Lennep

Friedhof wird zum Insektenparadies

Pfarrerin Iris Giesen und Steffi Geier an der neuen Bienenhecke auf dem evangelischen Friedhof in Lennep.
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Pfarrerin Iris Giesen und Steffi Geier an der neuen Bienenhecke auf dem evangelischen Friedhof in Lennep.

Evangelische Kirchengemeinde Lennep gestaltet die Anlage naturnah und klimafreundlich um.

Von Sabine Naber

Remscheid. Der Friedhof ist die Stelle, an der man traditionell seiner Toten gedenkt. „Aber er ist auch ein Ort des Trostes, der Hoffnung und eine grüne Oase mitten in der Stadt“, ist sich Iris Giesen, evangelische Pfarrerin in Lennep, sicher.

Mit Blick auf die Erhaltung der Schöpfung wird das vielfältige Leben auf dem Gelände des evangelischen Friedhofs an der Albrecht-Thaer-Straße forciert: „Wir richten unser Augenmerk seit einiger Zeit verstärkt darauf, unseren Friedhof naturnah und dadurch klimafreundlicher zu gestalten. Wo immer das hier möglich ist.“ Unterstützt wird das von Friedhofsgärtner Helge Lendermann, der ein bisschen stolz ist, dass die Gemeinde mit „seinem“ Friedhof sogar Mitglied beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) geworden ist.

Konkret sieht das so aus, dass beispielsweise die Linden nur noch versetzt geschnitten werden. Denn wenn sie zurückgeschnitten wurden, dann blühen sie im darauffolgenden Jahr nicht. „Also wird nur eine Hälfte geschnitten, damit immer welche blühen und den Insekten Nahrung bieten können“, erklärt Steffi Geier, Vorsitzende des Friedhofsausschusses, die sich sehr für dieses Projekt einsetzt.

TBR bieten Gräber auf dem Rasen unter Bäumen

Dazu gehört auch, dass größere Rasenflächen spät und dann nur noch ein oder zwei Mal im Jahr gemäht werden. So können viele Wildkräuter blühen. Und das sieht nicht nur schön aus, es fördert die Artenvielfalt unter den Pflanzen und freut die Insekten. „Manchmal ist es ein bisschen schwierig, die Balance zu finden, denn Schmetterlinge sind oft fokussiert auf bestimmte Pflanzen. Und auf den Gräbern wird oft gepflanzt, was nicht viel Arbeit macht. Vielleicht sollten wir mal darüber nachdenken, bienenfreundlich bepflanzte Gräber zu prämieren“, hat Pfarrerin Giesen bereits neue Ideen, um das Projekt zu fördern.

„Das ist ein Refugium mitten in der Stadt.“

Pfarrerin Iris Giesen

Verstärkt ist darauf geachtet worden, einheimische Sträucher, beispielsweise Holunder oder kleine, wilde Apfelbäume zu pflanzen, die den Insekten und Vögeln Nahrung bieten. Außerdem wurden rund 20 Futterstellen für Vögel installiert. Sie werden ehrenamtlich von Friedhofsbesuchern bestückt, die sich das Futter beim Friedhofsgärtner abholen können. „Ein Ehepaar, das an der Tuchwiese wohnt, und eine Erzieherin engagieren sich, bestücken die Futterstellen so lange, bis die Jungvögel nicht mehr gefüttert werden müssen. Dann geht es im Oktober weiter“, schildert die Pfarrerin das Abkommen. Auch wurden Nistkästen aufgehängt, weil Höhlen in den zumeist aufgeräumten Gärten und abgedichteten Häusern fehlen.

Eine imposante, etwa 12 Meter lange Benjeshecke hat der Gärtnermeister angelegt. Aufeinandergehäufte Äste und Zweige, wie sie beim Gehölzschnitt als Abfall übrig bleiben, werden durch senkrecht in die Erde getriebene Zaunpfähle, zu einer Hecke umfunktioniert. Sie bietet Tieren wie Igeln, Eidechsen oder auch Mäusen Unterschlupf. Weil sich mit der Zeit in den Hölzern und drumherum Wildblumen ansiedeln, finden auch Insekten Nahrung. „Es ist ein Refugium mitten in der Stadt. Und das kommt auch bei unseren Friedhofsbesuchern gut an“, weiß die Pfarrerin, die das Thema Ökologie auch aus dem theologischen Blickwinkel sieht: „Wir Menschen gehören in den Kreis des Lebens. Wir konnten erst geschaffen werden, als alles andere schon da war.“

Engpass bei Beerdigungen in Remscheid: Es fehlen Sargträger

Inmitten eines Bambusfeldes können auf dem Friedhof Urnen beigesetzt werden, Bäume wurden gepflanzt, unter denen ebenfalls Urnengräber angeboten werden. „Diese Art der Bestattung, beispielsweise unter den jungen Hainbuchen, ist sehr nachgefragt. Man spürt ja auch etwas, wenn man unter so einem Baum steht“, ist Iris Giesen überzeugt.

Pfad der Erinnerung

Erst im vergangenen Monat wurde auf dem evangelischen Friedhof der Kirchengemeinde Lennep der Pfad der Erinnerung eingeweiht. Mit bisher 11 Stelen wird so an Persönlichkeiten erinnert, die sich besonders für das Gemeinwohl in ihrer Stadt oder Gemeinde eingesetzt haben. Am Tag des Friedhofes, das ist der 18. September, lädt Pfarrerin Giesen nachmittags zu einer Führung über den Friedhof ein.

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