RGA vor Ort

Lennep: Das „gallische Dorf“ ist Heimat für 24.000 Menschen

Der historische Kern, der nach dem letzten Stadtbrand im Jahr 1746 wieder aufgebaut werden musste, ist die Sehenswürdigkeit in Lennep. Seit 1929 ist die ehemalige Hansestadt Teil Remscheids.
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Der historische Kern, der nach dem letzten Stadtbrand im Jahr 1746 wieder aufgebaut werden musste, ist die Sehenswürdigkeit in Lennep. Seit 1929 ist die ehemalige Hansestadt Teil Remscheids.
  • Frank Michalczak
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In unserer Serie „RGA vor Ort“ wenden wir uns der ehemaligen Hansestadt zu. Es ist ein Stadtteil, der - mal wieder - vor großen Veränderungen steht.

Lennep. Wenn Wilhelm Conrad Röntgen heutzutage in seinen Geburtsort zurückkehren würde, käme er aus dem Staunen nicht heraus: Auf der grünen Wiese in Henkelshof stehen Hochhäuser. Wo es früher um den Alten Markt herum viele kleine Geschäfte gab, laden nun Gaststätten zum Verweilen ein. Vor allem würde er sich aber eine Frage stellen: Warum steht da auf den Zufahrtsschildern die Aufschrift „Remscheid, Ortsteil Lennep“?

Trotz Protestmärschen: 1929 wurde Lennep eingemeindet

Die Eingemeindung am 1. August 1929, sechs Jahre nach dem Tod des großen Wissenschaftlers, markiert noch heute einen Wendepunkt in der Geschichte der lange von der Textilbranche geprägten Hansestadt, in der Röntgen zur Welt kam: „Es gab Protestmärsche. Sie nutzten aber nichts, Lennep verlor nach der Entscheidung des preußischen Landtags seine Selbstständigkeit“, erklärt Klaus Kreutzer, Vorsitzender des Verkehrs- und Fördervereins, der einen Bogen zur Gegenwart spannt.

„Die Lenneper, das muss man sagen, sind ein eigenes Völkchen geblieben. Ein früherer RGA-Chefredakteur hat es mal als gallisches Dorf beschrieben. Das betrachte ich als Ritterschlag.“

Und tatsächlich sind es insbesondere unbeugsame Initiativen, die unverdrossen für die Interessen des Ortes kämpfen. Ob Verkehrs- und Förderverein, ob Lennep Offensiv, Pilgerfreunde oder die Karnevalsgesellschaft - sie alle halten die Fahnen der ehemaligen Hansestadt hoch, die neben Lüttringhausen vor 93 Jahren zum Stadtteil Remscheids wurde. „Damit wollten sich die damals Verantwortlichen in Remscheid eigentlich gar nicht zufrieden geben“, verweist Lennep-Kenner Lothar Vieler auf Dokumente im Stadtarchiv. „Sie interessierten sich auch für Wermelskirchen und Cronenberg.“

Hinweis: Die Einwohnerzahlen der einzelnen Teile Lenneps und mehr Details erfahren Sie, indem Sie sich mit dem Cursor über die Grafik bewegen.

Lennep: Prächtige Fassaden - Sitz großer Kaufmannsfamilien

Lothar Vieler ist als Nachtwächter Gustav om Hackenberg im Einsatz, um bei seinen Führungen Interessierten Wissenswertes über die Menschen zu berichten, die einst in der malerischen Altstadt und ihrem Umfeld lebten. Große Kaufmannsfamilien waren darunter, deren Wohlstand sich noch heute an den prächtigen Fassaden ablesen lässt. „Die Eingemeindung hat sich für Remscheid damals auch finanziell gelohnt“, blickt Vieler zurück.

Lothar Vieler sucht nach Übersetzern.

„Es hatte aber zuvor das Kunststück geschafft, innerhalb von 100 Jahren nach der frühen Industrialisierung seine Einwohnerzahl fast zu verdreißigfachen.“ Heute leben in Alt-Remscheid mit Hasten und dem Südbezirk zusammen rund 73.000 Bewohner, in Lennep sind es knapp 24.000 Menschen, wobei die Zahl in den vergangenen Jahren fast konstant geblieben ist.

Blick in die Zukunft: Große Baustellen - aber bisher keine echte Perspektive

Ihr Stadtteil steht aktuell vor einer großen Herausforderung: Jahrelang war die Stadtentwicklung darauf fokussiert, dass auf dem Gelände von Röntgen-Stadion, von Jahn- und Kirmesplatz das Designer Outlet Center (DOC) entstehen sollte. Nach diversen Gerichtsurteilen gegen den Bebauungsplan wird daraus nichts.

Klaus Kreutzer (l.) vom Verkehrs- und Förderverein. Thomas Schmittkamp von Lennep Offensiv.

Nun lautet der Arbeitstitel „Neue Quartiere Lennep“, den es mit Inhalt zu füllen gilt. Klaus Kreutzer kann dabei dem Begriff „Weichenstellung“ nichts abgewinnen. „Ich sehe keinen Zug, der sich auf das Gleis setzen lässt“, spielt er darauf an, dass private Investoren fehlen, die sich für das DOC-Areal interessieren. Im Gespräch ist aktuell bei der Stadtverwaltung eine Mischung aus Wohnraum und Gewerbe.

Eine Frischzellenkur könnte jedenfalls nicht schaden, findet auch Lothar Vieler. „Zuletzt ist zwar der Bushaltepunkt am Kreishaus hergerichtet worden. Von den Veränderungen ist aber kaum etwas zu erkennen“, beklagt der Stadtführer. Und auch die heutige Bahnhofgestaltung sei ein Witz.

Einst führten 36 Gleise von Lennep aus in die Republik

Froh zeigt sich Lothar Vieler darüber, dass wenigstens das ehemalige Bahnhofsgebäude für die Nachwelt erhalten blieb - dank des dortigen Gesundheitszentrums. „Es gab hier mal 36 Gleise und sogar eine Direktverbindung nach Hamburg“, erinnert sich Klaus Kreutzer an glorreiche Tage des Schienenverkehrs in Lennep.

Manches kann sich aber weiterhin sehen lassen: die Altstadt, die Natur, der Hardtpark. Oder auch das Röntgen-Museum, das an den großen Sohn der Stadt erinnert. Und darüber würde sich Wilhelm Conrad Röntgen garantiert freuen.

Die Stadtteilserie „RGA vor Ort“

In der nächsten Folge von „RGA vor Ort - Lennep“ geht es um das Bauen und Wohnen in Lennep. Lange schon stehen die Gewag-Häuser an der Ringstraße leer. In diesem Jahr soll das erste abgerissen werden. Und was Häuslebauer in Lennep erleben.
Die gesamte Serie zu Remscheids Stadtteilen finden Sie hier.

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