnen und Fragen stellen möchten oder ob er entscheiden soll, was am spannendsten ist. „Du sollst sie aufmachen“, sagte Nikita (7).

Manuel zeigte den Tresor, in dem die Goldbarren lagen, und ließ die Kids raten, wo denn wohl das Schokoladenversteck Röntgens sein könnte. Schubladen wurden aufgezogen, unter dem Schreibtisch nachgesehen, die Bücherwand durchsucht – bis Jonas rief: „Ich hab’s gefunden.“

Manuel wies auf einen Kaminofen hin, in dem Briefe zu verglühen schienen. Röntgen habe viele Briefe bekommen. In einem habe ein Mann gebeten, ihm Röntgenstrahlen zu schicken, weil er Schmerzen in der Brust hatte. „Röntgen hat ihm geantwortet und gefragt, ob er ihm vielleicht seine Brust schicken könnte. Denn Röntgenstrahlen könne er nicht verschicken.“ Weitere Bittbriefe habe er dann ungelesen ins Feuer geworfen.

Weiter ging es über eine steile Steintreppe in den Keller des Museums. Hier wurde deutlich, dass Röntgen-Strahlen früher für alles Mögliche benutzt wurden. Mit Blick auf das Pedoskop erklärte Manuel: „Das ist ein Röntgengerät, durch das man erkennen kann, ob die Schuhe passen. Das stand früher in vielen Schuhgeschäften.“ Im Anatomieraum zeigte Julius auf ein Wandbild, auf dem ein Mann von Ärzten umringt ist. „Schwerverbrecher durften früher aus wissenschaftlichen Gründen aufgeschnitten und untersucht werden. Bei ehrlichen Bürgern war das nicht so einfach“, weiß der Museumsführer.

Weiter ging es zu einer Röntgenpraxis, die damals auch in den Kellern der Krankenhäuser untergebracht wurde. „Wer von euch ist schon mal geröntgt worden“, wollte Ole wissen. „Ich, beim Zahnarzt“, hieß es da. „Und ist der Arzt dabeigeblieben?“ „Nein, der ist rausgegangen.“

Das Röntgen-Museum

Das Deutsche Röntgenmuseum an der Schwelmer Straße in Lennep ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, montags geschlossen. Zu Führungen des Mini-Clubs wird jeweils am ersten Sonntag im Monat um
14 Uhr eingeladen. Für Kinder kosten sie einen, für Erwachsene zwei Euro. Schulen, Familien, Ferien- und Privatgruppen können Führungen unter Tel. 16 33 84 buchen.

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